Lebewohl

Eine melancholische kleine Abschiedsgeschichte: In „Sleep Tight, Old 40RC“ im US-Magazin Flyingmag sagt der Autor Richard L. Collins seiner Cessna P210 adieu. Nach 8.963,44 Stunden in 28 Jahren, fünf Monaten und 13 Tagen.

Überraschend ist die Offenheit, in der Collins über seinen treuen Flight Companion schreibt. Die P210 sei ein heikles Gerät mit hoher Unfallrate:

A while back I calculated that the P210 has the worst fatal accident rate of any certified piston single, with engine failures the number one villain in these serious accidents.

Einen Käufer fand er nicht, angesichts der Kapriziosität des Musters wollte er die Maschine auch nicht an einen Neuling abgeben. So kam 40RC zu einem ungewöhnlichen Ende: Collins ließ sie am Platz von Griffin, Georgia, an der Rampe stehen. „To never fly again“.

Neues aus Herzogenrath

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Kein Kinn, kein König. Schon die alten Ägypter wussten, dass für einen Mächtigen der Kiefer wichtiger ist als die Krone. Wie hätte Tut-Ench-Amun ohne seinen markanten Säulenbart ausgesehen? Wie Karl Marx ohne seine proletarisch-kraftvolle Manneszier? Was uns direkt nach Herzogenrath bringt.

Ein Ort, bei dem die Nähe zur Macht schon im Namen – Herzog! – liegt. Ein Ort, der am Sonntag einen neuen Bürgermeister wählte. Zwar ist hierzulande die Zeit vollbärtiger Politiker seit Rudolf Scharping langsaaam vorbei. Doch der Mangel an Gesichtsbehaarung bei Tut-Ench-Amuns Nachfolgern aus dem Öcher Nordkreis wurde von cleveren Wahlkampfmanagern geschickt ausgeglichen.

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Mit kühnem Griff ans Kinn signalisiert der Herausforderer: Vertraut mir, Bürger, auch ich kann Pharao sein! Der dezente Goldschmuck am Ringfinger ergänzt das Bild: Reichtum und fruchtbares Ackerland allen Herzogenrathern, die mich wählen!

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Sein Gegenspieler ist freilich schon einen Schritt weiter. Das Symbol der Machtentfaltung wird hier viel sparsamer eingesetzt: Nur noch zweieinhalb Finger sind im Bild zu sehen. Um so stärkere Signalkraft geht von ihnen aus. Die locker geöffnete linke (!) Hand deutet nicht nur entspannte Souveränität an, sondern auch einen deutlich größeren Bartumfang. Hier präsentiert sich jemand als geborener Herrscher.

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Völlig chancenlos musste in diesem Umfeld die Kandidatin der kleineren Fraktion bleiben. Das konnte nicht klappen. Ein Politiker muss ein Gestrüpp Gespür dafür haben, was das Volk will.

Wahl-Fazit: Der Streit um des Kaisers Bart ist wie erwartet zu Ende gegangen. Der Griff nach der Macht glückt nur mit dem richtigen Griff ans Kinn.

Und: Die Zeit ist noch nicht reif für einen Damenbart auf dem Bürgermeisterthron.

Googeln, aber richtig

Gleich noch eine Frage an die Leserschaft: Kennt sich jemand mit den Nutzungsbedingungen von Google Maps aus? Ich würde gerne ein Luftbild einbinden. Aber nun lese ich bei Robert Basic, dass die Firma GeoContent Blogbetreiber abmahnt, wenn der Copyright-Hinweis nicht zu ihrer Zufriedenheit zu sehen ist.

Ich werde aus den Google-Maps-Nutzungsbedingungen nicht richtig schlau. Muss der Hinweis nur auf dem Screenshot zu sehen sein? Muss da noch irgendwelcher Text darunter auf der Webseite stehen?

Weiß jemand weiter?

Feuer!

Jetzt muss ich mal eben etwas fragen. Zwar wohne ich jetzt seit fast zehn Jahren in NRW, aber das war ja nur in Bielefeld. Das Ruhrgebiet dagegen kenne ich bis heute noch nicht so richtig. Darum stand mir auch der Mund ziemlich weit offen, als ich am Montag nach einem Werkstattbesuch (dazu später mehr) gegen Mitternacht an Oberhausen vorbeifuhr.

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Habt Ihr sowas schon mal gesehen? Erst dachte ich, da brennt eine Halle oder sowas. Der ganze Himmel war erleuchtet. Scheint aber ein Stahlwerk oder so etwas gewesen zu sein. Die vielen Strommasten deuten ja auf eine ausgedehnte Industrieanlage hin. Das Gelände ist direkt westlich neben einer Autobahn – ich habe leider vergessen, welcher.

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Das helle Licht in der Mitte war eine Art Feuerkugel. Flüssiger, glühender Stahl, vermute ich mal. Sorry für die miese Bildqualität – einhändiges Fotografieren auf der Autobahn bei Nacht erfordert halt Kompromisse.

Kann mir jemand sagen, was das war? Ist das dort immer so? Was sagen die Anwohner zu diesem Himmelszauber?

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Gruselig war das.

Neues vom Markt (2)

Kennen Sie das Gefühl, dass unsere Zivilisation zum Untergang verurteilt ist? Dass die Menschheit keine Zukunft mehr hat? Hatte ich jetzt grad wieder. Lag nicht an Klimaerwärmung oder Dieter Bohlen. Es lag an Rührei. Hier ein neuer Beitrag aus der beliebten Serie: „Dinge, die die Welt nicht braucht“.

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Rührei aus dem Tetrapack. Sorry für das schlechte Foto, ich hatte nur die Handy-Kamera dabei.

Ja, sowas gibt’s wirklich. Leider. Und es ist so unglaublich einfach zuzubereiten! Einfach die Verpackung öffnen und in die heiße Pfanne füllen! Nicht so wie dieses furchtbare Rührei aus der Natur, dass man vorher erst umständlich… äh, rühren muss. Überhaupt lassen sich Eier mit Kanten viel leichter stapeln als ihre hühnerbasierten ovalen Vorbilder aus Omas Zeiten.

Unsere Kinder werden glauben, dass Hühner quadratisch sind. Würfeleier und Dieter Bohlen – das ist das Ende. Was wird nach dem Menschen kommen? Die Herrschaft der Insekten? Auch gut. Die legen wenigstens richtige Eier.

Historisches

Im Forum wird gerade gefragt, welche Hinterlassenschaften irgendwelcher Vorbesitzer wir schon in unseren Autos gefunden hätten. Nachdem ich Golfi 2006 vom Hof eines Thüringer Renault-Händlers gekratzt hatte, musste er natürlich für den fälligen ersten TÜV under new Management ordentlich herausgeputzt werden. Dabei kam im unzugänglichen Spalt hinter der Windschutzscheibe dies zum Vorschein:

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Eine nahezu lückenlose Parkhistorie seit 1998. Scheint ein konstruktiver Mangel beim Dreier-Golf zu sein: das ticketfressende Armaturenbrett (vgl. der drachenfressende Baum bei Charlie Brown). Sicher lässt der Schäuble sowas bald allgemein ab Werk einbauen, damit seine potenziell terroristischen Landeskinder ihre Tatfahrzeuge nicht einfach unbemerkt irgendwo hinstellen können. Wo kämen wir hin.

Neues vom Markt

In einer Marktwirtschaft dreht sich alles um Märkte. Wer sich am Markt etablieren will, wird eine Marktanalyse machen, die Absatzmärkte beobachten, er wird die Marktchancen seiner Produkte einschätzen, damit er ihre Marktpreise kalkulieren kann und nicht am Ende einer Marktbereinigung zum Opfer fällt. Ein Faktor aber ist ganz besonders wichtig.

Marktzugang

Der Supermarkt an der Vaalser Straße hat ihn jedenfalls.

Neues von der Straße

Mit neuen Autos habe ich’s ja nicht so. Der Gedanke, 30.000 Euro und mehr für einen VW Golf auszugeben, ist mir fremd. Und für die mindestens 100.000 Euro, die heutzutage ein schicker Sportwagen gerne mal kostet, fallen mir sofort Dutzende sinnvollere Verwendungen ein. Doch gerade habe ich einen Roadster gesehen, den ich – entsprechendes Lottoglück vorausgesetzt – tatsächlich sofort kaufen würde. Das Tollste: Er ist ökologisch korrekt, denn er fährt mit Biogas.

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Wem es so vorkommt, als hätte er ihn schon mal irgendwo gesehen, der hat Recht: Der PGO Cévennes Turbo-CNG zitiert den Klassiker Porsche 356 an jeder Kotflügelkante.

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Doch die wahren Werte des 210 km/h schnellen Roadsters liegen tiefer. Angetrieben wird der 980 Kilo leichte Zweisitzer von einem Motor, der Erd- und Biogas verträgt. Bedeutet: Wird er mit Letzterem betrieben, fährt er völlig CO2-neutral. Seine 150 PS beschleunigen ihn in immerhin 6,5 Sekunden auf 100 Sachen, der Verbrauch soll bei 4,6 Kilo Erdgas (CNG) auf 100 Kilometer liegen. Die Reichweite liegt bei nicht allzu üppigen 450 Kilometern – Gastanks sind halt voluminös.

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Retro an sich ist ja noch keine Leistung. Der gerade vorgestellte Dodge Challenger zum Beispiel ist in meinen Augen ein völlig überflüssiges Monster. Mit seinem 6,1-Liter-V8 mit 425 PS ist er genau die Art von Fortbewegungsmittel, die unser gebeutelter Planet garantiert nicht braucht. Dann schon lieber Tata fahren.

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Doch dieses Schmuckstück hier ist ein anderes Kaliber… ist es nicht schick? Ist es nicht todschick?

Zugegeben: Bis jetzt ist es ist nur eine bildhübsche Studie, die da auf dem Auto-Salon in Genf vom 6. bis 16. März vorgestellt werden soll. Aber der Wagen sei schon recht seriennah, heißt es in einer Presseerklärung des Herstellers. Entworfen haben ihn der französische Kleinserienbauer PGO und der deutsche Gasmotorenspezialist BRA. Der Endpreis soll angeblich bei 48.000 Euro liegen. Vorbestellungen werden schon angenommen.

Zugegeben: Das ist schon eine Stange Geld. Dafür bekäme man auch ein kleines Flugzeug oder ein halbes Häuschen im Grünen. Andererseits fördert man umweltfreundliche Technologie. Man kann sein Geld auch sicher noch deutlich nutzloser versenken als in einen PGO Cévennes.

Zugegeben: Ein eher unfiligran gebauter Klotz wie der Verfasser dieser Zeilen passt wahrscheinlich gar nicht in dieses winzige Schiffchen. Und das Geld hätte er auch nie auf der hohen Kante.

Aber der Gedanke, damit über südfranzösische Landstraßen zu bummeln? So richtig biologisch-dynamisch? Könnte schon reizen. Zugegeben.

[Update am 2. Mai 2013: Die Links auf die Bilder funktionieren immer noch, die Fotos faszinieren nach wie vor. Aber nach Jahren der Urheberrechtsdebatte traue ich mich nicht einmal mehr, alte Pressefotos ins Blog zu stellen. Auf teure Abmahnungen habe ich einfach keinen Bock. Irgendwie schade, das.]

Thekenglück

Heute Morgen, 9.15 Uhr. Schrottplatz Grüner Weg. Verkaufstresen.

„Ich bräuchte für einen Golf III das Gelenk, an dem die Sitzlehnen bei einer geteilt umklappbaren Rückbank in der Mitte befestigt sind. Kann ich mir das irgendwo rausschrauben?“

„Das verkauf ich nicht einzeln.“

9.25 Uhr, Volksagen-Zentrum Trierer Straße. Teiletresen.

„Genau, dieses Ding da in der Mitte zwischen den Lehnen. Können Sie mir sagen, was das kostet?“

„Moment… ja, das liegt bei 7,59 Euro.“

Glück gehabt. Beim Schrotti wäre ich noch bereit gewesen, 10 bis 15 Euro auf den Tisch zu legen.