Rasendes Reporterfahrzeug

Das neue Jahr 1996 beginnt mit einer fetten Rechnung: 1.160 Mark nimmt K. für die Reparatur des Getriebes, das er mir erst ein gutes halbes Jahr vorher eingebaut hatte. Sogar für das Abschleppen darf ich ihm 100 Mark bezahlen. Einziger Lichtblick ist die neue Mittelarmlehne für 120 Mark. Damit macht das Cruisen erst so richtig Spaß.

Es wird langsam Zeit, sich nach einer anderen Werkstatt umzusehen. Am 20. Februar (bei 232.500 km) lasse ich bei Manni B., einem Bekannten, erstmals einen Kompressionstest machen:

1. Zyl. 22 bar
2. Zyl. 28 bar
3. Zyl. 25 bar
4. Zyl. 27 bar

Das sind keine überragenden Werte…

Dennoch bringt der Wagen mich und meine Minolta Dynax täglich zu Zeitungsterminen im ganzen Osnabrücker Land. Am 19. März (235.300 km) kommt es zu einem Einsatz, den ich nicht vergessen werde. Mit dem Umweltbeauftragten der Gemeinde Lotte fahre ich zu einem entlegenen Steinbruch, in dem ein totes Pony gemeldet wurde. Da der Kadaver von oben nicht gut zu sehen ist, fahren wir über eine Art Zugangsrampe in die ausgedehnte Grube hinein. (Um das tote Tier zu fotografieren, müssen wir dann allerdings doch fast wieder bis ganz nach oben kraxeln.)

Als das Foto im Kasten ist, kommt das Dicke Ende: Am Fuß der Rampe ist der Boden so matschig, dass der Benz sich im Schlamm festwühlt. Mt Müh und Not bekomme ich den Wagen wieder auf festen Grund zurück. Wir sitzen in der Falle. Was tun?

Steinbruch3

Gottseidank liegt am Boden der Grube jede Menge Gerümpel. Aus weggeworfenen Wandpaneelen des Typs Kneipenausstattung in Eiche rustikal und blauen Plastikpaletten legen wir eine Art Sprungschanze über den Matsch. Dann nehme ich so viel Anlauf wie es geht, bringe den Diesel auf Maximaldrehzahl und lasse die Kupplung kommen…

Steinbruch1

Röhrend rast der Braune auf die Rampe, es kracht und splittert, dass ich um Unterboden und Ölwanne fürchte. Mit letztem Schwung erreichen wir das rettende Ufer.

Steinbruch2

Von der Rampe bleiben nur noch Trümmer und Splitter übrig.

19. Oktober: Blitz!

blitz2

Auf der Wersener Straße stadteinwärts, 15.34 Uhr, 64 km/h, Beweismittel: Traffipax Speedophot (wer denkt sich eigentlich diese Namen aus?). 50,- DM.

24. Oktober (248.800 km): Mein erster Unfall. Auf der Rückfahrt von einem NOZ-Termin in Bad Laer übersehe ich im Dunkeln an einer Kreuzung in Osnabrück eine vorfahrtberechtigte Motorradfahrerin. Sie erwischt mit ihrem Seitenkoffer meine hintere Stoßstange und stürzt – gottseidank wird sie nicht verletzt.

Die Sache hinterlässt bei mir einen bleibenden Schock. Mein Fahrverhalten ändert sich danach völlig: Defensiv ist von nun an Trumpf, gerade an Kreuzungen.

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