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Gute Kerzen, böse Kerzen

Was ein verstellter Zündzeitpunkt doch ausmachen kann. Allein schon optisch.

Golf-Zündkerzen
Vor allem die rechts vorne!

Ein Jahr lang, seit der Inspektion der Gasanlage, hatte der Golf Probleme. Würgte sich ab 120 km/h ab, kam nicht mehr auf Touren. Vor Weihnachten dann empfahlen die Jungs von Autoklar aus Warendorf (ex Klargas), neue Zündkabel einzubauen. Was zwischenzeitlich auch passiert ist. Einen neuen Zündverteiler gab’s gleich mit dazu, der alte ließ Öl nämlich durch. Die durch die Ölspritzer in der Verteilerkappe ausgelösten Aussetzer hatten mich im Frühjahr 2010 auf der Fahrt zum Segelfliegerlager in Südfrankreich auf der Stadtautobahn von Lyon, mit einem Flugzeug im Schlepptau, Blut und Wasser schwitzen lassen.

Die Selbststrangulation des 60-PS-Aggregats war jetzt futsch. Dafür folgten heftige Zündaussetzer, Leistungsverlust, unrunder Motorlauf und erhöhte Temperatur. Heute nun, dank Mombartz & Jansen in Eschweiler, die Lösung: Beim Verteilerwechsel hatte sich der Zündzeitpunkt verstellt. Die Kerzen waren danach reif für die Tonne, bei einer war sogar der Isolator gesprungen.

Nachdem in der vergangenen Woche auch noch ein geplatzter Wasserschlauch zu flicken war, müsste jetzt endlich wieder alles gut sein. Bis zum nächsten Drama. Ach, Golfi…

Hat jemand ein gutes, günstiges Winterauto für mich?

Driving home for Christmas

Hot ’n‘ spicy to go

Ende November war’s, ein erster weißer Gruß war in der Nacht auf Aachen herniedergefallen, da lag des Morgens, als ich frischen Mutes zur Arbeit schritt, diese scharfe vegetarische Warnung auf dem Bürgersteig. Da wusste ich: It will be a hot winter.

's wird allmählich Herbst
’s wird allmählich Herbst

Selber Ort, nur wenige Tage darauf. Da ist er auch schon, der Winter. Nun denn, wir sind gerüstet. Im Kofferraum des Golfs liegt ein Fünfkilopack Katzenstreu (Sand kann einfrieren, wegen der Feuchtigkeit darin), auf dem Rücksitz eine Wolldecke und eine Flasche Wasser, falls die Nacht mal länger wird. Zwei Handbürsten warten auf Fahrer und Beifahrer, um die weiße Pracht vom Lack zu fegen. Zwei Regenschirme ebenso, falls sich das mit dem Niederschlag zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz erledigt haben sollte. Zwei Eiskratzer, den Scheiben zu Durchsicht zu verhelfen. Zwei Handschuhe, die Finger des Fahrers dabei warm zu halten (der Co muss sehen, wie er zurechtkommt, um alles kann ich mich ja nun auch nicht kümmern). Im Tank schwappt eine Extraladung Sprit, im Scheibenwasserbehälter eine Extraladung Frostschutz. Die Wischerblätter sind neu. Golfi selber, der Treue, trägt mit Frontantrieb und Riesenbatterie das Seinige dazu bei, uns stets ans gewünschte Ziel zu bringen. Die Winterreifen sind zwar nicht mehr ganz fabrikfriscih, aber es sind immerhin Winterreifen. Noch einmal Neureifen zu kaufen, würde sich bei so einem alten Auto ja auch kaum noch lohnen.

Und jetzt auf nach Norden mit unserer Fuhre. Es ist der 23. Dezember, der weihnachtliche Elternbesuch steht an und im Radio spielen sie „Driving Home for Christmas“ von Chris Rea, das einzige erträgliche Weihnachtslied überhaupt, da stört uns auch der stockende Verkehr auf der A1 bei Hagen nicht.

Driving Home for Christmas
…yes I’m driving home for Christmas…

Es schneit ohne Ende, als wir nach über zwei Stunden auf der überfüllten Autobahn plus einer dreiviertelstündigen Schleichfahrt über die elende B64 endlich Zwischenstation im westälischen Warendorf machen, wo die Gasanlage von den netten Jungs von Klargas gecheckt wird. Für die läppischen 160 Kilometer von Köln hierher haben wir über drei Stunden gebraucht. Zwar nicht mit Ach und Krach, dafür aber mit reichlich Flitsch und Glitsch sind wir irgendwie durchgerutscht. Die Wischer sind im laufenden Betrieb auf der Scheibe eingefroren. Der Wagen trägt einen Panzer aus Eis, die Antenne einen regelrechten Bart. Egal, wir sind ja angekommen.

17 Uhr. Die Gasanlage ist neu eingestellt. Draußen ist es inzwischen dunkel. Es ist der 23. Dezember, der verkehrsreichste Tag des Jahres. Es wird immer kälter und es schneit immer weiter. Es wird das schneereichste Weihnachten seit mehr als 100 Jahren sein, aber das weiß ich um diese Zeit noch nicht. Das Radio läuft. Auf Nordrhein-Westfalens Straßen herrscht Alarmstufe Rot, die letzte Stufe vor Lila. Lila ist, wenn nichts mehr geht und nichts mehr fährt. Man glaubt zu spüren, wie der Blauanteil im Rot von Minute zu Minute steigt.

Die Verkehrsdurchsage beginnt mit gesperrten Bundesstraßen und Autobahnen, listet dann sämtliche größeren Staus auf, angefangen von mehreren 30- und 25-Kilometer-Monstern auf der A1 bei Bremen und der A2 bei Helmstedt, lässt die dringende Warnung folgen, auf alle nicht unbedingt notwendigen Fahrten zu verzichten, führt zwei Regierungsbezirke auf, in denen ein flächendeckendes Fahrverbot verhängt wurde, warnt vor Blitzeis und überfrierender Nässe und endet mit einer Aufzählung der Bahnstrecken in Norddeutschland, auf denen kein Zug mehr fährt und der Schienenersatzverkehr gestrichen wurde. Es ist die Mutter aller Verkehrsdurchsagen. Als sie endlich vorbei ist, ist es sechs Minuten später.

Habe ich vorhin 160 Kilometer läppisch genannt? Genauso viele sind es laut Navi noch bis Oldenburg. Kurzer Profilcheck: Die Hankooks auf der Vorderachse haben gerade mal drei, die ollen Vredestein Ganzjahresgummis auf der Hinterachse nur noch zwei Millimeter Profil. Schon beim Verlassen des Laternenparkplatzes hatte Golfi seine liebe Not, das Katzenstreu kam erstmals zum Einsatz.

Plötzlich geht es nicht mehr darum, ob es grundsätzlich sinnvoll ist, für so ein altes Auto – 15 Jahre, rund 325.000 Kilometer – noch einmal Geld in neue Winterreifen zu investieren. Es geht nicht einmal mehr um die Überlegung, ob man den Kaufzeitpunkt besser hinter die Feiertage verlegt, bis die Preislage sich beruhigt hat, die Lager wieder voll sind und es vielleicht sogar Sonderangebote gibt.

Plötzlich geht es nur noch darum, heil durch diese Nacht zu kommen. Durch den Schnee. Über die 160 tiefverschneiten Landstraßen- und Autobahnkilometer, die es noch bis Oldenburg sind.

Was sind 160 Kilometer wert?

Schneefräse
Schneefräse

24. Dezember 2010, Vormittag. Vor einer Doppelhaushälfte im Oldenburger Stadtteil Bürgerfelde steht ein VW Golf III. Auf dem Dach: in der Nacht gefallener Schnee. Auf der Vorderachse: zwei neue Winterreifen, Premium, Continental Winter Contact. Zu je knapp 100 Euro, inklusive Auswuchten und Montage, bei ATU in Warendorf. Fröhliche Weihnachten.

Biokraftstoffe reloaded

Kleines Déjà-vu. Pölfahrer, erinnert Ihr Euch?

Der Motor wird explodieren. Der Versicherungsschutz erlischt. Der Spritfilter wird sich mit Schlonz zusetzen. Schläuche und Gummidichtungen werden sich auflösen. Der Wagen wird nicht anspringen. Der Motor wird laufen wie ein Sack Nüsse. Der Verbrauch wird ansteigen und den billigeren Spritpreis wieder auffressen.

Bioethanolgolf64_800

Heute, Freitagabend, 18.30 Uhr, Stawag-Tankstelle Lombardenstraße, Aachen. 20,02 Liter Bioethanol à 95 Cent.

Biokraftstoffe, die Zwote. Mehr demnächst in diesem Blog – bleiben Sie dran!

Thema verfailt

LPG-Fail_100_2So schnell wird man zum Trottel. Guckt euch mal diese „Fill Up Fails“ auf Demonicious.com an. Den Tankentyp auf Bild 8 (Pfeil) kennen wir doch, oder? Jau, das bin ich, damals bei der Erstbefüllung des 100-Euro-Golfs im Dezember 2007.

Der gute Ryan von Demonicious hat offenbar geglaubt, der LPG-Tankrüssel sei ein normaler und stecke in der falschen Öffnung des 100-Euro-Golfs. Und jetzt steht der Schreiber dieser Zeilen in einer Reihe mit Leuten, die beim Wegfahren von der Tanke die Zapfpistole steckenlassen. Sowas ist hart.

Ich bin nicht sicher, wer von uns beiden der Fail ist und hab dem Mann die Hintergründe mal in einem Kommentar – etwas weiter unten auf seiner Seite – erläutert. Ist ja auch nicht leicht zu verstehen, dieser Kram mit alternativen Kraftstoffen, sauberer Verbrennung und günstigen Preisen.

Ein leichtes Bedauern war trotzdem da: Wäre man Amerikaner, könnte man jetzt bestimmt ein locker sechsstelliges Sümmchen für emotional distress einklagen, von all so Copyrightgedöns ganz zu schweigen. Der Mercedes würde sich über ein neues Paar Vorderreifen bestimmt freuen… aber nein, wir sind ja lieb.

Nuja. Was wär das Internet ohne Trottel? Jedenfalls nicht so lustig.

(Danke an Pedro für den Link!)

Transportaufgaben (Feurs 2009)

Es ware eine harte Zeit, das dreiwöchige Segelfliegerlager in Südfrankreich. Und das nicht nur für mich. Golfi, das vor der Schrottpresse gerettete Hunderteuro-Sparwunder, musste richtig arbeiten für sein Geld. Von dem ich spätestens jetzt weiß, dass es wirklich, wirklich gut angelegt war.

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Wer hätte gedacht, dass mein armes kleines Winterautochen im zarten Alter von 14 Jahren und mit rund 300.000 Kilometern auf der Uhr noch einmal in den Genuss kommen würde, ein 110.000 Euro teures Segelflugzeug zu schleppen?

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Dabei hat das 1,4-Liter-Nähmaschinenmotörchen die Aufgabe mit Bravour gelöst. Beeindruckend, wie sich die 60 PS in so manch steile Steigung der Ardennen verbissen haben. Auch wenn die Nadel der Motortemperaturanzeige umgekehrt proportional zur fallenden Tachonadel in ungeahnte Höhen stieg.

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In Feurs angekommen, bewies der wendige Wolfsburger umgehend seine Vielseitigkeit. Ob bei einer Reparatur der defekten Blinkeranlage des Hängers für die ASW 28…

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…dem Transport unzähliger Klappstühle, Flugzeugbatterien, Jacken, Schuhen, Transportkullern, Mineralwasser-Sixpacks und Freßkörben mit Pilotennahrung (was ihm den Spitznamen „fahrende Wellnessoase“ einbrachte)…

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…bei Starthilfe für eingeborene Oberklassemobile…

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…dem Vollbringen geradezu herkulischer Zugleistungen…

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…Golfi war immer und überall dienstbereit, wo geflogen wurde, brachte fliegendes und kochendes Personal an seine Bestimmungsorte, holperte geduldig über sämtliche Bodenwellen, die Frankreichs Feldwege und Flugplätze zu bieten hatten, erledigte Einkäufe und schluckte überschwappendes Flugmotorenöl aus leckenden Kanistern. Selbst als Sockentrockner fungierte er.

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Sein Herrchen quetschte sich derweil fröhlich in fremde Einspurfahrzeuge…

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…musste Schlepphilfe in Anspruch nehmen…

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…und machte den Luftraum im Loire-Tal zwischen Zentralmassiv und Lyon unsicher.

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Golfi musste sich derweil mit dem bescheidenen Komfort mobiler Feldwaschanlagen zufrieden geben.

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Nicht, dass die anderen anwesenden Fahrzeuge sich nicht auch diversen demütigenden Transportaufgaben unterziehen mussten. Ob die Winglets das Fahrverhalten von Andrés C-Klasse verbessert haben?

Für Golfi gab’s für drei Wochen mit Anstand durchgestandener Strapazen zwei wohlverdiente Belohnungen:

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Eine neue Heckwischerkappe für 2,48 Euro (siehe unten: Massives privates Investitionsprogramm gegen die Weltwirtschaftskrise)…

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…und den roten Segelflieger-Ehrenfaden am Klebeband in Weiß.

Im Ernst: Der olle Golf ist der fahrende Beweis, dass man auch mit sehr wenig Auto sehr glücklich werden kann. Ich weiß nicht, ob Autos eine Seele haben. Aber ich hatte das Gefühl, er fand den Urlaub genauso toll wie ich.

Premium Vehicle

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Da steht er, mein Wintergolf. Und zum ersten Mal, seit ich ihn vor fast drei Jahren für einen Hunderter gekauft habe, finde ich den Gedanken an einen Neuwagen verführerisch, die Irrsinnspreise der Autoindustrie hin und jahrelanges Abstottern absurd hoher Monatsraten her. Es ist 22.45 Uhr, es ist an der Total-Tankstelle in Eynatten, Belgien, die gerade geschlossen hat, es ist schweinekalt und ich habe mich ausgesperrt und kann nicht mehr weg.

Vor ein paar Wochen ist mir beim Einsteigen der Griff der Fahrertür abgebrochen. Vielleicht ist bei der starken Kälte zu der Zeit – es war minus 15 Grad – das Material spröde geworden. Andererseits ist bei einem Kilometerstand von über 290.000 halt mit dem einen oder anderen Schwund zu rechnen (ich hätte mir natürlich statt des Golfs auch ein Auto für 200 Euro kaufen können).

Da ich im Januar umgezogen bin und für lange Abende in der Werkstatt weder Zeit noch Lust hatte, musste ich unzählige Male durch die Beifahrertür reinklettern, die linke Tür von innen aufmachen und dann um den Wagen herumgehen, um endlich einsteigen zu können. Unzählige Male ging das auch gut. Bis jetzt, an der Gas-Zapfsäule in Eynatten nach dem VdH-Stammtisch. Da habe ich den Schlüssel im Zündschloss stecken und die Fahrertür zufallen lassen – bei abgeschlossener Beifahrertür.

Da steht er nun, mit kaputter Tür, mit rostfleckigem Kotflügel vorne rechts, mit Hinterradbremsen, die fiese Scheuergeräusche von sich geben, mit einem gerade geschweißten und trotzdem wieder röhrendem Auspuff. Ein Wort drängt sich in so einer Situation in den Kopf.

ABWRACKPRÄMIE.

Aber natürlich ist es Schwachsinn, um an einen Nachlass von zweieinhalbtausend Euro zu kommen, weitere tausende von Euros auszugeben. Und dafür völlig fahrtüchtige Autos reihenweise zu schreddern und so Werte in Millionenhöhe zu vernichten. Staatliche Hilfe scheidet also aus. Die Antwort auf die Tankstellenkrise von Eynatten kann also nur ein massives privates Investitionsprogramm sein. Gestreckt über mehrere Wochen.

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Da wäre zunächst, quasi als – haha – Einstieg, der zerbröselte Türgriff, vorne im Bild. Siggi hat noch ein paar Neugriffe in seinem Kabinett der Köstlichkeiten. Mehr noch: Er ist sogar in der Lage, den Schließzylinder so umzufruckeln, dass mein alter Schlüssel weiterhin passt. Fragt nicht, was so etwas bei VW gekostet hätte.

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Zweitens: Der rostige Kotflügel. Der linke kam ja schon gleich zu Anfang neu, da ist es nur logisch, dass es den anderen jetzt auch erwischt hat. Das Ding hat bei Ebay lächerliche 28 Euro inklusive Versand (!) gekostet, das Lackieren schlägt dagegen mit 180 Euronen zu Buche.

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Aber es hat sich gelohnt.

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Drittens: Das komische Geräusch von hinten. Weil Reinigen der Bremsen vor einigen Wochen nichts gebracht hat, kommt jetzt das ganz große Konjunkturpaket zum Tragen. Erstmal runter mit den rostigen Trommeln…

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…und raus mit dem alten Innenleben. Bremszylinder und Beläge kommen neu, das Innenleben der Trommel wird gründlich gereinigt, ausgebrannt und überlackiert – weil auf der so geglätteten Oberfläche der Bremsstaub nicht mehr so gut haftet.

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Verhüllt wird die glänzende Pracht von nicht minder glänzenden neuen Bremstrommeln, frisch mit silbernem Zinkspray lackiert, damit sie auch so bleiben. Samt neuer Radlager.

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Das ganze achtteilige Reparaturset hat übrigens bei Ebay gerade einmal läppische 74 Euro gekostet – inklusive Versand. Trotz Trommeln made in Germany by Herzog. Für das Geld hätte ich im Teilehandel nicht einmal diese Trommeln bekommen. Ein Osnabrücker Teilefritze wollte über 120 Euro für einen Satz haben, mit Radlagern 160.

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Neu kommt auch der Auspuff. Ich hatte gar nicht gewusst, dass ein Endtopf an so vielen Stellen gleichzeitig durchrosten kann. Daher also das Wort Aus-puff.

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Fünftens: Was fürs Auge. Die Abwrackprämie hat nämlich durchaus auch ihr Gutes. Der Hof beim Verwerter Hüllsiek steht voller Autos. So voller Autos, dass die armen Leute nicht mehr wissen, wohin mit den ganzen Todeskandidaten. Wer nach Altteilen sucht, hat Auswahl ohne Ende. Ich entscheide mich für das Innenleben eines weinroten Golf III mit ganzen 108.000 Kilometern. Er ist innen und außen wie neu. 150 Euro für Sitze und Innenverkleidungen, fertig ausgebaut. 5 Euro für eine Hutablage, die aussieht wie frisch gepresst. Dazu ein paar Kleinteile vom Spiegelglas (2 Euro – das alte war angelaufen) bis zur Innenverkleidung der Heckklappe (3 Euro).

Da ich hier ohnehin die nächsten Jahre in dieser Umgebung verbringen werde, bis sich die Gasanlage rentiert hat, kann ich es mir wenigstens etwas wohnlich einrichten. Der Fahrersitz des Weinroten war ganz nach oben gekurbelt – ich tippe auf eine zierliche Fahrerin älteren Baujahrs, so unverbraucht, wie der Wagen aussah. Schade drum. Die Karosserie war nach dem Hängetransport mit dem Gabelstapler eh nicht mehr zu retten.

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Zuletzt: Neue Schuhe. Eine Woche später fallen mir an einem anderen Neuankömmling auf dem Hüllsiekschen Firmengelände die fast makellosen Originalfelgen auf. Es ist 12.50 Uhr, zehn Minuten vor Feierabend. Weil die Schrottis pünktlich Feierabend machen wollen, vergessen sie ganz, die Reifen von den Felgen zu ziehen. Zwei haben noch prima Profil – das alles für 120 Euro. Dafür hätte ich beim Reifenhändler gerade zwei neue Uniroyal-Sommerschlappen gekriegt.

So. Immer noch kein Neuwagen. Aber der Frust ist wieder weg für eine Weile. Und das Thema Vernichtungsprämie ist vom Tisch. Jetzt kann der Sommer kommen.

PS: In Eynatten rettete mich übrigens am Ende der Thomas K. vom VdH.

Neues vom Straßenrand (3)

Eigentlich müsste dieser Artikel ja heißen: Neues aus der Kategorie „also sowas“. Als ich nämlich gestern die Heckklappe meines treuen Gefährts öffnen wollte, war da etwas, das nicht da war.

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(Wie das Nummernschild vor dem Wochenende aussah, ist hier zu sehen.)

Für den freundlichen TÜV-Mitarbeiter heute Morgen war die Sache klar.

„Die hat Ihnen einer abgeknibbelt.“

„Och. Kann die sich nicht auch von alleine gelöst haben?“

„Die Dinger kleben so bombenfest, die gehen nicht von alleine ab.“

Sprach’s und klebte mir eine. Eine Neue.

Jetzt fährt meine alte TÜV-Plakette also an einem fremden Auto durch die Kaiserstadt. Ist natürlich billiger, sich irgendwo eine gebrauchte Plakette abzuhebeln, als sich auf dem üblichen Weg eine neue zu verschaffen.

Sachen gibt’s. Vor allem in Aachen. Oder ist jemandem so etwas schon mal in einer anderen Stadt passiert? Die Redaktion bittet um sachdienliche Hinweise. Auch auf den derzeitigen Aufenthaltsort einer etwa sieben Wochen alten, runden braunen HU-Plakette.

Gasprobleme

Gestern auf dem Weg zum Joggen erstmals richtige Probleme gehabt. Der Wagen lief ruckelnd, ging immer wieder aus, beschleunigte nicht richtig, sprang nach dem Ausgehen kaum noch an.

Bin mit Müh und Not wieder nach Hause gestuckert. Dort mal die Zündkerzen angeguckt: Total verrußt. Saubergebürstet – danach fuhr er wieder.

Liegt das nun an den rund 6.500 Kilometern LPG-Betrieb? Oder daran, dass der Luftfilter schon ziemlich zu sitzt? Verfettet dadurch das Gemisch, trotz elektronischer Einspritzmengenregulierung?

Morgen kaufe ich mal einen neuen LuFi. Und neue Kerzen.

Wieder mal unterwegs II

Der eigentliche Anlass meiner Fahrt in alte Heimaten war allerdings ein anderer.

Blogheader Frühling

Aber das ist eine andere Geschichte und soll anderswo erzählt werden.

Hierhin gehört allerdings, dass mich nach vollbrachten fliegerischen Glanztaten* der Navi-Knubbel erst glücklich weit hinein nach Wuppertal in eine abgelegene Gegend führte, wo inmitten eines tief schlafenden Wohnviertels ein freundlicher Subaru-Händler mit einer 24-Stunden-LPG-Tanke wartete…

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…und mich dann, als ich schon wieder auf der Autobahn und fast schon in Düsseldorf war, unbedingt auf die A59 lotsen wollte, die mich geradewegs zurück nach Leverkusen und auf die A1 brachte, die ich eine Stunde vorher bei Wuppertal verlassen hatte. Was für ein Riesenumweg.

Navis. Liebt sie oder hasst sie.

* A good landing is any landing you can walk away from. A great landing is when you can use the airplane again.

Wieder mal unterwegs I

Kleiner Zweitagestrip in alte Heimaten: Erst Siggi besucht, der dem Golf neue Bremsschläuche verpasste, die Bremsflüssigkeit wechselte, das gerade einsetzende Quietschen der hinteren Bremsen mit Kupferpaste beseitigte sowie nun auch der Beifahrertür eine Colorglasscheibe verpasste –

Fensterschacht79_800

– oh Gott, die sieht innen ja noch schlimmer aus als die Fahrertür. Die Gummidichtung zieht offenbar durch Kapillarwirkung Feuchtigkeit an und so nistet sich der Rost ein. Verdammt. Da hilft nichts mehr – Rostumwandler drauf und Fett unter die Dichtung, damit der Gilb zumindest verlangsamt wird. Aber in ein paar Jahren müssen wohl neue Türen her. Kaum hat man eine Baustelle beseitigt, tut sich die nächste auf…

Ist halt ehrgeizig, einen runtergerittenen Fast-Geschenkt-Wagen über Jahre fahren zu wollen. Mal gucken, wer länger durchhält, Golfi oder ich.