Nächtliche Begegnung

Mit den Gedanken ganz woanders abends durchs Frankenberger Viertel in Aachen bummeln und plötzlich wie vom Schlag getroffen stehenbleiben. Whow.

Sony A7II mit Carl Zeiss Vario-Sonnar 3.5 40-80
Sony A7II mit Carl Zeiss Vario-Sonnar 3.5 40-80

Und dann an der Kamera nur das unmögliche Zeiss Vario-Sonnar 3.5 40-80 für Contax/Yashica haben. Der olle Klotzbrocken ist so schwer, dass ich meine Aktentasche (ja, ganz manchmal habe ich sowas dabei) unterschieben musste, weil die Kombi zu schwer fürs Mini-Stativ war. Aber scheenes Mopped, gell?

Flic Flac – „Farblos“

Beim Zirkus Flic Flac ist das Fotografieren ausdrücklich erlaubt – vorausgesetzt, man veröffentlicht die Bilder im Internet, wie es mal im Programm stand. Und es lohnt sich, die Kamera mitznehmen!

Ich weiß nicht, warum die aktuelle Show „Farblos“ heißt, denn eigentlich geht es im Programm durchaus bunt zu, wie man sieht. Egal. Spaß macht es.

Begleiten durfte mich das Vario-Sonnar 3.3-4 28-85 von Carl Zeiss für Contax/Yashica. Weitwinklig war es super, aber für die Aufnahmen der Artisten hätte ich mir doch etwas Längeres gewünscht. Das Canon FD 3.5 35-105, das 2016 im Einsatz war, war die bessere Wahl.

An der Vicht

Sony A7II mit Isco Westromat 1.9 50, F16
Sony A7II mit Isco Westromat 1.9 50, F16

Blick auf die Vicht in Stolberg.

Mit dem Isco Göttingen Edixa-Westromat 1.9 50, einem Klon des Schneider Kreuznach Xenon 1.9 50.

Die Blüte der Feinmechanik: Schneider-Kreuznach Tele-Xenar 3.5 135

Es gibt bei historischen Objektiven Dinge, die man gesehen haben muss, um sie zu glauben. Dazu gehören die skurrilen mechanischen Schärfetiefe-Anzeigen deutscher Objektive, die von Ende der 1950er- bis etwa Mitte der 1960er Jahre eine kurze Blüte feierten. Das Pancolar 2 50 von Carl Zeiss Jena etwa hatte zwei auseinanderstrebende, freistehende rote Metalldreiecke, der bundesrepublikanische Mitbewerber Albert Schacht aus Ulm setzte für seine Travelons, Travegons und Travenare auf einen sich beim Abblenden verbreiternden roten Streifen hinter Plexiglas.

Die aufwendigste Anzeige aber hatten die Objektive von Schneider aus Bad Kreuznach – einem Unternehmen, dass sich als westdeutsche Oberklasse und mindestens gleichwertige Konkurrenz zum Platzhirsch Carl Zeiss Jena verstand.

Bei Schneider-Kreuznachs Curtagons, Xenaren und Xenons wird die Schärfentiefe durch einen metallisch-blanken Streifen angezeigt, der beim Abblenden nach links und rechts breiter wird.

Dabei schieben sich hinter einem transparenten Plexiglasring einzelne silberne Lamellen aneinander (siehe Bilder), ähnlich einem Balkendiagramm. Eine ebenso feinmechanisch faszinierende wie im Grunde herrlich sinnlose Spielerei.

Das Tele-Xenar 3.5 135 ist ein erstklassiges Teleobjektiv und das westdeutsche Gegenstück zum legendären Sonnar von Carl Zeiss. Mechanisch aus dem Vollen gefräst, im klassischen Zebra-Design, mit dem markentypischen edlen blanken Doppelstreifen oben am Tubus.

Der Käufer bekam reichlich feine Details für sein Geld – man beachte zum Beispiel den wie eine Uhrkrone gefrästen Umschaltknopf zwischen Blendenautomatik und manuellem Betrieb, der wiederum durch ein kleines Sichtfenster auf der Oberseite mit den Lettern „A“ und „M“ angezeigt wird. Die Bildqualität dieses typischen 135ers ist über alle Zweifel erhaben: kristallscharf und kontrastreich.

Fotografisch ergab die Schärfentiefeanzeige wenig Sinn, dürfte aber die Produktionskosten deutlich in die Höhe getrieben haben. Das technische Schmankerl verschwand denn auch nach einigen Jahren schnell wieder, die Nachfolger dieser Objektive kamen wieder ohne das Gimmick aus. Für den Sammler bleiben die winzigen Anzeigen ein optischer Genuss beim Fotografieren.

Dieses Exemplar hier, mit M42-Gewinde, ist zu verkaufen. Kein Fungus, keine größeren Kratzer, Fokussierung geschmeidig, Blendenring freigängig. Preis 70 Euro (ich habe selbst hatte natürlich mal wieder mehr dafür bezahlt). Versand am liebsten als versichertes Paket mit DHL für 4,99 Euro. Wie die Bilder eines Tele-Xenars aussehen, ist hier im Beitrag „Moorbraun in Ornbau“ nachzuschauen.

#SchönsterWegZurArbeitAllerZeiten

Sony A7II mit Schneider Kreuznach Curtagon 2.8 35
Sony A7II mit Schneider Kreuznach Curtagon 2.8 35

Unglaublich, wie euphorisierend es sein kann, mit eigener Muskeln Kraft durch Felder und Wälder zur Arbeit und zurück zu radeln. Heute bin ich zum ersten Mal die etwas über zwölf Kilometer vom Donnerberg nach Rothe Erde gestrampelt. Der Weg ist ein Traum – hätte ich geahnt, wie schön es ist, hätte ich es schon früher probiert.

(Das Foto entstand heute Abend südöstlich von Eilendorf. Und das ganz hinten ist der Lousberg.)

Lesemann

Sony A7II mit Carl Zeiss Jena Biotar 1.5 75
Sony A7II mit Carl Zeiss Jena Biotar 1.5 75

Meine Lieblingsfigur am Aachener Dom (und nicht nur meine).

Magnoliendom I

Sony A7II mit Carl Zeiss Jena Biotar 1.5 75
Sony A7II mit Carl Zeiss Jena Biotar 1.5 75

Am Aachener Dom blühen die Magnolien wieder. Schöne Gelegenheit für erste Gehversuche mit einer Legende der Objektivwelt: dem Biotar 1.5 75 von Carl Zeiss Jena. Frisch und fachkundig überholt von Foto Olbrich aus Görlitz – eine wahre Stradivari. Aber eine, die man mit ihrer starken Randunschärfe bei Offenblende erst einmal spielen lernen muss.