Neues aus Herzogenrath

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Kein Kinn, kein König. Schon die alten Ägypter wussten, dass für einen Mächtigen der Kiefer wichtiger ist als die Krone. Wie hätte Tut-Ench-Amun ohne seinen markanten Säulenbart ausgesehen? Wie Karl Marx ohne seine proletarisch-kraftvolle Manneszier? Was uns direkt nach Herzogenrath bringt.

Ein Ort, bei dem die Nähe zur Macht schon im Namen – Herzog! – liegt. Ein Ort, der am Sonntag einen neuen Bürgermeister wählte. Zwar ist hierzulande die Zeit vollbärtiger Politiker seit Rudolf Scharping langsaaam vorbei. Doch der Mangel an Gesichtsbehaarung bei Tut-Ench-Amuns Nachfolgern aus dem Öcher Nordkreis wurde von cleveren Wahlkampfmanagern geschickt ausgeglichen.

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Mit kühnem Griff ans Kinn signalisiert der Herausforderer: Vertraut mir, Bürger, auch ich kann Pharao sein! Der dezente Goldschmuck am Ringfinger ergänzt das Bild: Reichtum und fruchtbares Ackerland allen Herzogenrathern, die mich wählen!

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Sein Gegenspieler ist freilich schon einen Schritt weiter. Das Symbol der Machtentfaltung wird hier viel sparsamer eingesetzt: Nur noch zweieinhalb Finger sind im Bild zu sehen. Um so stärkere Signalkraft geht von ihnen aus. Die locker geöffnete linke (!) Hand deutet nicht nur entspannte Souveränität an, sondern auch einen deutlich größeren Bartumfang. Hier präsentiert sich jemand als geborener Herrscher.

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Völlig chancenlos musste in diesem Umfeld die Kandidatin der kleineren Fraktion bleiben. Das konnte nicht klappen. Ein Politiker muss ein Gestrüpp Gespür dafür haben, was das Volk will.

Wahl-Fazit: Der Streit um des Kaisers Bart ist wie erwartet zu Ende gegangen. Der Griff nach der Macht glückt nur mit dem richtigen Griff ans Kinn.

Und: Die Zeit ist noch nicht reif für einen Damenbart auf dem Bürgermeisterthron.

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