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Ornbau im Video

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Das lang erwartete Ornbau-Video ist online! (Wir erinnern uns, da standen so Leute beim Pfingsttreffen rum.) Es ist wirklich hübsch gemacht, nicht zu lang, nicht zu kurz und deckt tatsächlich fast das komplette Programm ab – vom Flohmarkt über den Teilemarkt bis zur Live-Musik, dazu Auktion und Feuerwerk. Sehr schön, das.

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Überraschung: Da waren ja auch Öcher vor Ort! Warum sagt mir keiner was?

Ornbau 2013: Neues und Altes

DSCF0492Da stehen sie wie jedes Jahr auf der saftgrünen Wiese, die chromblitzenden Schönheiten mit den Sternen am Kühler. Es ist Pfingsten, es ist Ornbau, es ist das Jahrestreffen des Vereins der Heckflossenfreunde! Und unglaublich: Die Sonne scheint, trotz der seit Tagen fröhlich vor sich hin regnenden Wolkensymbolbildchen in der Wettervorhersage-App.

029„Wird schon nicht so voll sein diesmal, bei dem Regen holen die meisten ihre Schätzchen doch bestimmt gar nicht erst aus der Garage“, hatte ich mich bei der restlos durchnässten Hinfahrt am Freitag noch getröstet.

025Klassischer Fall von Denkste – es war voller denn je, und wir am Abend gegen 21.45 Uhr auf den letzten Drücker Angerollten konnten uns mit Müh und Not noch einen Katzenplatz am Rand der Wiese ergattern. Buchstäblich den letzten. Immerhin fügte sich unser Zelt farblich perfekt in die Umgebung ein.

DSCF0477Am nächsten Morgen dann der erste Bummel bei Tageslicht über die Wiese. Mein viertes Ornbau – ob mich noch etwas überraschen kann hier?

DSCF0478Wieder jede Menge altes Blech, in dem sich die Wolken am strahlend blauen Himmel spiegeln. Unter den zahllosen Bekannten (wie „Old Daimler„) das eine oder andere neue Gesicht…

DSCF0468…beziehungsweise Kennzeichen. Dieser Geselle hier – wie könnte man ihn anders nennen als den „Undertaker“? – stach allerdings aus der Menge doch etwas heraus:

DSCF0662031034Muss man zweifellos nicht mögen. Was man aber muss, ist: zugeben, dass das handwerklich sauber und stilistisch klar durchgezogen ist. Und dass die meisten Kranken-Strichachter heute technisch in einem schlechteren Zustand sind – nämlich in allen möglichen Re-Inkarnationen der Würfelform.

DSCF0513Der Presswürfel ist auch diesem Neuling erspart geblieben. Frühling in Pagodenform, liebevollst begrünt.

DSCF0508Selbst ein halbes rostiges Radio hängt aus dem Armaturenbrett. Es sind diese kleinen Details, weswegen ich den VdH so mag. (Den Biergarten gab’s 2011 aber auch noch nicht, als ich zuletzt da war, oder?)

DSCF0501Was es natürlich immer schon gab, ist der Floh- und Teilemarkt. Und auch wenn für mich nichts dabei war – der Anblick der Schnäppchenjäger mit ihren halben Autos auf der Schulter ist den Besuch jedes Jahr wieder wert.

DSCF0496DSCF0490Stand der arme Kerl letztes Jahr auch schon im Clubheim? Ein 111er-Flossencoupé nach der Begegnung mit etwas Hartem. Man beachte: Die Windschutzscheibe ist heil geblieben.

035Erstmals begegne ich auch dem Videoteam, das für das Blog Mercedes Passion einen Beitrag dreht (den ich auf der Seite allerdings noch nicht entdeckt habe).

DSCF0535Nach dem Frühstück – gewohnt üppig und gastronomisch routiniert realisiert von einer unermüdlichen Freiwilligentruppe, die inzwischen allerdings nicht mehr im Tennisheim, sondern in der Stadthalle aufwartet – lädt das unerwartet weiterhin prachtvolle Wetter dazu ein, einmal gemütlich durch den Ort zu stromern.

DSCF0568Was für ein bezaubernd schmuckes Dörfchen Ornbau doch ist, auch wenn in diesem Jahr nicht jeder Quadratmeter mit alten Mercedessen zugeparkt steht. Auch die alte Brücke über die Altmühl bietet die eine oder andere idyllische Perspektive…

DSCF0569…auf die berühmte Schwimmflosse von Ornbau, links hinten am Ufer zu erkennen. Heute Abend, wenn über dem Wasser der Altmühl das Feuerwerk funkt und flackert, wird sie majestätisch unter den steinernen Bogen hindurchgleiten.

DSCF0577In den Gässchen des Ortes fällt auf, dass hier eine Strickguerilla ihr Wesen treibt. Bunte behäkelte Lampenpfostenumhüllungen, ein komplett eingestrickter Sonnenschirm in allen Regenbogenfarben, am Terrassengeländer des Clubheims ein überdimensionaler bunter Mercedesstern und als Krönung das hier – das Strickrad:

DSCF0617Selbst Dynamo, Schloss und Sattel haben ihre eigenen kleinen Häkelhauben. Chapeau!

045Mit Workshops, Live-Musik und reichlich bayerischem Landbier geht der Samstag zu Ende. Am Sonntag noch einmal ein Höhepunkt: die traditonelle Versteigerung. Stefan Schorlemmers Hammer fällt in diesem Jahr für einen kalifornischen W123er-Kombi, einen 124er-T-Modell und diesen einstigen Einsatzleitwagen der Amtsfeuerwehr Parchim, der mit lustig rotierenden Blaulichtern auf sein neues Herrchen wartet. „Mama, wir haben ein Feuerwehrauto gekauft!“ kräht der Sohn des glücklichen Auktionsgewinners.

Dann ist das offizielle Programm vorbei. Überall springen Motoren an, die Luft ist oktangeschwängert. Die Wiese beginnt sich zu leeren. Auch für die beiden Kölner im moorbrauen Dieselcoupé heißt es wieder: Rückreise. Wiederum bei strahlender Sonne. Ornbau 2013 war so wie immer – voller Überraschungen.

Ornbau 2009

Ach, Ornbau. Auch wenn ich im zweiten Jahr nicht mehr ganz so restlos erschlagen war von der schieren Wucht des Erlebten wie 2008, ein Erlebnis war es auch dieses Mal.

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Merken muss ich mir allerdings für 2010, dass man besser um 16 Uhr ankommen, als von zu Hause abfahren sollte.

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Sonst ist nämlich schon alles voll auf der Wiese…

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…auf der der Moorbraune dann aber doch noch sein Plätzchen fand. Sogar das Mammutzelt vom Sebastian – im Hintergrund zu sehen – ließ sich noch zwischen einem Wohnwagen und einer runtergerockten Pagode (O-Ton Kaype) unterbringen. Wenn auch zwischen dem Eingang des Leinwand-Eigenheims und der Seitenwand des Caravans nur etwa acht Zentimeter Platz waren.

Nach der Ankunft tat ich das, was ich letztes Jahr schon tat: Zur nächsten Waschanlage fahren und anschließend einige etwas ausgeblichene Lackpartien des Coupés mit é zu schokoladigem Strahlen polieren. Irgendwie kommt Ornabu jedes Jahr so plötzlich, dass dazu vorher keine Zeit mehr ist.

Jetzt aber auf, zu einem Rundgang!

Ornbau 2009 stand unter dem Zeichen des fünfzigjährigen Geburtstags der Heckflosse. Das Exemplar am Ortseingang sah allerdings so aus, als wäre es direkt aus dem Jahr 1959 nach heute und dann wieder zurückgefahren.

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Eine Leiche aus Portugal – in jeder Hinsicht.

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Den Portugiesen sagt man ja einen gewissen Hang zur Melancholie nach. Wäre ich ein Autorestaurateur von der Westkante der iberischen Halbinsel, wäre Trübsinn noch die mildeste meiner Auto-Emotionen.

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Nehmen und direktemang ab ins Museum damit. Meine Meinung. Gut, dass es nicht geregnet hat.

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Nein, da reckten sich doch weitaus schönere Flossen in den fränkischen Himmel.

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Diese hier hatte es mir mit ihrem betörenden Rotton angetan.

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Wobei auch ein sattes Grün entzücken kann. Agave nennt sich das hier wohl. Auf dem besten Weg, in Sachen Exclusivität in moorbraune Sphären vorzustoßen (und um die Frage gleich zu beantworten: Nein, ein zweiter Benz in Farbcode 479 war auch dieses Jahr nicht am Start).

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Ansonsten habe ich es mir geschenkt, wieder jedes halbwegs hübsche Fahrzeug abzulichten – zumal mir geschätzte 90 Prozent der Wagen eh noch vom letzten Jahr her bekannt vorkamen. Einige besonders ausgefallene Exemplare sollten allerdings nicht unabgelichtet bleiben.

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So wie dieses formal nicht ungelungene (sind doppelte Verneinungen nicht einfach unnegativ?) 190er-Cabrio. Gut, die mysteriösen Lackblasen unter den Türsicken darf man sich lieber nicht genauer angucken…

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Einen Blick wert waren dagegen die vielen Schilder und Embleme an den Exponaten, wie dieses seltene 220_Diesel-Schild, das angeblich in Großbritannien üblich war.

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Stilvoller Aufkleber zur Abwrackprämie im Achtziger-Jahre-Look.

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Hätte ich nur auf Mutti gehört, damals. Was sie gesagt hat? Keine Ahnung, hab ja nicht zugehört.

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W126 mit übertriebenem Hang zur Bescheidenheit. Immerhin: 190E, nicht 190 Vergaser.

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Auf der Wiese machen sich mittlerweile immer mehr Plastikbenze der Generationen W124 und W201 breit. Was die immer selbe Diskussion anfeuert, was denn nun der letzte wirklich echte Mercedes war. Die mehrheitsfähige Lösung verschiebt sich vermutlich jedes Jahr ein Stück weit nach hinten auf der Zeitachse. Die Frage, in welchem Modell man bequemer liegt, dürfte dagegen etwas einfacher zu klären sein.

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Eins ist mal sicher: Als Leiche würde man lieber hier aufgebahrt liegen, als im portugiesischen Todesmobil oben. Außerdem können sich hier die Trauergäste während der Fahrt gut an den Griffstangen festhalten.

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Was fällt uns an diesem Verblichenenveteran auf? Linke Seite…

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…rechte Seite? Eigentlich nichts – haben nicht die meisten Autos vier Türen?

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Eine weitere Variation zum Thema Tür und Tod.

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Aber dass Mercedesfahrer Humor haben, müssen sie natürlich an allen Ecken und Enden beweisen. Man lese den aufgeklebten kleinen Zusatz (die Bilder lassen sich übrigens großklicken).

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Überhaupt, der Flohmarkt. Was gab es nicht alles wieder zu Bestaunen und zu Ergattern.

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Ich gebe zu: Die schönsten Klorollenhäkelmützchen der Welt haben mich eine Sekunde lang gereizt. Waren nur die falschen Autochen drauf.

Ich hatte dann freilich mein ganz persönliches Schnäppchenjägererlebnis. Und davon will ich nun berichten.

Denn es begab sich zu Ornbau Anno Domini MMVIII (das war letztes Jahr, für die, die es mit römischen Zahlen nicht so haben), dass ich stand am Stand eines Teppichhändlers Teilehökers und ein Teil einen Teppich in der Hand hielt. Es war eine paßgenaue Fahrerfußraummatte für den W123, cremebeige, Zweitserienschlinge, mit originaler Passformunterschäumung. Hundert Gülden-Silberlinge verlangte der Händler dafür. Mit mir hadernd, wog ich das originalverpackte Stück synthetischen Bodenbelags in meinen Händen: Hatte ich nicht gerade erst ein vielfaches der geforderten Summe für Gummidichtungen und andere Kleinodien ausgegeben? Nein!, sprach ich schließlich zu mir selbst. Einmal muss es gut sein mit dem Geldverprassen! Schweren Herzens legte ich das verhüllte Utensil zurück an seinen Platz und warf dem Händler ein hastiges Lebewohl hin.

Doch kaum war ein Stündelein vergangen, da reute mich mein vorschnelles Tun. Du Tor!, schalt ich mich: Würde ich je im Leben wieder an einen originalverpackten Fahrerfußraumteppich für den W123, cremebeige, Zweitserienschlinge kommen? Flugs raffte ich meine Gewänder und eilte zurück zum Tisch des Händlers, doch siehe! Längst hatte er seine Zelte abgebrochen und war von hinnen gezogen. Betrübt ließ ich den Kopf hängen: Solch eine Gelegenheit, dessen war ich gewiss, würde nie wieder kommen.

Doch was tat das Schicksal? Es verschaffte mir ein Deschawüh. Denn als ich am Samstag, ein Jahr darauf, auf dem Flohmarkt am Ortseingang um eine Straßenecke bog, stand ein Teilemensch an derselben Stelle, an der im vergangenen Jahr der Teppichmann stund. Und auf dem Boden lag ein originalverpackter Fahrerfußraumteppich für den W123, immer noch cremebeige, immer noch in Zweitsellerieschlinge.

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Ich hab sogar noch zehn Euro Rabatt rausgeschunden. Jetzt aber schnell den dunkelbraunen Fußabstreifer draufgelegt, damit man nichts mehr von der beige Beauty sieht!

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Ornbau ist schon ein Phänomen. Die lockere Stimmung, das bunte Programm, die vielen lustigen Einfälle und Ideen – an der auf die Seite gelegten Flosse im Unterbodenworkshop war sogar der Stern auf der Kühlermaske abgekippt – sind einfach wunderbar. Auch wenn man nicht mehr ganz so erschlagen ist wie beim ersten Mal.

Zum Schluss noch ein Blick auf einen anderen Oldie, der einsam am Rande der „freien Wiese“ stand.

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…und erst der Aufkleber vom Schweden-TÜV im Fenster!

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Auch in Skandinavien haben sie eigenwillige Autos gebaut. Damals, als Volvo noch nicht zu Ford und Saab noch nicht zu General Motors gehörte.

Was für eigenwillige Mercedesse man dagegen in England zurechtgeschweißt hat, davon erzähle ich im nächsten Beitrag. Kann allerdings ein, zwei Tage dauern, denn der Verfasser dieser Zeilen hat derzeit kein funktionierendes DSL daheim.

Ornbau? Ornbau!

Das gab’s auch noch nicht. Nicht nur, dass ich nicht schon wie in den Jahren zuvor pünktlich am 1. Mai auf der Matte stand, das moorbraunste QP aller Zeiten aus dem saisonkennzeichenbedingten Winterschlaf zu wecken. Nicht nur, dass es diesmal ein paar Tage dauerte, bis ich den Staub vom Blech gewaschen hatte. Nicht nur, dass ich seit geschlagenen vier Wochen mit einem zugemüllten Kofferraum und halb auseinandergerissenem Lenkrad durch die Lande fahre. Und für längere Strecken immer noch den LPG-Golf nehme.

Der Grund für diesen so überaus zögerlichen, ja geradezu schleppenden Saisonstart hat vier Buchstaben. Beziehungweise eine Zahl und drei Buchstaben. 5ZWO. Eine neue Community für die Region Aachen-Düren-Heinsberg. Nach zwei Jahren der Vorbereitung jetzt endlich online gegangen. Die Wochen vor dem Start waren überaus anstrengend. Die beiden Wochen seitdem sind die Hölle. Vor 21 Uhr bin ich selten aus der Redaktion gekommen, gestern war’s kurz vor Mitternacht. Keine Zeit für den Benz, keine Lust auf irgendwelche Ausbesserungsarbeiten.

Überhaupt, der Kofferraum. Darin lagen unter anderem diverse Gummidichtungen für Türen und Kofferraumklappen, eine Lärmschutzmatte für die Motorhaube und Fensterdichtungen. Gekauft vor genau einem Jahr. In einem kleinen fränkischen Ort namens Ornbau.

Ornbau. Da war noch was. Das Pfingsttreffen der Heckflossenfreunde. Bin ich da Mitglied? Der Blick irrt ziellos auf dem mit diversem Geröll übersäten Küchentisch umher und bleibt an einem blauen Heft hängen. „Benzheimer Flosskeln“. Verdammt, ich bin da wirklich Mitglied. Und heute ist Freitag. Der erste Tag des Pfingsttreffens.

Ich muss weg. Jetzt fängt die Saison doch noch an. Endlich. Ornbau!

Leopardenlook

Fränkischer Blütenstaub ist zäher als Aachener Regen. Das muss man völlig wertfrei feststellen. Beim gestrigen Platzregen hatte ich noch gedacht „na, wenigstens hab ich jetzt ein sauberes Auto“. Doch die Pollen haben sich nur zu hübschen Tüpfeln zusammengerottet. Eine Art negativer Leopardenlook.

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Hätte mir ja egal sein können, wenn nicht gerade heute Nachmittag eine Fotosession angesetzt gewesen wäre. Das Coupé und ich, wir werden nämlich berühmt. In der nächsten Ausgabe der Verlags-Mitarbeiterzeitung „iPunkt“ wird uns eine Seite gewidmet sein – in der Rubrik „Bizarre Hobbys unserer lieben Kollegen“. Und da die Schlagzeile „Marc Heckert fährt ein gepunktetes Auto“ noch dämlicher klingen würde als „Marc Heckert fährt ein braunes Auto“, musste ich heute Mittag zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche in die Waschanlage. Nennt mich eitel, aber hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott(lieb Daimler) helfe mir.

Immerhin hatte ich einen netten Wortwechsel mit dem Waschwart (oder wie man diese Leute nennt, die für das Vorspiel mit dem Kärcher zuständig sind). „Schöne Mercedes hast du“, sprach er lächelnd ins Fenster. „Willst du verkaufen?“ – „Niemals“, sprach ich ebenso lächelnd zurück. Was ihn nicht zu wundern schien. „Das ist echter Mercedes.“ „Der letzte Echte“, stimmte ich zu. Dann öffneten sich die Schleusen vor mir.

Moorbraun in Ornbau VIII: der Abschied

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Frag nicht nach Blütenstaub, sagten sie in der DDR. Was soll’s, andere haben Metallic oder Perlmutt auf dem Lack. Die Natur erobert sich eben ihr Recht zurück. Es fällt allerdings auf, was für eine effektive Methode zur Verbreitung von Erbgut es ist, das Genmaterial auf Kraftfahrzeuge fallen zu lassen. Zwei Tage später in Aachen wird der Schlonz immer noch auf meinem Lack kleben.

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Das obere Ende der Fahnenstange: ein 170S. Dieses Preissegment ist in Ornbau nur marginal vertreten – und so schön solche Schlitten auch sind, mir fehlen sie kein bisschen. Unter all den Pfuscher-Strichachtern, Metzger-116ern und Bauern-123ern fühlt man sich als Gleicher unter Gleichen. Schlimm genug, dass einige Wagen fünfstellige Preise wert sind. Sechsstellig muss da wirklich nicht sein. Man will ja auch mal nachts betrunken über die Wiese stolpern und irgendwo anstoßen können, ohne gleich Blech im Wert eines Einfamilienhauses zu zerkratzen.

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Aufbruchstimmung. Junior muss mit anpacken. Auch wir machen uns auf den Weg. Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist, und es war verdammt schön.

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Mit Sicherheit, Leute!

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Müde, glücklich, den Kofferraum voller Teilekartons, einige hundert Euro ärmer und noch mehr Erlebnisse reicher geht es auf den Heimweg nach Aachen. Zufrieden vor sich hinbrummend zieht der OM 616 mit 130 Sachen seine Bahn. Beim Blick aufs Handgelenk fällt auf, dass wir mehr Souvenirs als gedacht aus Franken heimbringen.

Das also war das VdH-Pfingsttreffen 2008. Vermutlich das Autoerlebnis meines Lebens – bis jetzt. Mehr geht kaum, sollte man meinen. Aber wer weiß? Die Saison 2007 war mit Highlights wie dem Wolfi-Workshop, der Nordlichterfahrt , Brüssel , Büdingen und Belgien auch bis zum Ende spannend. Und irgendwas werden sie sich für Ornbau 2009 auch einfallen lassen. Wir sehen uns!

Moorbraun in Ornbau VII: die Leichen

Eine besondere Fraktion unter den Altbenzen sind die Leichen. Fahrzeuge, oft so individuell wie ihre Fahrer. Doch während früher diverse Batmobile in einem Zustand ähnlich dem ihrer früheren Insassen ihrer letzten Ruhe entgegenkrochen, gibt es heute wahre Prachstücke in der Todesschwadron.

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Diese Leichenflosse ist mit nachträglich angebrachten Hochscheinwerfern optisch der S-Flosse angeglichen worden.

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Kunst am Sarg – ein stilisiertes Christuskreuz.

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Vor allem in Südeuropa hatte man es auf dem letzten Weg gerne etwas opulenter. Das Leben ist ja karg genug.

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Bitte nehmen Sie schon mal Platz…

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Hier haben wir einen Vertreter der klassischen Linie. Hier passt die Bezeichnung „Zombie“ besser.

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Nichts ist so sicher wie das.

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Kommen wir zu Teil 2 unserer kleinen Leichenschau.

Dann sind da nämlich noch die anderen rollenden Verblichenen. Die Untoten. Die Wiederfahrer.

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Mein Freund Christian hasst es, wenn man die Fahrzeuge der kleinen Baureihe (1968-76) „Stricher“ nennt. Doch es gibt Wagen, da passt das bester als zu anderen. Aber was wollt Ihr? In meiner Jugend sahen Strichachter immer so aus.

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Wer übrigens glaubt, Sternenschiffe aus den Achtzigern würden nicht gammeln, der hatte den Boonacker auf der freien Wiese nicht gesehen. Sechs Türen, eine schlimmer als die andere. Die niederländische Karosserieschmiede hat das lange Elend einst zusammengelötet, ein 200D-Motor mit 72 PS treibt es immer noch überraschend flott an.

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Wäre ich Herr Tectyl, ich würde diesen Aufkleber persönlich abreißen.

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Über der Wiese wölbt sich der Abendhimmel. Unterm Lack wölbt sich das Blech.

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Das Ornbau-2008-Polaroid. Mit freundlicher Genehmigung von Roman. Kein Zweifel, die Karre hat was. Eine Leiche mit Charme. Der Tod steht ihr gut.

Moorbraun in Ornbau VI: das Leben

Damit kein falscher Irrtum aufkommt: Das Ornbautreffen besteht nicht nur aus Hinfahren und Autos gucken. Daneben findet noch jede Menge soziales Leben statt.

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Nachdem das geklärt ist, können wir jetzt langsam mal etwas essen. Zum Glück haben wir unsere Sterntaler dabei, die Ornbauer Frühstückswährung.

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Die Verpflegung wird vom Sportverein im Tennisheim organisiert. Schon am frühen Morgen, so wird berichtet, steht ein Heer von ehrenamtlichen Helfern in der Küche, um Kaffee für die angereisten Gäste zu kochen und ein üppiges Buffet aufzutafeln. Als Stadtmensch ist man hin und weg von so viel Gastfreundschaft. (An dieser Stelle ein heißes Dankeschön!)

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Ist ja nicht zu glauben – sie haben sogar meinen Lieblingsjoghurt.

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Sowie eine Wurstplatte von Hotelqualität. (So geht das, liebe Leute vom Biker’s Inn in Morsbach.)

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Wurst gibt’s übrigens auch draußen im Ort. Gebrutzelt von den Jungs der Reservistenkameradschaft Ornbau.

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Für Musik sorgt das Duo Choco-Latte – Felicia Peters und Marcus Klinger. Später am Abend werden sie von einer Discoband abgelöst. Die Jungs lassen mich eine Weile rätseln, ob sie nicht einfach Playback machen und nur die Lippen bewegen, so echt klingen AC/DC und Van Halen bei ihnen.

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Die Gäste haben die Qual der Wahl, an welchem Workshop sie teilnehmen wollen: Radio, Pflanzenöl, Verzinnen…

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Dann beginnt der Flohmarkt. An vielen Dutzen Ständen gibt es alles vom Heizungsknopf aus der Flosse bis zum Wiking-Modell eines W123. Und natürlich Verchromtes und Glitzerndes in allen Variationen.

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Lesestoff satt.

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Und wozu ist das hier?

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Teilejäger, heimkehrend mit reicher Beute.

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David Bothen mit den traurigen Resten seiner legendären Sammlung, die vor wenigen Wochen abgebrannt ist. Wie er mir erzählt, wurden zumindest die meisten seiner Fahrzeuge nicht mit zerstört.

„Ich wollte ja immer mal zu dir kommen und gucken, ob du cremefarbene Innenverkleidungen für Hundertdreiundzwanziger in Zweitserien-Karostoff für E-Fensterheber hast“, sage ich ihm. „Hätte ich gehabt“, antwortet er. Jetzt bin ich auch traurig.

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Die Aachener Ecke auf der Zeltwiese. Der mit Kotflügeln reich gefüllte Hänger kündet von erfolgreichem Stöbern.

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Ein Haubentaucher in Aktion.

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Gute Laune herrscht auch auf der anderen Seite der Straße: Auf der freien Wiese, dem Tummelplatz für alle Kurzentschlossenen und Nichtmitglieder. Bombenstimmung, brutzelnde Grills, leider auch pfeifender Wind. Ich werde zum Würstchenverspachteln eingeladen und darf einen sechstürigen Lang-124er in unfassbar totem Zustand bewundern, von dem später noch die Rede sein wird.

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Ein Höhepunkt des Treffens: die Versteigerung. Fünf mehr oder minder mürbe Mercedesse, die bei der Altteilesammlung in den USA auf Schrottplätzen aufgetrieben wurden, kommen unter den Hammer – statt unter die Presse. Passend zur Herkunft der Wagen ist es eine amerikanische Versteigerung – der Auktionator zählt solange rückwärts, bis jemand zuschlägt. Das ist spannend, leider war die Angelegenheit etwas kurz.

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Der Ponton im Vordergrund – ja, es ist ein Ponton – ging für mehr als 3000 Euro weg.

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Einziger Wermutstropfen: Ein schlechter Mensch hat in der Nacht einen der Auktonswagen, dieses Strichacht-Coupé, einmal rundum zerkratzt. „Klarer Neidkratzer“, schimpft Thomas. Und sowas in Ornbau – damit hätte niemand gerechnet.

Auf Störungen in der allgemein sehr freundlichen Atmosphäre reagiert die Szene sensibel. Wie man mir erzählt, meinte bei einem früheren Treffen einmal jemand, „Heil Hitler“ gröhlen zu müssen. Bei ähnlichen Veranstaltungen anderer Clubs hätte es da wohl achselzuckendes Stirnrunzeln gegeben, wahlweise stirnrunzelndes Achselzucken. Die kampierenden Altbenzfreunde gaben jedoch nicht eher Ruhe, bis der Betreffende ermittelt war.

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T-Shirt-gucken macht auch Spaß, wenn keine nasse Frau drinsteckt. Dies ist die Rückseite von Horst, dem VdH-Chef. Daneben liefen noch so schöne Sprüche herum wie „Ich kann meinen Namen tanzen!“ (bekennender Ex-Waldorfschüler Stefan Schorlemmer) oder „Dodge – aus Freude am Tanken“. Auf mir steht leider bloß „Drama Baby“, aber auch nur, weil’s das Ding so bei C&A gab. Na, ist für die meisten Restaurierungsgeschädigten gar nicht so fernliegend.

Immerhin bin ich jetzt auch stolzer Besitzer eines schwarzen VdH-Shirts „Fluch der Getriebik“ mit einem Totenschädel samt gekreutzen Maulschlüsseln. Sowie, Achtung Trommelwirbel, der LETZTEN der berühmten VdH-Unterhosen mit Bremsspur. Natürlich im zeitgenössischen Michelin-Profil.

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Ob Waffeln vom Kindergarten oder Eis aus lokaler Produktion – das ganze Dorf ist eingespannt. Hier werden Hitzplätze gebacken – eine Art kleiner Elsässer Flammkuchen auf Crepe-Basis.

Der Samstag endet mit einem kleinen, aber feinen Feuerwerk auf der Altmühlbrücke. Was für ein Fest.

Moorbraun in Ornbau V: die Beschilderung

Immer wieder nett: Die Plaketten, Aufkleber und Sticker, mit denen die Wagen verziert sind.

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Ein echter Olddaimler. Unterwegs im Auftrag des Herren. Gottes Bodenpersonal quasi. Zur Hölle mit Christophorus-Plaketten fürs Armaturenbrett.

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Weitgereister Strichachter…

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…weitgereiste Flosse.

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Passendes Nummernschild für einen wunderschönen 280S in wunderschöner Farbe: Dunkelblau 904. Einen der wenigen Töne, die ich neben Moorbraun gelten lasse. Vor allem, wenn die Innenaussattung ebenfalls cremebeige ist.

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C’est la vie in Dschörmänie: Alle paar Jahre eine neue Weltuntergangshysterie, alle paar Jahre eine neue Riesenaktion, alle paar Jahre ein neuer Aufkleber auf der Windschutzscheibe. Erinnert Ihr Euch noch an den kollektiven „bald ist das Benzin alle“-Wahn mit seinen „Ich bin Energiesparer“-Aufklebern für jeden Kofferraumdeckel? Für das Jahr 2010 ist übrigens die Einführung einer CO2-Plakette geplant…

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Allerdings ist nicht jeder gleich begeistert von solchen Klebchen. Was mag uns dieser Rattensticker sagen wollen?

Moorbraun in Ornbau IV: der 111er

Ein Hundertelfer – die „Große Flosse“ – ist ja schon immer ein Hingucker. Es gibt aber einen Mercedes mit der Kennziffer 111, der noch mehr Augen auf sich zieht. Und so einen hatten die VdH’ler für Ornbau an Land gezogen: einen C111. Den Supersportler mit dem Wankelmotor. Den Über-Keil in Metallic-Orange. Den Oberstecher jedes Sportwagenquartetts der Siebziger. Den Traum jedes autobegeisterten Jungen vor, äh, fast vierzig Jahren (oh Gott, schon so lange…?).

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Man muss schon sehr, sehr gute Connections zum Hersteller haben, um so eine Ikone zu einem Vereinstreffen aus dem Werksmuseum herauseisen zu können.

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Was für ein Auto. Eine Mischung zwischen Großserienkomponenten und liebevoller Handarbeit – wie hier am genieteten Schweller.

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An dieses Gesicht hätte man sich gewöhnen können. Gewöhnen müssen. Wenn es anders gekommen wäre…

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Das rotierende Herz des Wagens: der Drehkolbenmotor.

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Das Cockpit. Hierhin wollten wir alle, damals, vor – äh, also damals halt.

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Aber wer braucht auch ABS…

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Das Museum meldet: Mottenbehandlung erfolgreich durchgeführt.

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Der Kofferraum ist so sinnig konstruiert, dass ein Kasten Bier auch im Winter während der Fahrt niemals einfrieren kann.

Der C111. Wenn er jemals von Fans in Kleinserie wieder aufgelegt werden würde… ich würde allerdings statt des Wankels den OM 617 nehmen. Es ist wie mit dem Dieselcoupé: Hat’s alles gegeben, ist voll H-Kennzeichen-fähig, hundertprozentig zeitgenössisch, ich versteh die Diskussion nicht…