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The loneliness of the air traffic controller

Wer in einen Luftsportverein eintritt, tut gut daran, die Zahl der abzuleistenden Arbeitsstunden nicht völlig aus dem Auge zu verlieren.

lonecontroller

Sonst könnte es passieren, dass er kurz vor Jahresende mutterseelenallein in einem Flugleiterbüro kauert und hofft, dass vor Sonnenuntergang wenigstens noch ein verirrter Ultraleichtflieger vorbeigeweht kommt, weil das sonst die langweiligste Stunde des Jahres wird.

Die kleine Freiheit mit dem Zitronengeschmack

„Na, wie sitzt es sich da oben in der Zitrone?“ fragt der nette Jungpilot. Ich stutze eine Sekunde, dann wird mir klar, welchen Spitznamen die Nörvenicher Sportflieger ihrer fahrbaren Flugleiterkabine gegeben haben. Der selbstgebaute Mini-Tower besteht aus einem alten Lastwagen, auf den eine Art Bürocontainer mit Kontrollkanzel montiert wurde – und ist wegen seiner knallgelben Lackierung namensmäßig an die saure Südfrucht angelehnt.

Es ist mein erster richtiger Tag auf dem Fliegerhorst Nörvenich. Um meine mit der Zeit verschütt gegangenen Motorflugfähigkeiten wieder zu zu reaktiveren, hatte ich vor einigen Monaten Bande zum hiesigen Fliegerclub geknüpft. Lockstoff war dessen enormer Flugpark: eine viersitzige Reisemaschine DR 253 Regent, ein Schulzweisitzer DA-20 Katana, ein Buschflugzeug vom Typ Piper Cub, ein historischer Bücker-Jungmann-Doppeldecker, zwei Ultraleichtflugzeuge C42 Ikarus und Z602 und last but not least je ein Motorsegler des Typs SF25 Falke und Grob G109. Das Ganze gekrönt von überaus zivilen Preisen (den Falken fliegt man für runde 30 Euro die Stunde) und einem offenbar blubbernden Vereinsleben.

Doch wie jeder Aeroclub leben auch die Nörvenicher von ehrenamtlichen Engagement. Und so darf sich das frischgeschlüpfte Neumitglied aufgrund temporärer Abwesenheit von erfahrenerem Bodenpersonal erst einmal nützlich machen – als Flugleiter. Nach ebenso kurzer wie komprimierter Einweisung („Du brauchst eigentlich nicht mehr zu sagen als: Piste Zwo-Fünf, selbständig“) finde ich mich mutterseelenallein mit einem Funkgerät, einer langen Liste an Telefonnummern von Truppenkantine bis Flugplatzfeuerwehr („falls irgendwo Rauch aufsteigt“) sowie einer Flasche gerade noch angenehm kühler Fassbrause wieder. Zitronenlimonade in der Zitrone. Soll ja nur für eine halbe Stunde sein.

"Nörvenich Info, Piste Zwo-Fünf selbständig, was kann ich für Sie tun?"
„Nörvenich Info, Piste Zwo-Fünf selbständig, was kann ich für Sie tun?“

Um die folgenden drei Stunden etwas abzukürzen: Es stieg nirgendwo Rauch auf, es gab keine Near Misses, auch einen umgeleiteten Airbus A380 oder eine Rotte Eurofighter hatte ich nicht in der Platzrunde abzufertigen und der Funkverkehr beschränkte sich auf ein bewältigbares Minimum („Frage Kontrollzone aktiv?“ – „Äh, nö.“). Die Sache hat sogar Spaß gemacht. Nur der Schädelinhalt wird einem da oben langsam weichgekocht, weil die Klimaanlage der Zitrone noch nicht oder nicht mehr zur Kühlung der Flugaufsicht beitrug.

Dann aber kam endlich freundliche Ablösung herbei, und so konnte es es schließlich auch für mich heißen: Piste Zwo-Fünf, selbständig. Natürlich mit dem Falken, dem einzigen Fluggerät, das man auch mit weichgekochter Hirnmasse noch halbwegs fehlerfrei bedienen kann (es könnte am Fehlen jeglicher komplexer Bedienelemente wie Einziehfahrwerk, Verstellpropeller oder Volldisplayscockpit liegen). Auch wenn die D-KGAA mit ihrem 60-PS-Käfermotor keine Rollbahnrandbefeuerung ausreißt, zwei Erwachsene wuchtet sie mit der selbstverständlichen Routine eines 60-jährigen Gepäckverladers in den Himmel.

platz

Da sind wir endlich.

Der an diesem Wochenende bis auf die paar Sportflieger menschenleere Platz mit seiner gigantischen Piste ist das reinste Fliegerparadies. Hier stört uns niemand, und da auch der Segelflugbetrieb mittlerweile eingestellt ist (leider hat ein Motorschaden die Winde außer Gefecht gesetzt), gehört der Himmel über Nörvenich ganz uns. Der Boxer brummt mit gemütlichen 2500 Umdrehungen, die Sonne knallt lustig durch die Plexiglashaube, ein Schwarm Greifvögel dreht unter uns seine Kreise über der Bahn und mein linker Schuh wird von irgendeinem Motorabwärmestrahl im Fußraum langsam getoastet. Die ganz kleine, grenzenlose Freiheit auf 1300 Fuß über Grund.

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Ein, zwei Handvoll Platzrunden später wird das Fluggerät am Pistenrand abgestellt, in immer noch gebrauchsfähigem Zustand. Folglich hat der Mensch auf dem linken Sitz das mit den Landungen erfreulicherweise doch nicht völlig verlernt. Glücksgefühl hat viele Gesichter. Ein Flugzeug nicht kaputt gemacht zu haben, kann eines davon sein.

zitrone

Und das ist er, der gelbe Glücklichmacher. Beziehungsweise die Kuh, wie die SF25 wegen ihres bauchigen Rumpfes und ihrer sportlichen Flugleistungen landläufig genannt wird. Braves Flugzeug. Ich werde nicht Kuh zur Alpha Alpha sagen, sondern einen charmanteren Spitznamen wählen. Wie wäre es mit… Kanarienvogel? Gelbe Gefahr? Nein, besser: Zitrone? Klingt doch auch viel spritziger.

Dann ist der Flugtag vorbei, die müde Crew will in den Feierabend. Die Zitrone rollt knatternd zurück zu den Hangars, wo bereits der Großteil der Nörvenicher Luftflotte geparkt steht.

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Darunter auch dieses überaus edle Fluggerät, eine Gyroflug SC01 Speed Canard. Ein Entenflügler mit Push-Motor. Ja, dieses Flugzeug steht mit dem Heck zur Kamera. Nein, es hat kein Seitenleitwerk.

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Prunkstück ist natürlich die Bücker. Niemand nennt den Doppeldecker CASA, obwohl es ein spanischer Nachbau des berühmten deutschen Schuldoppeldeckers aus den Dreißiger Jahren ist. Der vor einigen Monaten mit Fahrwerksbruch lahmgelegte Klassiker wird derzeit in liebevoller Handarbeit wieder aufgebaut.

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Der Vogel wartet mit dem wohl bizarrsten Detail auf, das ich je an einer Maschine gesehen habe, das geschleppte Dreibein-Einziehfahrwerk der Meta Sokol in Norwegen eingeschlossen. V-förmige, durch Schnüre verschlossene Wartungsöffnungen für die Höhenruderklappen. Hat man sowas schon gesehen?

Eine gute halbe Stunde später ist es wieder ein 35 Jahre alter Mercedes-Dieselmotor, der vor mir brummt. Der Moorbraune und sein Meister schaukeln über die Landstraßen zwischen Golzheim und Merzenich heim in Richtung Aachen – ganz schön matt, aber um so glücklicher. Das war er, der erste Flugplatztag in Nörvenich.

Klar, das Platzangebot ist im Mittelklasseauto gefühlt doppelt so groß wie im winzigen Motorseglercockpit. Die Sitze sind langstreckentauglich. Frischluft und Heizung lassen sich gradgenau regulieren und Sonnenblenden gibt es auch. Trotzdem: Die wenigen Sitze, gegen die ich mein geliebtes Benz-Gestühl von Zeit zu Zeit mit Vergnügen eintausche, sind die, die es in die ganz kleine grenzenlose Freiheit in 1300 Fuß überm Boden schaffen.

Überseeflug

Irgendwann im Januar war dann endlich, endlich der ersehnte neue JAR-PPL in der Post. Mit allen Stempeln, Gültigkeiten und Klassenberechtigung für Reisemotorsegler. Ein Reisemotorsegler ist sowas wie das hier:

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Was in den darauffolgenden Wochen und Wochen noch fehlte, war Wetter. Und Zeit. Doch schließlich ward es Donnerstag, und siehe, beides war plötzlich vorhanden. Zeit zwar eher als Wetter (das hatte sich nach dem Mini-Frühling zum Wochenbeginn doch wieder etwas zugezogen), aber beides reichte aus für einen Flug. Und ein Reisemotorsegler war auch zur Hand, nämlich der da oben.

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Schnell noch vier Platzrunden geschrubbt – wegen der 90-Tage-Regel – und dann den Kurbel eingepackt, dem ich noch einen Gegengefallen für einen Segelkunstflug in Feurs schuldete.

Zeit und Wetter reichten noch für eine Spritztour in die Eifel. Der Sprit im Tank auch. Meinen Plan, für einen schnellen Sechzig-Euro-Kaffee zur Dahlemer Binz zu knattern, musste ich allerdings canceln. Soviel Zeit, Wetter und Sprit waren’s dann doch nicht.

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Doch wenn man etwa 20 Minuten lang von Merzbrück aus auf 154° nach Südosten öttelt, kommt schließlich linkerhand hinter Eifelwäldern und schneerestbeflockten Feldern etwas Blaugeschlängeltes in Sicht.

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Der Rursee, Verzeihung: die Rurtalsperre. Hier schauen wir auf den Westzipfel bei Rurberg, rechts unten der Obersee, rechts oben die Urfttalsperre. Wir drehen nach links und fliegen den eigentlichen Rursee hoch…

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…bis über der Eifel endlosen Wäldern die Staumauer bei Heimbach in Sicht kommt.

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Noch ist da unten keine Segelsaison, die Anleger sind ziemlich leer. Die Ausflugsdampfer liegen noch brav am Seehof vor Anker.

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Jetzt aber ab nach Hause, ehe Zeit, Wetter oder Sprit knapp werden. Die tiefstehende Sonne spiegelt sich noch einmal schön auf der Wasseroberfläche…

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…während voraus schon im Dunst die markante Dampfwolke des Kraftwerks Weisweiler auftaucht.

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So brummelt die India Romeo auf Nordkurs, 354°, wieder Aachen entgegen. Die Luft ist ruhig, und wenn nicht ein gelegentlicher Tröpfchenregen die Kabinenhaube sprenkeln würde, wär’s fast schon ein schöner Frühlingstag. Noch eine Runde um den Weisweiler Dampfpilz gedreht, dann zurück in den Gegenanflug von Merzbrück. Eine Dreiviertelstunde nach dem Start setzt unser Falke wieder auf der 08 auf und rollt gemütlich aus.

Hach ja. Das Maschineputzen nach dem Flug und der Papierkrieg mit Bordbuch, Flugbuch und Startliste können auch richtig Spaß machen. Endlich mal wieder oben gewesen. Und das ohne Lehrer oder Prüfer auf dem rechten Sitz. Wann haben wir das nächste Mal Wetter und Zeit?

Skandiblog 10: Norwegen von oben

Zwischenspiel in Elverum. Das ist eine kleine Stadt rund 140 Kilometer nördlich von Oslo, und es gibt einen schönen Flugplatz mit Segelflugbetrieb dort. Zwei überaus entspannte Tage lang darf ich den Fans des lautlosen Fluges über die Schultern gucken.

Flugplatz Elverum

Das liebevoll eingerichtete Vereinsheim des Elverum Flyklubb Seil, hinten zu sehen, bietet Möglichkeiten zum Übernachten, Fernsehen, Kochen und Kleiderwaschen, eine große überdachte Terrasse sowie einen brandneuen und für einen Verein geradezu luxuriösen Sanitärbereich. Eine lokale Besonderheit ist, dass die Anlage auch für Rollstuhlfahrer zugänglich ist. Auch eines der Segelflugzeuge lässt sich für Betrieb ohne Beineinsatz umrüsten.

Anhängerparade in Elverum

Im Sommer wird der Flugplatz zum Zentrum der norwegischen Segelfliegerszene. Wie zu sehen ist, hat die Saison begonnen: Rund dreißig Flugzeuganhänger stehen vor dem Hangar geparkt.

Außerdem findet an diesem Wochenende ein Fliegertreffen statt. Dutzende von Motor-, Segel- und Ultraleichtflugzeugen aller Bauarten starten und landen den ganzen Tag…

Celier Xenon Gyrokopter

…und selbst einer der vom Schreiber dieser Zeilen so geschätzten Tragschrauber dreht seine Runden über dem Elverumer Hügelland. Es ist ein Celier Xenon, ein exotisches Modell mit geschlossener Kabine.

Norwegischer Buschflieger

Nicht ganz mein Fall – zumindest optisch – ist diese Zenair. Die winklige Bemalung unterstreicht noch den Ikea-Look der tollen Kiste.

Wild Thing

Nein, wenn schon Buschflieger, dann auch einer, der das Auge erfreut: eine Wild Thing.

Wild Thing Holzpropeller

Dieses Exemplar besticht außerdem durch seinen schönen polierten Holzpropeller. Ach, wenn man nur mehr Geld hätte…

Experimental

Noch ein seltener Vogel. Auf die Schnelle habe ich nicht herausbekommen, was für ein Typ dieses Experimental mit dem ungewöhnlichen geschleppten Dreibein-Einziehfahrwerk ist.

[UPDATE vom 8.12.2010: In den Kommentaren weißt Uwe darauf hin, dass es sich um eine Meta Sokol handelt.]

F-Schlepp in Elverum

Es ist Segelflugwetter. Andere machen F-Schlepp, die Elverumer haben etwas anderes.

Arn'ardo da Vinsji

Der Stolz des Clubs ist „Arn’ardo da Vinsji“. Die von einem Vereinsmitglied (mit dem Vornamen Arne) selbst konstruierte und gebaute Motorwinde zieht mit Hilfe eines Lastwagenmotors von 340 PS die Segelflugzeuge in die Luft.

Windenpult

Der Arbeitsplatz des Windenfahrers (oder der Windenfahrerin): eine bemerkenswert saubere Konstruktion. Gerade macht sich der Leppo mit den Seilen auf den Weg zum Start. Die gelben Bremsfallschirme stammen von einer F16.

Pneumant Windenreifen

Die von einem Traktor geschleppte Winde rollt auf Reifen aus bewährter volkseigener Produktion.

Tiger Moth

Während die Segelflieger ihre Ausrüstung – Motorwinde, Startwagen, Seilschleppfahrzeug („Leppo“) und die Flugzeuge – auf den Platz bringen, dreht die historische De Havilland Tiger Moth des Nedre Romerike Flyklubb aus Jarlsberg Platzrunden.

Für den Zaungast aus Deutschland gibt es herrlich wenig zu tun. Endlich Urlaub, endlich Ruhe. Genug Zeit, im Reiseführer zu schmökern, einen Norwegen-Krimi zu lesen („Schwarze Sekunden“ von Karin Fossum), mit den Piloten zu plaudern, die berühmten vereinseigenen Waffeln zu futtern… und die nächsten Etappen der Reise zu planen. Die Fjorde der Westküste warten.

Freundliche Klubmitglieder zeigen mir die Stadt. Sie war während des Zweiten Weltkriegs im April 1940 für ganz kurze Zeit Norwegens Hauptstadt, als während des deutschen Überfalls die Königsfamilie auf ihrer Flucht ins Ausland hier Halt machte. Mit dem so genannten „Elverum-Mandat“ ermächtigte das Parlament für die Dauer der deutschen Besetzung eine Exilregierung. Als Reaktion darauf wurde die Stadt von deutschen Flugzeugen bombardiert, die das historische Zentrum vollständig in Trümmer legten. Es gab über 50 Tote.

Später erklärt mir ein Vereinsmitglied, wie das moderne Norwegen funktioniert. Es sei zum Beispiel erklärte Politik der Regierung, das Leben in den entlegeneren Regionen des Landes – etwa im Norden – zu fördern und die örtlichen Lebensweisen und Traditionen zu erhalten. Mit erheblichem Aufwand würden die Siedlungen dort unterstützt. Im Vergleich dazu sei es im Norden des Nachbarlandes Schweden geradezu menschenleer, weil viele Bewohner mittlerweile in den Süden abgewandert seien.

Sogar bloggen darf ich abends am vereinseigenen PC. Der fünfte Teil über die Fahrt durch Schweden entsteht so. Es bleibt für längere Zeit das letzte Mal, dass ich ins Netz komme.

Elverum von oben

Auch in die Luft darf ich mitkommen und kann das Gelände aus der Vogelperspektive bewundern. Links der Flugplatz, im Vordergrund eine Trabrennbahn, dahinter ein Golfplatz und ein Go-Cart-Kurs. Vor Jahren hat es hier einen ausgedehnten Waldbrand gegeben. Die Elverumer machten das beste der Situation und schufen auf dem verwüsteten Gebiet eine Art Freizeitpark.

Waldgebiete bei Elverum

Lässt sich bestimmt gut leben hier. Norwegen ist auch von oben schön.

Billigflieger

Die 13 Minuten im Heli am 5. Mai haben fast 70 Euro gekostet. Dafür kann man auch etwas länger in der Luft bleiben, wenn man bereit ist, am Fluggerät den Prestigefaktor herunterzuschrauben. Mein treuer Einradfalke D-KGAH bringt mich ein paar Stunden später am selben Tag für’s gleiche Geld in mehr als einer Stunde von Porta nach Bielefeld und zurück.

Nach dem Start in EDVY

Ungewöhnlich: Wir haben Nordwind, also Start auf der Piste 23 mit Rechtsplatzrunde. Nach dem Abheben fliegt man direkt auf die Porta zu.

Brücke an der Autobahn A2

Ich habe kein besonderes Ziel, bin einfach nur in der Gegend und will ein bisschen fliegen. Also geht Alpha Hotel auf vagen Südkurs in Richtung Bielefeld.

Golfplatz bei Herford

Extra für meine Kollegin Yvonne: ein Golfplatz. Möglicherweise Widukindland bei Herford.

Fliegerheld

Kein Flug ohne Fliegerheldenfoto. Man trägt wieder Pony. Warum schaffe ich es nie, auf einem Foto einfach mal nur nett zu lächeln?

Bielefeld

Ehrenrunde über der alten Heimat Bielefeld. Gerade waren wir noch mit dem Heli von Süden her gekommen, jetzt von oben mit dem MoSe.

Bielefelds Bahnhofsviertel

Das neue Bahnhofsviertel, Bielefelds Amüsiermeile.

Bielefelder Alm

Die Alm, wo die Alemannia Arminia schon manches Mal von der Arminia Alemannia geputzt worden ist. Oder andersherum.

Stadthalle Bielefeld

Unten im Bild sind Hauptbahnhof und Stadthalle zu erkennen.

Containerbahnhof

Der Containerbahnhof. In dieser Gegend habe ich von 2002 bis 2007 gewohnt…

Obersee

Der Obersee, jahrelang mein Joggingrevier. Davor das Eisenbahnviadukt.

Jetzt aber zurück nach Norden. Wird spät, und wir müssen heute noch nach Aachen zurück.

Kraftwerk Veltheim

Vor uns das Kraftwerk Veltheim bei Vlotho. Der ideale Punkt, sich am Platz anzumelden und in den Gegenanflug zu gehen. „Porta Info, Delta Kilo Golf Alpha Hotel…“

Ein schöner Flug. Ein schöner Tag. So entspannt und angenehm darf es gerne immer sein. War schon ein Unterschied zum 20. März mit Schneesturm und maximaler Seitenwindkomponente.

In die Luft gegangen

Eigentlich, also eigentlich wollte ich ja nur ganz schnell mal eben in Bielefeld-Windelsbleiche vorbeischauen, weil ich noch eine aktuelle ICAO-Karte für’s Motorseglerfliegen in Porta brauchte. Mal abgesehen davon, dass EDLI der einzige mir bekante Ort in Ostwestfalen-Lippe ist, wo man auch am Sonntag noch Flugplanungsmaterial kaufen kann, lohnt sich ein Besuch dort natürlich immer. Und das nicht nur für fliegendes Personal.

Alte Schönheiten

Unglaublich: Das barocke Mercedes-Flossencoupé ist ein Jahrzehnt jünger als die Cessna im Hintergrund…

Cessna 172 in der Ursprungsversion

…die auch der Schreiber dieser Zeilen schon einmal die Ehre hatte, ein Stück durch die Luft zu pilotieren.

Cessna-Propeller

In puncto Glanz wetteifern der Chrom des Autos und das polierte Aluminium des Fliegers miteinander. Ist das nicht ein prächtiger Anblick?

Venturirohr

Das Venturirohr. Solide Fünfziger-Jahre-Technik. Warum Elektronik, wenn’s auch pneumatisch geht?

Es ist ein wunderschöner Samstagnachmittag, in Windelsbleiche herrscht Hochbetrieb. Alles gibt sich die Ehre, vom Ultraleicht…

Schönes UL

…bis zur Socata Trinidad.

Socata Trinidad

Deren Cockpit sich etwas von dem des Falken unterscheidet, mit dem ich selbst anschließend noch eine Runde drehen möchte.

Socata Cockpit

Tatsächlich ist an diesem Tag die ganze Bandbreite an Einmots am Platz vertreten. Von der Piper Cup über die Beech Bonanza bis zur Mooney, dazu allerlei kleine Krauter, etwa Motorsegler wie diese Fournier…

Fournier

…deren optischer Zustand den Spruch auf der Motorhaube zu bestätigen scheint.

Poor Man's Messerschmitt

Wie ich gerade mit Carsten plaudere, kündigt sich in seiner Luftaufsichts-Funke die Delta Hotel Sierra Papa Sierra zur Landung an. Mit verdächtig heller Stimme. „Ist das etwa Sabine?“ frage ich Carsten. „Ach ja, ihr kennt euch ja“, erinnert er sich. In der Tat. Sabine „Turbine“ Nendza ist nicht nur die einzige weibliche Helikopterpilotin, die ich kenne, sondern auch einer der zielstrebigsten Menschen überhaupt. Ihren Traum von der Berufspilotenlizenz verfolgt sie seit Jahren mit unglaublicher Energie. Nach einem ausgeklügelten System fährt sie ständig quer durch die Republik, um irgendwo einen Heli von Dingsdorf nach Bumsstadt Transfer fliegen zu können. Irgendwie muss man ja auf seine Stunden kommen, auch wenn sie das vier- bis fünffache von dem kosten, was für einen Flächenflieger an Chartergebühren verlangt wird.

Heli in Sicht

Papa Sierra kommt von Westen her in Sicht…

Heli kommt näher

…und lässt sich auf dem Vorfeld nieder.

Heli hovert

Sabine ist natürlich überrascht, mich zu treffen. Hätte ich nicht zufällig ihre Stimme erkannt, säße ich ja jetzt auch schon wieder im Auto in Richtung Porta Westfalica.

Heli gelandet

Sie macht gerade eine Serie halbstündiger Rundflüge mit einer Gruppe von Freunden und Firmenkollegen. „Willst du auch mal ne Runde mitd drehen?“ fragt sie mich – na und ob!

Erinnerungsbild im Heli

Schnell noch ein kleines Erinnerungsbild für später…

Startbahn Bielefeld

…und dann geht’s ab in die Luft.

Abgehoben in Bielefeld

Die A 2 Dortmund-Hannover, Auffahrt Bielefeld-Sennestadt. Hier werde ich selber später nach links aus dem Bild verschwinden.

Der Teutoburger Wald

Ein Stück weiter nördlich führt die Autobahn über den Teutoburger Wald. Dieser Pass ist bei Piloten, die sich unter einer tiefhängenden Wolkendecke über den Bergrücken mogeln wollen, gefürchtet, weil die Straße ganz oben einen scharfen Knick macht. Schon mehrmals sind an dieser Stelle Maschinen zerschellt.

Blick nach unten

Seitlich an der Tür herunterfotografiert. Da man zu allen Seiten völlig freie Sicht hat, ist im Heli zu sitzen ein komplett anderes Gefühl als „Fläche“ zu fliegen.

Britischer Heliport

Auch ein Heliport – auf dem Gelände einer Britenkaserne in Stieghorst.

Bielefeld-Stieghorst

Und das ist Stieghorst, wo ich vier Jahre lang gewohnt habe.

Bielefeld, Detmolder Straße

Die Detmolder Straße, an der meine erste Bielefelder Wohnung steht.

Pilotenduo

Im Cockpit ist die Stimmung derweil glänzend.

Blick auf die ICE-Strecke

Einziger Wermutstropfen: Das Doppelsteuer ist nicht an Bord. Ich hätte ja soooo gerne nochmal „Hand aufgelegt“ und gespürt, wie sich Helifliegen anfühlt.

Brackwede

Der eingemeindete Stadtteil Brackwede südlich des „Teuto“…

Der Bielefelder Ikea-Markt

…wo auch der Bielefelder Ikea-Markt steht.

Helikopter im Endteil

Dann ist die erweiterte Platzrunde schon zu Ende, wir gehen ins Endteil.

Heli-Heck

Nach der Landung. Die nächsten Paxe warten bereits. Drehflügler sind schon ein extrem teures Hobby. 13 Minuten à 7 Euro – für das gleich Geld werde ich später am Tag mit dem Motorsegler nochmal von Porta bis Bielefeld und zurück fliegen. Allerdings mit weniger guter Sicht nach vorne.

Trotzdem: Sollte ich mal im Lotto gewinnen… ein PPL-H stünde auf der To-Do-Liste.

Flugwetter

Frühling! Vorbei ist das ständige nasskalte Schmuddelwetter, vorbei die dunklen Monate ohne Gelegenheit zu fliegen. Also gleich mal ein neues Foto für die Titelgrafik des Blogs gemacht, um das alte Hauptwolkenuntergrenzfoto zu ersetzen.

Alt:

Wolkenuntergrenze

Neu:

Blogheader Frühling

Ein herrlicher Tag, nicht wahr? Also flugs den alten „Falken“ aus der Halle gerollt und startklar gemacht. Keine fünf Minuten, nachdem das zweite Foto entstand, sah es dann allerdings schon wieder so aus:

Schneeplatz

Von wegen, vorbei das nasskalte Schmuddelwetter. Also flugs den alten Falken wieder so weit es ging in die Halle gerollt und den Schnee von den Klamotten geschüttelt. Bah.

Schneefalke

Wer sich die Platzfotos etwas genauer ansieht, dem wird auffallen, dass der Windsack etwas ungewöhnlich aussieht: Er steht nämlich exakt quer zur Bahn. Und stehen tut er tatsächlich. 30015KT, sagte der Wetterbericht – 15 Knoten. Und was sagt das Flughandbuch der SF 25C?

Falke Flughandbuch

Oha. Na schön, wann bekommt man schon mal eine Übungseinheit „Landen bei maximaler Seitenwindkomponente“ geboten. Ganz ehrlich: Es war gut, dass mit Jochen ein überaus erfahrener Fluglehrer auf dem rechten Sitz saß. Alleine hätte ich den Vogel nach der langen Pause bei solchen Verhältnissen kaum vernünftig hoch- und wieder runtergekriegt.

Gegen 18 Uhr sah es dann in puncto Wind etwas besser aus, und kurz vor einem weiteren Schneeschauer gingen wir nochmal in die Luft. Selten habe ich mich so geärgert, keine Kamera dabei gehabt zu haben. Der ganze Platz samt Umgebung bis zum Wiehengebirge war in eine massive Säule gehüllt, mit weißen Schlieren außen und dunkelgrauem Kern. Es sah aus wie eine Naturkatastrophe, wie ein Flächenbrand. Im Westen ging währenddessen die Sonne hinter einigen Wolken unter, deren Ränder einen gelb-goldenen Rand bekamen. Es sah fantastisch aus. Und nach Norden freie Sicht bis fast nach Oldenburg.

Bei milden sechs Knoten aus 230 Grad war dann auch die letzte Landung – endlich wieder solo – ein butterweiches Vergnügen. Minuten später war es dann schon richtig dunkel. Fast wie bei meinem ersten Solo überhaupt, 1999 in Clearwater.
(Hach ja. Ich muss unbedingt mal wieder einen Nachtflug machen.)