Schlagwort-Archive: Der Moorbraune

Sternenhimmel

Sony Nex-6 mit Canon nFD 50mm 1:1.4, f1.4, 5s, ISO 100
Sony Nex-6 mit Canon nFD 50mm 1:1.4, f1.4, 5s, ISO 100

Man kann nicht dasselbe Foto zweimal machen, bloggerte ich neulich. Aber man kann versuchen, dasselbe Motiv noch einmal besser hinzukriegen. Beziehungsweise mit einem besseren Objektiv.

So sah der Abenstern vor einigen Wochen aus – mit der High-Tech-Festbrennweite Sony SEL 20f28. Regulärer Neupreis: 349 Euro.

Das heute war ein gut 30 Jahre altes, garantiert elektronikfreies Canon FD 50mm 1:1.4 für 40 Euro. Finde den Unterschied.

Abendstern

Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f2.8, 1/4s, ISO 3200, 20 mm
Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f2.8, 1/4s, ISO 3200, 20 mm

„Ein gutes Foto muss wehtun“, zitierte mein Freund Andreas neulich einen Kollegen. Soll heißen: Es darf ruhig schon mal etwas unbequem werden für den Zweibeiner hinterm Dreibein. Muskelschmerzen und Mückenstiche, überlange Wartezeiten auf das geeignete Motiv und dann, wenn es da ist, spontane Panik, weil die Kamera plötzlich doch nicht tut, was sie soll: Gehört alles dazu.

Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f2.8, 1/60s, ISO 2500, 20 mm
Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f2.8, 1/60s, ISO 2500, 20 mm

Bei mir gab es heute Abend gleich das komplette Programm: das längliche Warten auf ein geeignetes Kraftfahrzeug, um die Objektverfolgung bewegter Motive auszuprobieren…

Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f7.1, 1/10s, ISO 3200, 20 mm
Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f7.1, 1/10s, ISO 3200, 20 mm

…den Mückenstich beim geduldigen bodennahen Begleiten meiner alten Freundin…

Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f5.6, 1/60s, ISO 1600, 20 mm
Sony Nex-6 mit Sony SEL 20f28, f5.6, 1/60s, ISO 1600, 20 mm

…und die Muskelschmerzen beim längeren Knien im Matsch, um den Untermieter dieses Sommerblühers (unteres Blatt rechts) ins Bild zu bekommen.

Und schließlich, als Belohnung beim abschließenden Fotoexperiment mit dem moorbraunen Stern im letzten spätabendlichen Dämmerlicht – siehe Bild ganz oben – noch einmal alles zusammen. Beziehungsweise auf eine gute halbe Stunde verteilt. So dass ich den eingangs zitierten Spruch jetzt ergänzen darf: Manchmal muss ein Foto auch ewig dauern, nervös machen – und jucken.

Abendschönheit

Es wurde mal wieder Zeit für einen Beitrag über das ursprüngliche Objekt dieses Blogs – das schließlich einmal Moorbraun.de hieß. Und wie es der Zufall will, wurde es auch mal wieder Zeit, das ursprüngliche Objekt dieses Blogs einer Reinigung zu unterziehen, um ebenjenem Moorbraun mal wieder zu Glanz und Geltung zu verhelfen. Die Schönheit eines Autos will nun einmal von Zeit zu Zeit ans Licht poliert werden.

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Also schnell nach Feierabend – so lange noch genug Licht da ist – in die Waschanlage mit uns, um anschließend auf dem Hof der Werkstatt unseres Vertrauens die Polierwatte kreisen zu lassen.

Und wenn man dann nach vollbrachter guter Tat im letzten Licht des späten Abends mit Kamera und Handmuskelkater um den sichtlich zufriedenen Wagen herumkrebst, kommt einem der eigentlich fest gefasste Plan, demnächst mal Motorhaube, Dachpartie und C-Säulen nachlackieren zu lassen, schon wieder arg überflüssig vor. Sieht doch noch tipptopp aus…

Das ist das Geheimnis dieser seltsamen Sonderlackfarbe Nr. 479 Moorbraun: Sie glänzt so herrlich wie flüssige Schokolade – und was ließe sich daran schon verbessern?

Auf ein Neues

1772_350.000km

Eher zufällig fällt es mir auf dem Rückweg auf, als ich kurz auf den Tacho des Moorbraunen sehe: Oh, mal wieder größer genullt. (Apropos größer: Wer ebenfalls die Anschaffung einer Gleitsichtbrille vor sich herschiebt: Die Fotos hier lassen sich seit Neuestem zu einer Galerie großklicken.) Zwar sind 350.000 Kilometer natürlich kein schöner, runder Hunderttausender und auch noch ein ganzes Stück entfernt von der ganz großen Sechsernull, aber immerhin. Mehr als achteinviertelmal um die Erde, auch keine ganz runde Rechnung, aber immerhin. Auch halbe Nuller darf man feiern, manche Leute werden dieses Jahr 45…

Wo war ich? Ach ja, am Grünen Weg in Aachen. Während der Diesel am Straßenrand friedvoll vor sich hinnagelt und ich für das Erinnerungsfoto mit der Kamera unterm Lenkrad durchpeile, wandern ein paar Erinnerungen durch meinen Kopf. Die Touren durch Schottland 1993, 1995 und 2009. Die Provence 2001. Der Nordlichterbesuch 2007. Luxemburg 2012. Immer wieder Ornbau. Die Flucht über die Sprungschanze aus dem Steinbruch. Die große Umdieselung, die Getriebewechsel, die ungezählten Nächte in der Werkstatt. Und, und, und…

Seit 22 Jahren fahren wir jetzt durch dicke und dünne Zeiten, er und ich. Dabei kann ich noch nicht mal behaupten, dass der Schokoladenfarbene den längsten Teil seines Weges unter meinem Hintern zurückgelegt hat. Mit 179.000 Kilometern auf der Uhr habe ich ihn gekauft, damals, im Frühjahr 1993. Sind also noch gute 8000 zu fahren, bis er mehrheitlich „mein“ Auto ist. Von der Lebenszeit her ist er es natürlich längst – zwölf Jahre alt war er, als ich ihn kaufte, heute ist er 34. Also, auf ein Neues. Bei der halben Million feiern wir größer.

Wo war ich? Ach ja, beim Joggen. Mal wieder. Ich hatte bei der letzten Runde neulich das Gefühl, die Möglichkeiten des jüngsten Neuzugangs in meiner kleinen Objektivsammlung, des 20-Millimeter-Weitwinkels Sony SEL 20f28, noch nicht ganz ausgereizt zu haben. Also, auf ein Neues.

1680-Schnecke-überholt

Das erste Erfolgserlebnis wartet schon kurz nach der Überquerung des Beverbachs – ein Überholmanöver! Man ist in dieser Hinsicht ja nicht allzu verwöhnt, so als Dieselfahrer über 40 (Jahre, nicht km/h!) – jedenfalls nicht im Part des Aktiven beim Überholvorgang. Weit scheint der schleimige Geselle seit unserem letzten Treffen am 5. Juni nicht gekommen zu sein. Dafür ist er ähnlich zielstrebig auf der Strecke unterwegs…

1725-Jogger

…wie dieser Herr hier, der mich, nun ja, ziemlich aktiv überholt. Mein Seitenblick in Vorbereitung eines netten „Guten Abend“ bleibt unerwidert: Der flotte Geselle trabt in voll verkabelter iPod-Trance seines Weges. Kann man natürlich machen. Aber dann hört man die Vögel nicht, das Rauschen der Blätter und das Rascheln im Unterholz, wenn man Bewohner aufschreckt, die etwas schneller in Deckung wuseln als Mister Nacktschneck.

1707-Sonnengras

Man kann nie das selbe Foto zweimal machen, sinnierte ich bei der Runde neulich, als es schon zu dunkel war, um das Foto mit dem Joggingschuh vom 12. Mai noch einmal mit mehr Tiefenschärfe nachzustellen. Das bestätigt sich heute erneut: An der Kurve, wo so hübsch die Abendsonne durch die Bäume auf den Boden fällt, ist das Motiv vom letzten Mal buchstäblich vom Erdboden verschwunden: Das Kraut am Wegesrand ist gemäht worden.

1691-Blättersonne

Motive gibt es trotzdem, denn die Sonne scheint auch anderswo.

1698-Baumtunnel

Dann schluckt uns der Tunnel, die Sonne taucht endgültig hinter die Baumkronen ab –

1720-Baumblockade

– wobei interessanterweise auch eine der Baumkronen abgetaucht ist…

…und schließlich ist unsere kleine Abendrunde durch den Öcher Bösch zu Ende. Wieder anders, wieder einzigartig, wieder einfach nur schön. Morgen oder wann heißt es wieder: Auf ein Neues. Für den Moorbraunen und all die anderen, die auf der großen Straße unterwegs sind. Ob im Schneckentempo oder im Sprint. Und die noch so viel vor sich haben.

Lichtspieltheater

Eine Sache muss einem von vornherein egal sein, wenn man mit einem fürs Gewicht untergroßen Körper ausgestattet ist und an diesem Umstand etwas ändern möchte: Wie man beim Trainieren aussieht. Sport macht man halt nicht, um dabei eine gute Figur abzugeben, sondern davon um eine zu bekommen. Ob da etwas schwabbelt, hängt oder hüpft, hat einem gleichgültig zu sein, sonst bleibt man auf ewig in den Klauen von Schwerkraft und Statik gefangen.

Dies selbstbewusst in den Raum gestellt habend, muss ich einräumen, bei körperlicher Betätigung schon einige Male ein reichlich komisches Bild abgegeben zu haben. An jenem späten Winterabend auf der Finnbahn Königshügel etwa, als es so dermaßen kalt zu schneeregnen anfing, dass ich nach Runde zwei kurz am Auto stoppen und mir den Taschenschirm aus der Beifahrertür holen musste. An diesem Abend habe ich die Sportart Schirmlauf erfunden. Gesehen haben es gottseidank nur wenige und von mir erfährt es keiner.

Auch damals, beim Hermannslauf 2006, als ich wohl als einziger Teilnehmer ein Handy dabei hatte und so bei Kilometer 30 der Bodencrew das nahende Ende der überlangen Wartezeit ankündigen konnte, haben die neben mir Keuchenden etwas zu Grinsen gehabt.

Zur Zeit ist es die Kamera, die mich aus der anonymen Menge der Waldläufer abhebt. Sonys Nex-6 spielt ihren Vorteil, so viel kleiner und leichter als eine Spiegelreflexkamera zu sein, nämlich erst dann voll aus, wenn man sie mit zum Joggen nimmt. Das geht tatsächlich.

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Es hilft also nichts, Ihr Lieben. Wir müssen nochmal in den Wald.

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Das Abendlicht ist nämlich heute einfach zu schön.

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Das glitzert im Laub, das spielt im Moos, das leuchtet im Farn.

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Fast könnte man querende Wildtiere von rechts übersehen…

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…oder andere Waldbewohner mit eingebauter Vorfahrt.

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Getreu dem Motto, dass die beste Kamera die ist, die man dabei hat, habe ich mir am vergangenen Wochenende noch ein weiteres Objektiv zugelegt: das Sony SEL 20f28, ein Weitwinkelobjektiv mit 20 Millimeter Brennweite. In puncto Bildqualität kann es zwar bei weitem nicht mit dem kristallklaren Zeiss Touit f1.8/32 mithalten – aber als sogenanntes Pancake hat es den Vorteil, das kleinste Objektiv für Sonys E-Mount-Bajonett überhaupt zu sein. Sehr schön illustriert hier beim Phoblographer.

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Es trägt also nicht nur in der Jackentasche kaum auf, es lässt sich auch ohne Jacke sehr gut tragen. So stapft man doch gerne über matschige Reitwege und den sandigen Boden des Waldes, in dem sich die letzten Strahlen der Abendsonne brechen.

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Dann ist sie vorbei, die goldene Stunde. Und es stimmt, was man sagt: Du kannst jedes Foto nur ein einziges Mal in deinem Leben machen. Das Joggingschuh-Motiv bei der letzten Runde neulich (bei dem ich mich im nachhinein über zu wenig Tiefenschärfe geärgert habe) konnte ich diesmal bereits nicht mehr nachstellen – als ich die schöne Wegbiegung erreicht hatte, war das Abendlicht schon weg.

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Dafür bietet sich reihenweise Anderes zum Ablichten. Nachdem ich vor einem Jahr im Venn so fotografisch frustriert war, habe ich jetzt endlich das Gefühl, es geht voran. Plötzlich ist die Welt voller Motive.

Und wie man dabei aussieht, in kurzen Jogginghosen auf einem Waldweg vor einer Nacktschnecke zu knien? Na, das ist einem dann auch egal.

Abendrunde

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Darf ich euch mitnehmen? An einen meiner Lieblingsplätze in unserer kaiserlichen Stadt? Seit ich vor acht Jahren hergezogen bin, gehört eine Joggingrunde im Öcher Busch Öcher Bösch zu meinen Alltime Summer Evening Favorites, wenn nicht gar Weekend Afternoon Specials. Im Oktober 2007, noch kein halbes Jahr in der Stadt, habe ich darüber auch schon mal gebloggt.

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Lang ist’st her – die Joggingschlappen, die den Artikel von damals zierten, sind längst im Laufschuhhimmel und aktuell durch die oben zu sehenden schrillen blauen Hightechtreter ersetzt. Die Canon-Pocketknipse, mit der ich seinerzeit die Bilder machte, verdient heute ihr Gnadenbrot als Unterwasserkamera im Tauchbeutel, wenn ich im Urlaub mal Schnorcheln gehe. Unverändert geblieben sind nur der Öcher Busch und die Paarkilozuviel, die mich regelmäßig aus dem Haus treiben.

Und als Kamera vorhin eher spontan mitgenommen – das über der Schulter hängende Täschchen hüpft beim Joggen denn auch entsprechend albern herum – ist meine 2013 gekaufte Sony NEX-6 dabei (von der wochenlangen zermürbenden Entscheidungsfindung vor dem Kauf hatte ich ja seinerzeit lang und breit berichtet). Vorne dran ist heute das 30-Millimeter-Objektiv von Sigma. Diese Festbrennweite, die mich beim ersten Einsatz so begeistert hatte, lag anschließend doch meist in ihrem Köcher. Das zur Kamera mitgelieferte 16-50-mm-Zoom schien doch allzu oft die praktischere Wahl zu sein – allein schon wegen des Weitwinkels. In punkto Bildqualität läuft das Sigma allerdings Kreise um das Kitobjektiv, um mal beim Thema dieses Blogbeitrags zu bleiben.

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Wir parken unseren Wagen auf dem Parkplatz an der Monschauer Straße – auf der Karte mit der Zahl 71 markiert -, dehnen die verharzten Stelzen noch ein wenig und traben los. In Richtung Spielplatz (Nr. 69), von da aus über den gestrichelten Reitweg bis zum Hirschweg, anschließend die Steilrampe rauf zum 309 Meter hohen Tatarenkopf (nach welcher versprengten Ein-Mann-Horde der wohl so genannt wurde?), weiter in Richtung Forsthaus Grüne Eiche, kurz vorher links abgebogen und schließlich über den Wanderweg Nr. 5 zurück zum Parkplatz. Dauer: etwa eine halbe Stunde, je nachdem, wie schlimm man aus dem Training… äh, ich meine natürlich, je nachdem, wie lange der Autofokus braucht, um scharfzustellen.

669 Serpentine

Es ist ein verschlungener und abwechslungsreicher Weg, der sich da durch den Wald windet. Mal stampft man über schweren Sandboden, den man sich mit Reitern teilt, mal läuft es sich locker über festen Waldboden, zwischendurch geht es ein paar Meter über den Asphalt des Hirschwegs.

Und immer gibt es irgendwas zu gucken.

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Die lagen beim letzten Mal zum Beispiel noch nicht da. Ob Förster Grüne Eiche sich da etwas für den Winterkamin zurechtgehackt hat?

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Aber da ist schon die Erklärung: Die Frühjahrsstürme diesen Jahres haben einige Spuren hinterlassen. Nach dem Sturm „Kyrill“ 2007 lagen seinerzeit auch noch viele Monate lang viele Riesen zersplittert auf dem Waldboden.

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Was für eine angenehme, abwechslungsreiche Strecke. Helle Wegstücke wechseln sich mit verschatteten Abschnitten ab. Die Sonne ist inzwischen hinter den Baumkronen abgetaucht – das Licht wird zusehends schwächer. Eine schöne Gelegenheit, mal die Lowlightqualitäten des Objektivs zu testen.

791-Schlamm

Keine Frage, die Sigma-Festbrennweite ist Spitze. Wenn ich jetzt noch richtig fotografieren könnte, hätte ich sicher noch ein paar Stufen abgeblendet und etwas mehr Tiefenschärfe in die Bilder zaubern können.

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Immerhin: Der Fotokurs, den ich seit einigen Wochen besuche, hat dazu geführt, dass ich nach langer Zeit mal wieder den Blendenmodus benutze. Sogar einige dunkle Geheimfunktionen der NEX habe ich kennengelernt und daddele jetzt fröhlich an den Knöpfen für Belichtungskorrektur, ISO-Wert und Flexible-Spot-Fokussierung herum. Oh verdammt, schon wieder die Histogrammwerte aufgerufen, wie kommt man aus dem verdammten Menü nochmal raus?

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Was das Niedriglicht angeht: Ja, keine Frage, das haben wir heute reichlich im Angebot. Gelegentlich sorgt es für besonders stimmungsvolle Momente, wenn sich so wie hier letztes Tageslicht durch dichtes grünes Blätterdach gekämpft hat. Wahnsinn, wie scharf Kamera und Objektiv noch abbilden. Trotz des Schummerlichts und der zitternden Joggerhände, von denen sie gehalten werden.

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Endspurt. Für die letzten Meter hat der Weg noch einige unverhoffte Steigungen und Gefälle parat…

777-Pfosten

…aber die Ausschilderung macht klar: Gleich sind wir am Ziel.

808-Strudelweg

Die letzte Kurve zieht uns wie ein Strudel die letzten Meter bergab. Noch ein paar Schritte über federnden Boden – und da sind wir wieder. Mit müden Muskeln (oh, dieser Autofokus… es hat doch länger gedauert als gedacht…), ein paar Mückenstichen auf Armen und Beinen und ein paar Motiven auf dem Chip, die zu Hause gleich mal genauer untersucht werden wollen.

817-Parkplatz

Während der Moorbraune mich nach Hause dieselt, schweifen die Gedanken ab. Ob ich heute irgendwelche Gramm Körpergewicht verloren habe, weiß ich nicht. Aber das Fotografieren hat richtig Spaß gemacht – hätte ich mich vor zwei Jahren für eine dicke Spiegelreflex statt der handlichen NEX entschieden, wären diese Bilder heute jedenfalls nicht entstanden, das ist mal sicher.

Und was ein gutes Objektiv kann, insbesondere bei wenig Licht, ist auch nochmal klargeworden. Dann war es also wohl doch gerechtfertigt, sich die halbe letzte Nacht um die Ohren zu schlagen, weil über ein gewisses Ebay-Sonderangebot entschieden (und gegoogelt) werden musste. Ein Festbrennweitenobjektiv. 32 Millimeter, also fast dieselbe Konstruktion wie das ohnehin schon brillante Sigma. Mit auf den ersten Blick auch nur marginal unterschiedlichen Werten: die größte Blende ist 1,8 statt 2,8 wie beim Sigma.

Allerdings ist die Optik von Carl Zeiss. Und sollte nur etwa die Hälfte dessen, was für dieses Objektiv mal zur Markteinführung aufgerufen wurde. Es waren dann die euphorische Rezension beim Phoblographer und die Beispielfotos bei Brian Smith, die mich überzeugt haben.

Ich habe nicht widerstehen können. Und seit heute Abend weiß ich auch, dass es die richtige Entscheidung war. Bleibt nur noch der Praxistest: Wie joggt es sich mit einem Zeiss-Objektiv?

Da sind wir wieder. Die Dritte

Kraftfahrzeuge umzumelden, ist nichts, was einem der Arzt zur Stimmungsaufhellung verschreibt. Dreimal hatte ich das Vergnügen in den vergangenen Wochen. Erst für den Weißen, dann Marit, zuletzt den Moorbraunen. Dreimal dasselbe muntere Spielchen: An einem freien Vormittag die Fahrzeugpapiere zusammensammeln, Bargeld mitnehmen, von der Autoversicherung telefonisch einen EVB-Code einholen, zur Kfz-Zulassungsstelle nach Würselen fahren, Wartemarke ziehen, bis zu zwei Stunden lang auf dem Smartphone herumdaddeln (bis der Akku alle ist und man an die SMS mit dem EVB-Code nicht mehr rankommt, aber das ist eine andere Geschichte) – und irgendwann schließlich die Anmelde- und Bezahlprozedur für das jeweilige das Gefährt inklusive Fußmarsch übers Gelände zum nächstbilligen Schildermacher. Ich liebe es. Nicht.

Beim letzten Umzug nach Köln kostete der Spaß für sämtliches Geräder irgendwas um die 150 Euro, inklusive der neuen Nummernschilder. (Weshalb nun nach dem Rück-Zug nach Aachen Marit, die Freewind, bis auf weiteres mit dem Kölner Kennzeichen durch die Lande öttelt. Mittlerweile darf man nach einem Ortswechsel die Schilder ja behalten.)

Heute hat der Schokoladenfarbene den Heimzug der Flotte komplettiert. Und was soll ich sagen, es war diesmal etwas billiger:

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Gut, dass ich die alten Schilder noch im Keller liegen hatte.

(Für alle, die deren Sinn nicht verstehen: OM 616, das ist der Mercedes-Werkscode für den OelMotor 616, jenen ursoliden 2,4-Liter-Vierzylinder mit 72 PS, den ich dem Coupé im Mai 1995 einbauen ließ.)

Wie viele Autos es wohl gibt, die dasselbe Kennzeichen im Abstand von einigen Jahren zweimal tragen dürfen?

Mitfahrgelegenheit V: Mitgefühl

Sie liegen nicht immer auf dem Sonnendeck des Lebens, die Menschen, die sich zur Mitfahrgelegenheit melden. Viele haben erkennbar gerade mehr Restmonat als Restgeld, manche derbe Probleme am Hals. Da war die Frau auf dem Weg zum Scheidungstermin. Der Auszubildende, der sich die 5 Euro für die Fahrt erst von seiner Schwester abholen musste, weil er nicht an sein Konto herankam. Das Mädchen, das als Zeugin zu einem Prozess vor dem Landgericht Aachen musste. Der ältere Herr, dessen Hände von Parkinson zitterten. Die ausländische Praktikantin, die immense Anwaltskosten zahlen sollte, weil sie – wie von zu Hause gewohnt – TV-Serien aus dem Internet gesaugt hatte. Mit manchen Mitfahrern entwickelt man auf der Fahrt durch den dreiviertelstündigen gemeinsamen Lebensabschnitt regelrecht Mitgefühl.

So wie mit der jungen Frau, die ich gerade am Hauptbahnhof abgeholt habe. Das Handy am Ohr, klettert sie auf den Beifahrersitz, und mir ist sofort klar, dass das da gerade kein verliebtes Geturtel ist. „Warum rufst du mich überhaupt an? Ich habe eine einstweilige Verfügung gegen dich beantragt! Du hast Kontaktverbot zu mir!“ Gestikulierte Begrüßung in meine Richtung, einhändiges Anschnallen. Ich nicke wortlos, schalte die Radiomusik aus, lasse den Wagen an und rolle schon mal los.

„Ich weiß nicht, was mein Anwalt dir geschrieben hat! Lies doch erstmal den Brief!“ – „Wahrscheinlich musst du die Verfahrenskosten bezahlen. Schließlich bist du doch schuld!“ – „Du hast doch beim ersten Mal so getan, als ob du da nicht mehr wohnst, und den Brief zurückgehen lassen!“ – „Ich soll dich in Ruhe lassen!? Du verstößt doch gerade gegen die Auflagen, indem du mich anrufst!“

So geht es weiter. Kein Zweifel, da hat jemand eine wirklich unangenehme Geschichte hinter sich. Die Frau kann höchstens Anfang 20 sein, da ist ein gerichtliches Kontaktverbot gegen den Ex-Partner schon harter Tobak. Was mag der Typ ihr angetan haben, denke ich, während sich der Mercedes seinen Weg über die nächtliche Aachener Heinrichsallee sucht.

Ich werde es nie erfahren. „Sorry, das war nicht für deine Ohren bestimmt“, sagt sie, als das Telefonat nach einigen Minuten abrupt zu Ende gegangen ist. „War ja sicher auch kein angenehmes Gespräch“, murmele ich.

Und das war es auch schon mit dem Dialog zwischen Fahrer und Gast. Auf den nächsten 60 Kilometern bis zum Kölner Sülzgürtel sinkt mein Mitgefühl mit der Dame neben mir in jeder einzelnen der gut 40 sich endlos dehnenden Minuten, in denen sie haarklein ihrer besten Freundin vom Anruf des Ex berichtet.