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Kunst mit vielen Gesichtern: Besuch im Töpfereimuseum Raeren

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Es gibt Krüge, die lachen und tragen Sonnenbrille. Das ist eine der nettesten Erkenntnisse eines Besuchs im Töpfereimuseum Raeren. Die andere ist: Gerade mal ein Dutzend Kilometer vom Aachener Dom entfernt lag einmal einer der bedeutendsten mitteleuropäischen Herstellungsorte von Keramik, genauer: von Steinzeug. Waren, die schon im 16. und 17. Jahrhundert Exportschlager in aller Herren Länder waren. Zu Hunderttausenden wurden die begehrten Stücke alljährlich produziert.

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Rund fünf Jahrhunderte lang formten und brannten die Raerener Töpfer alles, was überall in Mittel- und Nordosteuropa auf die Tischen und Tafeln der Bürgerhäuser und Königspaläste gestellt wurde, um Ess- und Trinkbares zu kredenzen. Vom einfachen Essgeschirr über elegant verzierte Becher bis zu überreichlich geschmückten Prachtkrügen. Könige, Edelleute und Kirchenfürsten schätzten das Steingute made in Raeren.

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Wer also ein Stück einzigartige Heimatgeschichte kennenlernen möchte, der setze sich an einem freien Tag ins Auto oder auf den Fahrradsattel. Hinter den dicken Mauern der Raerener Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert ist die Geschichte des Steinzeugs vom Mittelalter bis in die Neuzeit aufbereitet. Gegenüber, vor der Museumsgaststätte Café Haus Zahlepohl (die so heißt, weil dort wohl einmal eine Art mittelalterliche Mautstation stand), lässt sich das Verkehrsmittel der Wahl parken.

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Im 15. Jahrhundert begann der Aufstieg des Raerener Steinzeugs: Die Krüge und Kannen aus dem kleinen Ort nahe Aachen – das damals neben Santiago de Compostela und Rom der drittwichtigste Pilgerort des Kontinents war – verbreiteten sich in ganz Nordosteuropa. Im 16. Jahrhundert schließlich standen die über und über mit Wappen, szenischen Bildern und Ornamenten verzierten Prunkkrüge auf den Tischen von Königen, Fürsten und Bischöfen in ganz Europa. Das bei hohen Temperaturen gebrannte Raerener Steinzeug war geschätzt, weil es absolut wasserdicht war und so hart, dass es als fast unzerbrechlich galt.

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Auf vielen Bildern flämischer Künstler im 16. und 17. Jahrhundert ist Raerener Ware abgebildet, etwa auf dem „Bauerntanz“ von Pieter Brueghel dem Älteren, das im Museum als Wandbild mit Tisch sehr nett in Szene gesetzt ist.

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Aber halt, wir greifen vor. Eigentlich sollte unser Rundgang ja im Keller anfangen, wo wir im wörtlichen Sinne auf den Hinterlassenschaften der Töpfer stehen – auf Keramikscherben nämlich, die eine Art Bodenmosaik bilden.

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Im Untergeschoss wird auch die Förderung des Tons dargestellt, für die tiefe Schächte gegraben werden mussten. Wer zu ungeduldig ist, vor dem Videomonitor stehenzubleiben, um die Geschichte des Ortes im Film kennenzulernen, kann sie einfach in die Hand nehmen. In der App mGuide des Töpfereimuseums (für iOS und Android) führt der große Töpfermeister Jan Emens Mennicken (es gab ihn wirklich – heißt der Museumsdirektor Ralph Mennicken eigentlich nur zufällig genauso?) höchstpersönlich durch die Ausstellung.

Steinzeug – das sind dann eben keine leblosen, alten Töpfe und Schüsseln mehr. Mit Hilfe des mGuides erzählen sie von abenteuerlichen Kaufmannsreisen auf See und zu Lande, von weitsichtiger Planung und menschlicher Gier, von Erfolg und katastrophalen Niederlagen. Sie erzählen von Massenproduktion und Globalisierung bereits im 16. Jahrhundert, von Pilgerfahrten, Trinkgelagen und erotischem Spielzeug. Das Töpfereimuseum Raeren eröffnet dem Besucher mit dem mGuide all diese spannenden Geschichten aus dem prallen Leben der Frühen Neuzeit.
(Auf der mGuide-Homepage)

Wer vergessen hat, sie sich vorab zu Hause herunterzuladen und in Belgien ohne Netzempfang dasteht, kann sich auch bei der freundlichen Museumsmitarbeiterin ein iPad ausleihen.

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Die gewaltigen, mehrere Stockwerke hohen Raerener Öfen erreichten Produktionszahlen von bis zu 600.000 Stück pro Jahr. Das Brennen des Steinguts war eine Wissenschaft für sich: Da es keine Thermometer gab, konnten die Ofenheizer nur auf überliefertes Wissen zurückgreifen, um die Temperatur über die gesamte Brennzeit hinweg konstant zu halten. Dabei waren etliche Variablen einzuberechnen, etwa Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, die Art des Brennholzes und vieles mehr.

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Bei aller Kunstfertigkeit: Es wird so manche komplette Ofenladung danebengegangen sein. Der mehrere Meter hohe Scherbenturm versinnbildlicht, welche Mengen von Ausschuss die Töpfer produzierten. Was nicht den Qualitätskriterien entsprach, landete in den Gruben.

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Und blieb dort – oft für Hunderte von Jahren. Doch schon kurz nach dem Auslaufen der Produktion gegen 1850 ging der Hype los. Hobbyarchäologen, und in ihrem Gefolge Grundbesitzer und Sammler, begannen auf dem Gelände früherer Töpfereien zu buddeln. Überall wurden Krüge und Keramiken aus dem Boden geholt und für teuer Geld verkauft.

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Der Düsseldorfer Kunstsammler Laurenz Heinrich Hetjens ließ dann von 1870 bis 1882 in Raeren systematisch graben. Was dabei ans Licht kam, bildet den Grundstock des Deutschen Keramikmuseums. Der Mann war übrigens clever: Er vererbte seiner Heimatstadt seine Sammlung plus 150.000 Goldmark mit der Auflage, damit ein Museum zu bauen, das auf ewig nach ihm benannt werden sollte. Andernfalls werde das Erbe hinfällig – dann ginge die Sammlung statt nach Düsseldorf nach Köln. Das Hetjens-Museum gibt es noch heute.

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Dass es dagegen heute in Raeren die auch immerhin 2000 Exponate starke Sammlung des Töpfereimuseums gibt, verdanken wir Otto Eugen Mayer. Er begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, die Geschichte des Raerener Steinzeugs zu erforschen. Seine Funde bilden den Kern der Sammlung des Museums, das 1963 in der Burg eröffnet wurde.

In der Blütezeit der Raerener Töpferei arbeitete ein Drittel der Dorfbevölkerung als Töpfer, also rund 50 Familien. Fast ebenso viele waren im zweiten großen örtlichen Gewerbe tätig: als Fuhrleute. Um die Massen von bruchempfindlichen Tonerzeugnissen über die damals kaum ausgebauten Wege und Pfade zu transportieren, brauchte man Profis. Wie anspruchsvoll das war, kann der Besucher ahnen, wenn er ein paar Schritte einen Trampfelpfad hinter der Burg entlanggeht, der schließlich über eine sechs Meter hohe Brücke führt. Sie überquert das Bett des Iterbachs – und den nutzten die Spediteure der Renaissance, um ihre Fuhrwerke mit der kostbaren Fracht vergleichsweise rüttelfrei auf die Krönungsstraße über Köln nach Frankfurt zu bringen.

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Aber Raerener Krüge blieben nicht in Europa. Einige Exemplare wurden sogar in nordamerikanischen Indianergräbern und in untergegangenen niederländischen Schiffen vor Australiens Küste gefunden. Und heute steht Raerener Töpferhandwerk in allen großen europäischen Museen vom Louvre in Paris über das British Museum in London bis zur Eremitage in St. Petersburg.

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Das Raerener Museum zeigt allerdings nicht nur historisches Keramik, sondern auch ganz moderne – hier die Preisträger des Euregio-Keramikwettbewerbs 2015. Das Vogelmotiv oben gestaltete die Niederländerin Noortje Meijerink, das, äh, ebenfalls Vögeln gewidmete Werk unten Andrea Bielicki-Helms aus Deutschland.

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Wer nach derlei Inspiration Lust bekommen hat, selbst zum Tonkünstler zu werden, kann im Atelier im Burghof unter Anleitung von Museumspädagogin Melanie Keifens die Begegnung mit dem so vielfältig gestaltbaren Material auf eine ganz praktische Ebene wuppen. So etwa beim Tonmarathon. Die Erzeugnisse wurden beim Euregio-Keramikmarkt im September versteigert.

Genug gesehen? Dann ist es Zeit, in die urige Gaststube im Haus Zahlepohl einzukehren und sich von Nelly Luchte einen ostbelgischen Imbiss servieren zu lassen, etwa einen Schwarzen Fladen aus kleinen Birnen, Äpfelchen, Anis und anderen Gewürzen. Dazu passt ein süffig süßes, dunkles Abteibier. Natürlich aus einem standesgemäßem Glaspokal – wenn schon nicht aus einem Raerener Steinkrug.

Disclosure: Das Töpfereimuseum wurde mir und anderen Bloggern aus der Region im Rahmen einer eintägigen Bloggerreise gezeigt.

Miniausfahrt

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Rot. Knallrot. Leuchtendrot. Der Lack des Minis vor uns, die Kette der Bremslichter und ganz vorne die Ampel: alles rot. Und darüber: ein grauer Aachener Himmel, aus dem es wie aus Eimern schüttet. Das sind die Farben, die sich mir auf den ersten Metern der Miniausfahrt 2016 einprägen. Es hätte tatsächlich gerne etwas freundlicher anfangen können.

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Der Organisator, das Team der Aachener Kohl Automobile, hätte es verdient gehabt. Ich bin nicht zum ersten Mal auf einer Veranstaltung, die das Autohaus an der Neuenhofstraße für Kunden und Interessierte auf die Beine gestellt hat, und ich muss sagen, dass mir jede davon gefallen hat. Die Ansprache war freundlich, die Atmosphäre angenehm, die Durchführung reibungslos – und nein, ich bekomme keinen neuen BMW Dreier dafür billiger, dass ich das sage. Wer sich öffentlich engagiert, obwohl sich so etwas nicht sofort in klingender Münze auszahlt, darf auch mal gelobt werden.

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Die jährliche Miniausfahrt – Hashtag für Instagram, Facebook und Twitter: #Miniausfahrt2016 – richtet sich natürlich an Fans des knuddeligen Superkompakten aus England aus den 50er-Jahren. Nein, kleiner Scherz! Vor allem natürlich an Fahrer der modernen Neuauflage des inzwischen nicht mehr ganz so kompakten Kleinwagens aus diesem Jahrtausend.

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Das ist übrigens die Dame, der ich das ungewohnte Vergnügen verdanke, rund fünf Stunden lang in dem vierrädrigen Designerschnittchen quer durchs Dreiländereck zu flitzen: Uschi Ronnenberg, Inhaberin einer Designagentur und Betreiberin eines sehr lesenswerten Blogs – und natürlich überzeugte Minifahrerin.

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Nach einem morgendlichen Frühstück im Showroom des Autohauses setzt sich die bunte Kolonne in Bewegung. Für mich als Petrolhead ist die Position auf dem Beifahrersitz eher ungewohnt – dafür darf ich, ausgestattet mit Roabook und Aufgabenheft, einmal das durchmachen, was ich sonst meinen Beifahrern zumute. Nämlich, mich auf die Navigation zu konzentrieren und ansonsten möglichst den arbeitenden Menschen auf dem linken Sitz möglichst wenig zu behindern.

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Aber bierernst geht die Sache nicht zu. Auf Zeit kommt es nicht an. Da lässt sich auch schon mal ein Ampelstopp zu einem Fototermin auf Gegenseitigkeit nutzen. Zuerst einmal geht es rund um Aachen, um dann über Vaals und die wunderschöne Mergellandroute durchs niederländische Limburg zu cruisen.

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Und dann: Großer Fototermin mit – fast – allen Teilnehmern.

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Sodann folgt eine der drei angesetzten Geschicklichkeitsübungen, ein Slalomparcours.

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Und weiter gehts. Ein Kompliment für die Routenführung: Schöner kann man rund um Aachen kaum unterwegs sein. Epen und Henri-Chapelle waren nur einige der markanten Stationen auf der westlichen Hälfte der Strecke.

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Zwischendurch immer mal wieder ein Blick in den Rückspiegel: Ja, wir sind nicht alleine unterwegs hier. Was auch wieder beruhigend ist, dann so kann man halbwegs sicher sein, nicht einmal die falsche Abzweigung erwischt zu haben.

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Immer gut zu sehen ist auch das auffällig und hübsch lackierte Pacecar, hier bei einer weiteren Geschicklichkeitsübung auf dem Parkplatz von Leoni Kerpen in Stolberg.

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Der zweite Teil der Route führt durch die Eifel bis hin zum Rursee.

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Die dabei passierten Ortsschilder sind für die Teams mehr als nur der Hinweis, den Fuß vom Gas zu nehmen. Auf einer Liste hatten die Teams die Anfangsbuchstaben der durchfahrenen Orte zu notieren. Eine Aufgabe für den hochmotivierten Beifahrer, versteht sich.

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Nach fast 180 überaus abwechslungsreichen Kilometern trudeln die Teilnehmer dann nach und nach wieder an der Neuenhofstraße ein. Wo noch einmal der große Aufmarsch der kleinen Autos ansteht.

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Und während in der Verkaufshalle das Grillgut auf die Teller wandert, leuchtet draußen der Lack der knubbeligen Kultmobile im Sonnenschein. Autowandern macht müde – das Ausspannen am Ende haben sich Zweibeiner und Vierrädler ehrlich verdient.

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Im Medienhafen

Sony A7II mit Canon FD 2.8 20, f11, 30s, ISO 50
Sony A7II mit Canon FD 2.8 20, f11, 30s, ISO 50

Es ist ja nicht so, dass ich noch nie in Düsseldorf gewesen wäre. Oder dort noch keine angenehmen Zeiten verbracht hätte. Im Gegenteil. Der Blick vom Fernsehturm ist toll. Und das Meilenwerk die Classic Remise, dieses Oldtimerverkaufsmuseumsding im alten Ringlokschuppen erstmal. Die Rheinuferpromenade ist so dermaßen viel schöner als das, was Köln mit seinem Stück Rhein veranstaltet bzw. dranbetoniert hat. Und an das rotierende Quallenaquarium im Aquazoo erinnere ich mich auch noch mit Faszination.

Sony A7II mit Canon FD 2.8 200, ca. F5.6, 1/320s, ISO 100
Sony A7II mit Canon FD 2.8 200, ca. F5.6, 1/320s, ISO 100

Und doch. Denk ich an Düsseldorf, entsteht da nicht sofort ein zusammenhängendes Stadtbild vor dem geistigen Auge, verbunden mit dem Wunsch: Ach ja, da und da möchtest du gerne mal wieder langbummeln. Dafür haben die Stadtplaner allerorts zu viel leeren Raum zwischen den Hausreihen der Prachtboulevards gelassen, der offensichtlich mit Imposanz gefüllt werden sollte – der in mir aber leider nur das Gefühl von Kälte und Abweisung erzeugt. Die allzu breite und allzu teure Kö zum Beispiel ist für mich das Gegenstück zur wuseligen Kölner Schildergasse. Köln hat das Herz, Düsseldorf das Geld. Oder?

Sony A7II mit Canon FD 2.8 20, 1/13s, ISO 1250
Sony A7II mit Canon FD 2.8 20, 1/13s, ISO 1250

Eigentlich ist das schade, denn liebe Menschen haben sich schon viel Mühe gegeben, mir die Vorzüge der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt nahezubringen. Und punktuell – Altstadt, Meilenwerk, Kunstakademie, nicht zu vergessen die großartige japanische Nudelsuppenkultur – ist das ja auch durchaus gelungen.

Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 1/15s, ISO 100
Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 1/15s, ISO 100

Und dann stehe ich an diesem lauen Juliabend mit einigen anderen Freizeitfotografen am Medienhafen. Medienhafen, alleine das Wort schon. Wir können auch Silicon Valley, wir machen jetzt was mit Medien! Schaut mal da, ein Reklameschild vom Focus!

Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 3.2s, ISO 100
Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 3.2s, ISO 100

Und doch: Hier, zwischen den modernisierten alten Lagerhallen und den hypermodernen Bauten von Stararchitekten wie Frank O. Gehry, gefällt es mir auf Anhieb.

Es kann am warmen Licht der Abendsonne liegen oder an den gut gelaunten Menschen, die unter den alten Verladekränen hindurch und über die Fußgängerstege flanieren. Die in den Biergärten der Bistros zwischen UCI-Kino und dem Alten Zollhof sitzen. Oder die Mole entlangjoggen. Und über all dem ragt der Fernsehturm in den blauen Abendhimmel.

Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F5.6, 1/500s, ISO 100
Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F5.6, 1/500s, ISO 100

Es ist ein Ort, der – und das ist leider eher selten in deutschen Städten – etwas Größe atmet, etwas freien Geist und Fantasie in der Gestaltung. Wo keine einheitlichen Dachhöhen für die übliche Immergleichheit sorgen, wo sogar hier und da ein paar geschwungene Linien aus dem gesetzlichen deutschen Rechtwinkel ausbrechen, der so allgegenwärtig das Bild unserer Städte bestimmt (wer das nicht glauben mag, der fahre mal nach Frankreich).

Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 20s, ISO 100
Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 20s, ISO 100

Ich weiß nicht, ob das, was hier entstanden ist, allen Düsseldorfern gleich gut gefällt. Ja, es ist auch ein Stück über-hip, über-cool und über-modern geworden. Aber vermutlich wäre es sonst halt nicht: Düsseldorf.

Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 20s, ISO 100
Sony A7II mit Carl Zeiss Planar 1.4 50 C/Y, ca. F8, 20s, ISO 100

Egal. Hier ist er endlich, ein Fleckchen Düsseldorf, von dem ich auch in Zukunft gelegentlich denken werde: Och, da möchtest du gerne mal wieder hin und ein bisschen bummeln.

Fest des Rosts: Auf dem Autofriedhof Neandertal

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Grün. Leuchtendes Grün, glitzerndes Grün, samtiges Grün. Grün in allen Schattierungen, in allen Nuancen, in allen Stufen der Üppigkeit, von hellem Gelbgrün bis zu fast schwarzem Faulgrün; von modrigem Belag bis zu wild hochschießenden Pflanzen. Das Grün wächst auf Kotflügeln, auf zerrissenen Stoffdächern, auf zusammengesunkenen Sitzen. Es wuchert aus klaffend offenen Radhäusern, es fällt, gefiltert durch das Blätterdach der Bäume, auf verblichenen Lack in einstmals leuchtenden Farben. Einstmals, das heißt: vor 66 Jahren, also 1950 – als die 50 Autos gebaut wurden, die her allmählich ihrem Zerfall entgegendämmern.

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Es ist still auf dem Autofriedhof Neandertal. Kein Ort wie irgendein anderer, schon gar kein Autofriedhof wie irgendein anderer. „Autoskulpturenpark“ nannte jemand dieses einmalige Kunstprojekt des – laut Spiegel-Online – Düsseldorfer Modehändlers, Autoverkäufers und Rennfahrers Michael Fröhlich. Zu seinem 50. Geburtstag schenkte er sich selbst 50 Oldtimer, Baujahr 1950, vom Einfach-Mobil Citroên 2CV bis zum königlichen Rolls Royce Silver Wraith.

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Und: Überließ sie sich selbst. Vor 16 Jahren war das. Seitdem haben Oxidation und Verfallsprozesse aller Art ihr Werk getan. Da steht nun der Jaguar im Wert von 120.000 Euro neben dem Porsche 356. Der Käfer neben dem Mercedes, der US-Straßenkreuzer neben dem englischen Roadster, der mächtige Russe neben dem fragilen Franzosen. Dazwischen Motorräder, Roller, Fahrräder, sogar Flugzeuge.

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„Friedhof der Fünfziger“ nannte der Spiegel diese Ansammlung zerbröselnden Blechs. Ein besserer Name ist auch mir nicht eingefallen. Da springt die Chromleiste ab, da ist der Rückspiegel blind geworden, da platzt der Lack großblättrig vom Blech ab – oder ist es schon das Blech selbst, das sich da vom Rest des einstigen Stolzes der Landstraße abrollt?

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Doch nicht einmal die Polizei, deren Gewerkschaftsaufkleber hinter der altersmilchig gewordenen Windschutzscheibe gerade noch zu erkennen ist, kann hier helfen.

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Man könnte, wenn man ein Petrolhead ist und das Herz für die verchromten Schönheiten vergangener Jahrzehnte schlägt, das Weinen bekommen beim Anblick dieses langsamen Vergehens so schöner und seltener Gefährte. Dieser wunderliche Zweitürer auf drei Rädern da, muss der wirklich sterben? Kann man da nicht noch etwas machen?

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Nein, man kann nicht. Die Natur holt sie sich zurück, den protzigen Luxusschlitten wie das klapprige Nachkriegs-Notmobil, den bunten Hippie-Bus wie den Trabant, aus dem ein Baum wächst. Viele Fahrzeuge sind kunstvoll mit Seilen in Schräglage aufgehängt, so dass die Schwerkraft der Zeit beim Brechen von Rahmen und Versteifungen noch unter die Arme greifen kann. Für die Karosserien, die hier auf den Streckbänken liegen und hängen, gibt es nur einen Weg: nach unten, abwärts ins Moos und zu den herabgefallenen Blättern, zwischen die Gräser und Sträuche, die ihnen an den Flanken entgegenwachsen.

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Dem Betrachter bleibt beim Gang über das mit skurrilen Details ausstaffierte Gelände nur, die stille Würde zu bewundern, mit der die Exponate ihrem Ende entgegendämmern. Und er bemerkt die eine oder andere Einzelheit, die an die ungezählten, in früheren Leben auf den Landstraßen Europas zurückgelegten Kilometer erinnert. So scheint dieser Roller einmal in der Hauptstadt unterwegs gewesen zu sein – ganz sicher, als sie noch zweigeteilt war. Er wird kaum dorthin zurückkehren, um durch den Teil Berlins zu knattern, der ihm damals versperrt war.

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Es gibt viel zu sehen. Drei Stunden lang streifen ich und drei andere Fotografen – wir haben den Besuchstermin telefonisch vereinbart und brav den Eintritt für das Privatgelände bezahlt – zwischen den Bäumen herum, stecken die Beine der Stative zwischen Baumwurzeln, leuchten dunkle Fahrzeugpartien mit Taschenlampen an, suchen nach perfekten Aufnahmewinkeln und Brennweiten.

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Und grinsen über die vielen schrägen Einfälle des Besitzers, etwa die mit Graffiti und Sanitärartikeln verzierte Betonmauer, die samt IFA-Cabrio aus der DDR an die deutsche Teilung erinnern soll.

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Schon halb vom Hügel verschlungen zeigt sich dieser Moskwitsch. Oder kriecht er aus der Erde heraus wie ein Zombie?

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Wer seinen Frieden damit gemacht hat, dass hier einzigartige Werte verrotten, kann den Anblick dieser Rostkarrossen sogar genießen. Und über die vielen verrückten Einfälle des Gestalters lachen, wie die Puppen von Queen Elizabeth und Prince Charles, die im spinnwebenüberzogenen Rolls mit der Aufschrift „Fuckingham Palace Shuttle Service“ auf dem Weg zur nächsten royalen Party zu sein scheinen.

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Unglaublich, wie schnell die Zeit zwischen den morschen Boliden vergeht. Plötzlich fallen Tropfen aus dem Himmel – und uns wird klar, dass wir angesichts der Wettervorhersage großes Glück gehabt hatten. Hätte es nicht den ganzen Tag regnen sollen, hat es das nicht auch schon getan auf der Hinfahrt, kurz vor Düsseldorf? Die geschützte Tallage hat uns offenbar den Fotoausflug gerettet. Doch dann ist es vorbei mit Stille und Romantik. Schnell noch zwei letzte Bilder in die Runde gemacht, dann verlassen wir das Wäldchen und suchen Schutz im Ausflugsrestaurant ein Stück weiter unten im Tal.

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Während draußen ein Platzregen auf den Asphalt des Besucherparkplatzes prasselt, lassen wir in original bergisch-rustikaleichenem Kaffeetafelambiente der 70er-Jahre die Eindrücke noch einmal Revue passieren. Und unterziehen die entstandenen Bilder auf einem Tablet einer ersten Betrachtung. Bei dem Bild hier hättest du näher ranzoomen können, dafür wäre hier eine kleinere Blende gut gewesen.

Am Liebsten würde jeder von uns wohl die Kamera schnappen, noch einmal den Berg hochstapfen und noch eine zweite Runde drehen – zwischen den fast 70 Jahre alten Zombies aus Blech, Rost und Grün. Doch für heute soll es genug sein: Wo vor Jahrmillionen die Vorfahren des modernen Menschen durch den Wald liefen, haben an diesem Abend 50 seiner angeblich besten Freunde wieder ihre letzte Ruhe.

Strand des Herzens

Eine skurrile Laune der Natur ist Schuld daran, dass Aachen wohl die einzige Stadt auf diesem hübschen blauen Planeten ist, deren Strand zwei Länder und zweieinhalb Autostunden entfernt von ihr liegt.

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So muss der einem Strandbad Sonnenbad zugeneigte Öcher einen Tagesausflug einplanen und sich hinters Steuer klemmen. Einmal vollgetankt und dann 233 Kilometer westwärts – an Maasmechelen vorbei, durchs flache Flandern, vor Antwerpen rechts ab. Den weithin sichtbaren Dampfpilz des Kernkraftwerks Doel so schnell wie möglich hinter sich lassen.

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Die Fahrt führt vorbei an Orten, die Brommelen, Grobbendonk, Wommelgem und schließlich Krabbendijke heißen. Auf der Halbinsel Walcheren steuern wir auf das malerische Kleinstädtchen Middelburg zu, dann geht es noch ein paarmal im Zickzack rechts-links-rechts, bis die Straße buchstäblich vor dem Deich endet.

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Und da wären wir. Domburg. 1500 Einwohner, Verwaltungssitz der Gemeinde Veere – und wer den Namen googelt, wird mit Ferienhäusern und Hotels beworfen, bis er bucht. Man ist halt nicht der einzige, dem’s hier gefällt. Die nächste ernstzunehmende Konkurrenz in Richtung Süden liegt schon in Belgien, heißt Knokke-Heist, ist 20 Mal so groß und unter uns gesagt fürchterlich verbaut.

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Wir bleiben also in Domburg, dem einstigen Künstlerdörfchen, das beim Öcher ob der ersten Hälfte seines Namens gleich heimische Gefühle auslöst. Die Dichte an AC-Kennzeichen unter bei den geparkten Wagen spiegelt die Zuneigung wider. Wer das nicht mag, sollte noch ein paar Kilometer weiter nach Norden fahren, über das imposante Oosterschelde-Sturmflutwehr auf die benachbarte Insel Schouwen-Duiveland etwa oder, noch eins weiter, auf Goeree-Overflakkee. Dahinter ist es allerdings vorbei mit der Gemütlichkeit, dort liegt Rotterdam, zweitgrößte Stadt der Niederlande und Europas größter Seehafen.

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Hier aber, an diesem abgelegenen Stück Nordseestrand, ist es idyllisch. Der Wechsel von Ebbe und Flut zwingt dem jetzt im Frühjahr noch etwas träge blubbernden touristischen Leben auf den paarhundert Quadratmetern Strand einen gemächlichen Rhythmus auf.

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Und der einsame Frachter am Horizont, von Antwerpen aus auf Nordkurs gehend, ist das einzig sichtbare Anzeichen der globalen oder zumindest internationalen Verkehrsströme, die sich außerhalb unserer Wahrnehmung abspielen.

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Doch wen interessiert schon der Horizont. Die Buhnen aus doppelreihigen Holzpfählen gliedern die kleine Welt in fußballfeldgroße Segmente, deren Grenzen zumindest direkt in Wassernähe nicht leicht zu überwinden sind. Nur an wenigen Stellen kann man sich als Erwachsener zwischen den Pfählen durchquetschen.

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Doch zwischen diesen zahnlückigen Wänden gibt es genug zu sehen. Die Sonne spiegelt sich im Wasser der Priele, die auflaufende Flut treibt Wolken von Schaum vor sich her, die sich am Strand auftürmen. Über all dem kreischen die Möwen.

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Woran liegt es, dass diese paar Kubikmeter Sand, diese paar Quadratmeilen Wasser und das völlige Fehlen landschaftlicher Erhebungen solche Glücksgefühle beim Festlandsbewohner auslösen können? Sind es Erinnerungen an die Ursuppe, aus der wir einmal gekrochen sind?

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Die Frage bleibt offen. Wenden wir uns landeinwärts. Domburg selbst ist ein schmuckes Dörfchen aus gepflegten Häuschen, Herbergen und Hotels – der Tourismus hat hier jeden Meter geprägt.

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Die Dohlen oben auf dem Kirchturm stört es nicht. Der Ziffernkranz der Uhr bietet ihnen einen bequemen Sitzplatz mit perfekter Aussicht auf das Gewusel auf dem Pflaster unter ihnen.

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Andere können nicht so hoch hinaus – und fühlen sich zwischen all den akkurat gestutzen Hecken, blühenden Bäumen und gewienerten Mittelklasseautos in den Wohnstraßen mindestens genauso wohl.

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Vielleicht ist der Reiz des Aachener Strandes gerade seine Überschaubarkeit. Rund um den alten Wasserturm mit seinem wunderlichen Dach, das Wahrzeichen der Siedlung, spielt sich das Leben in zwei Hälften ab: Es gibt nur das Vor dem Deich und das Dahinter. Nur wer auf der Krone steht, sieht das Ganze. Es ist ein kleines Ganzes.

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Ein greifbares, begehbares, übersichtliches Ganzes. Eines, das keine dunklen Ecken und bösen Überraschungen bietet.

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Ein Strand zum Gernhaben. Vielleicht sogar einer zum Verlieben. Auf jeden Fall einer, den man als Öcher, wenn man sich abends ins Auto setzt und von Domburg nach Domstadt zurückfährt, im Herzen trägt.

Auf neuen Wegen (Im Venn II)

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Der Wind weht scharf, aber erträglich, als wir über den von Touristenfüßen plattgetretenen, überfrorenen und spiegelglatten Schnee mehr rutschen als stapfen. Hinter Baraque Michel führt der Wanderweg erst durch ein kleines Waldstück – und dann steht man schon im Venn.

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Fast zwei Jahre ist es her, dass ich – allerdings ein paar Kilometer weiter, auf deutscher Seite – auf einem Spaziergang an dieser so ungewöhnlichen Landschaft trotz guter Kamera und ebensolchen Objektiven verzweifelte. Viel Himmel, viel Horizont, versprenkelte Bäume, in der Mitte der Weg. Was sollte man da fotografieren?

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Heute weht ein anderer Wind. Wörtlich genommen. Ein Dutzend verschiedenster Fotokurse und noch deutlich mehr Objektive später fällt die Motivwahl nun etwas leichter. Da hätte es den großen Schwarm Kraniche gar nicht gebraucht, der über uns zurück nach Norden zog.

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Eine eigenartige Landschaft ist das Venn. Riesenhaft leer und offen wirkt es und versperrt sich gleichzeitig mit seinem sumpfigen Boden der Eroberung durch den Besucher. Nur auf geradezu homöopathisch schmalen Pfaden lässt es sich erkunden.

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Gerade einmal meterbreite Holzstege führen über die morastige Ebene. Die Warnung „Als het weer regenachtig is, zijn de houtstegen glibberig“ ist berechtigt. Wenn das Wetter dagegen eisig ist, sind die Planken nicht nur glibberig, sondern geradezu mörderisch glatt.

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Schließlich führt der Weg wieder an einem Bach entlang in ein Waldstück, wo es vor lauter Bächlein regelrecht murmelt.

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Das Fortkommen wird immer schwieriger. Der spiegelglatte Steg bietet kaum Halt und in den Planken klaffen große Lücken.

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Das Geländer, wenn es denn eins gibt, ist höchlichst willkommen. Auch, wenn das rauhe Holz an den Handschuhen zupft.

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Motive zum Fotografieren gibt es in diesem stillen Winterwald allerdings reichlich. Ich habe zwei Objektive für die Sony A7 II in der Tasche: mein sehr geschätztes Minolta MD 3.5 35-70 mm Zoom und die jüngste Neuerwerbung, ein MD 4 75-150 mm Zoom von 1981. Beide Brennweiten ergänzen sich sehr angenehm. Und beide überzeugen mit knackiger Schärfe und angenehmem Bokeh.

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Zugegeben, das Wechseln der Objektive auf den ebenso schmalen wie glatten Holzstegen ist kein Vergnügen. Auch reicht die Zeit heute nicht, mit Stativ und langem Hin- und Herprobieren das perfekte Bild zu komponieren. Dafür ist es auch einfach zu zugig – also muss es zügig gehen.

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Aber als uns der Weg schließlich wieder zurückführt, bin ich glücklich. Über den schönen Spaziergang – und das Gefühl, im Venn diesmal fotografisch nicht am Ende gewesen zu sein, sondern am Anfang.

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Eine andere Welt

Sony Nex-6 mit Canon FD 50mm 1:1.4, F1.4, 1/125s, ISO 100
Sony Nex-6 mit Canon FD 50mm 1:1.4, F1.4, 1/125s, ISO 100

Verheiratet bin ich ja bekanntlich nicht mit dem weiß-blauen Propeller – was soll man auch erwarten bei einem, der in den Siebzigern auf dem schwarzen Kunstleder der Rückbank eines Mercedes 230.4-Strichachters aufgewachsen ist. Aber wenn es einen schon einmal nach München weht, dann wär’s a Sünd, nicht auch im BMW-Werksmuseum und der angrenzenden BMW-Welt vorbeizuschauen.

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Und das muss man ohne Neid anerkennen: Sie konnten – und können – nicht nur verdammt schöne Autos bauen, die Bayern. Sie können sie auch verdammt gut präsentieren. Da gibt es Formen im Wandel der Zeit zu bewundern…

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…und eine Farbenvielfalt wie auf einer Blumenwiese zu genießen. Auf mehreren, geschickt miteinander verbundenen Ebenen stehen hinter den teils mehrere Stockwere hohen Glaswänden teure Roadster und Luxuskarossen neben Brot- und Butter-Autos, exotische Projekte und Studien, Renn-, Rekord- und Rallyemotorräder und mittendrin sogar ein Boot.

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Und, selbstverständlich: feinste Motorentechnik. Für Flugzeuge und Autos. Sonst hieße es ja auch nicht Bayerische Motoren-Werke.

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Das BMW-Museum am Fuß des berühmten Vierzylinders ist nur ein paar Schritte über eine Fußgängerbrücke entfernt von der BMW-Welt – laut Wikipedia eine „kombinierte Ausstellungs-, Auslieferungs-, Erlebnis-, Museums- und Eventstätte“.

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Für Fans der Marke ist der von Wolf D. Prix konzipierte und 2007 eröffnete futuristische Bau ein wahrer Tempel. Man darf die neuesten Modelle in allen Ausstattungsvarianten ebenso bewundern…

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…wie die spektakuläre Architektur…

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…und die neuesten Blüten der Motorentechnik. Abgerundet wird das Ganze durch Präsentationsbereiche wie „Born Electric“ für E-Autos, daneben ein paar original zerschrammte Karossen aus James-Bond-Filmen…

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…und reichlich Merchandising, vom Rollkoffer mit Mini-Aufdruck über Modellautos und T-Shirts bis zum Kinderfahrrad.

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Von der Empore aus darf der im wahrsten Sinne des Wortes geneigte Besucher beobachten, wie auf der Plattform gegenüber Neuwagen an ihre stolzen Neubesitzer ausgeliefert werden, samt Einführung und Schlüsselübergabe. Das Werk ist im Hintergrund durch die Glasfenster zu sehen.

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Irgendwo in einer Ecke dieser High-Tech-Halle voller High-Tech-Mobile steht, bescheiden und kugelförmig: eine Isetta.

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Und macht Werbung für das Werksmuseum. Dass die Organisatoren ihren Kunden aus Asien, Russland und kein rassiges 507-Coupé oder einen V8-Barockengel als Repräsentanten der Firmengeschichte dort hingestellt haben, habe ich als das sympathischste Detail des ganzen Millionenbaus empfunden.

Es ist nicht die mobile Welt, in der ich groß geworden bin. BMW, das waren für mich viele Jahre lang nur die leicht prolligen Gasfußfahrer mit Schnauzbart, die sich auf Breitreifen mit Lichthupe und schlechten Manieren ihren Weg durch den Verkehrsdschungel freiröhrten. Der traditionelle Mercedesfahrer der Siebziger sah lächelnd auf sie hinab, selbst wenn sie ihm beim Ampelspurt den Doppelauspuff zeigten.

Seit dem heutigen Tag ist mir eingefleischtem Sternenfahrer die weiß-blaue Marke ein ganzes Stück näher gekommen. Tradition haben sie auch, die Münchener. Und Stil sowieso. Damals wie heute. Apropos heute: Mittlerweile ist ja Mercedes die Marke mit den wildest gefletschten Lufteinlässen, den verspieltesten Chromapplikatiönchen im Armaturenträger, den sinnlosest in die Seitentüren gebügelten Knickfalten und den expressivsten flammenförmigen Rücklichtern im Chinese-Dragon-Style.

Gedankenverloren verlässt der Besucher die schöne neu-alte Welt, um in der Tiefgarage in seinen 20 Jahre alten, kantig-gutbürgerlichen Mercedes zu steigen. Und beim Blick auf dessen abgrundtief sachliches Armaturenbrett zu rätseln: Warum bauen eigentlich die Stuttgarter heutzutage nicht so dezent-zurückhaltende, gleichzeitig elegante und doch dynamisch-sportliche Wagen?

Sternenhimmel

Sony Nex-6 mit Canon nFD 50mm 1:1.4, f1.4, 5s, ISO 100
Sony Nex-6 mit Canon nFD 50mm 1:1.4, f1.4, 5s, ISO 100

Man kann nicht dasselbe Foto zweimal machen, bloggerte ich neulich. Aber man kann versuchen, dasselbe Motiv noch einmal besser hinzukriegen. Beziehungsweise mit einem besseren Objektiv.

So sah der Abenstern vor einigen Wochen aus – mit der High-Tech-Festbrennweite Sony SEL 20f28. Regulärer Neupreis: 349 Euro.

Das heute war ein gut 30 Jahre altes, garantiert elektronikfreies Canon FD 50mm 1:1.4 für 40 Euro. Finde den Unterschied.