Jahresendreparatur

Noch einmal eine große Werkstattaktion zum Saisonabschluss. Diesmal bei Dirk in Eschweiler.

Da das 3,69er-Differential ab etwa 80 km/h arg jaulte, muss es wieder heraus. An seine Stelle kommt nun das kürzlich aus Hamburg geholte, bei Ebay für *schäm* zehn Euro (inklusive Gelenkwellen) ersteigerte Neue hinein.

Nein, ich habe kein schlechtes Gewissen. Schließlich habe ich auch schon einmal Pech mit einem Ebay-Diff gehabt: Vor über einem Jahr habe ich mal eins ersteigert, von dem sich beim Einbau herausstellte, dass es voll mit schwarzem Fett war. Da das nur aus Geräuschminderungsgründen eingefüllt worden sein konnte, habe ich das Teil damals wegwerfen müssen.

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Das neue Differential hat sogar Kühlrippen. Spiel hat es nicht. Und das Öl in seinem Inneren ist hell und sauber. Damit das so bleibt, bekommt es eine magnetische Ablassschraube und vorher ungefähr 1,2 Liter neues 75W90 GL4-Öl eingefüllt.

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Und weiter. Da die Hinterachse bei Bodenwellen klonkt und poltert, werden die Koppelstangen (die Verbindungsstücke des Stabilisators mit der Antriebswelle) durch Neuteile ersetzt.

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Die Dinger kosten bei Mercedes Daimler neu 10 Euro pro Stück. Keine große Investition.

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Der Querträger (an dem das Differential befestigt ist) hat Rost angesetzt – das haben wir schon neulich in Hamburg festgestellt. Dirk beseitigt den Rost mit der Flexbürste und versiegelt das Ganze wieder.

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Dann werden die beiden von Wolfi gekauften Hardyscheiben eingebaut. Ich habe mich nach intensivem Herumfragen doch für normale Viergangscheiben entschieden. Die aufwändigeren (und doppelt so teuren) Fünfgangscheiben mit eingegossenen Weichgummilagern sollen viel schneller verschleißen und bei der Hauptuntersuchung ständig moniert werden. „Die Taxifahrer nehmen auch alle Viergangscheiben“, sagte Holger H.

Vorweg haben wir einen Ölwechsel gemacht, aber nicht irgendeinen Ölwechsel, neinein, einen echten Deluxe-Ölwechsel mit Motorspülung. Altöl raus, frisches Baumarktöl rein (mein Vater hatte noch ein paar uralte 5-Liter-Kanister in der Garage stehen), Liqui Moly Motorspülung reingekippt, eine Viertelstunde laufen lassen, ablassen, neues Baumarktöl drauf, eine Viertelstunde laufen lassen, ablassen, neues Liqui Moly 10W40 MOS2 Leichtlauföl drauf.

Wider Erwarten – wir alle kennen ja die Horrorgeschichten – tötet die Spülung den Motor nicht sofort. Eher im Gegenteil. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber der OM 616 scheint danach ruhiger und gleichmäßiger zu laufen.

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A propos Öl: Die einzige größere Sache, die jetzt noch offen ist (neben diversen Roststellen), ist der undichte Kurbelwellen-Simmerring. Das austretende Öl hat mittlerweile den ganzen Motorraum versaut und eingesprüht. Wirklich unangenehm.

Aber genug geärgert. Auf zur Probefahrt! Siehe da: Es hat sich gelohnt. Schon auf dem mit Schlaglöchern übersäten Hof rumpelt nichts mehr, auf offener Straße kann man ab 40 km/h in den Dritten schalten und beschleunigen, ab 60 (statt bisher 65) in den Vierten gehen. Die dumpfen Poltergeräusche von hinten sind weg, ebenso das Heulen ab 80 Sachen. Ruhig und gleichmäßig beschleunigt der Wagen, alles wirkt wieder harmonisch und straff. Man kann sogar im dritten Gang um Ecken biegen, ohne schalten zu müssen. Für so ein bisschen Gummi eine erstaunliche Wirkung.

Schade nur, dass wir keine Gelegenheit mehr haben, das Vergnügen auf längeren Strecken zu genießen…

Uuuh-uuh-uuh. Die Zukunft.

Wir alle kennen den Intel-Klingelklangel. Oder das Telekom-Dadadadiding. Jetzt haben auch wir Mercedesfahrer ein Jingle, das uns an unsere Marke bindet. Voilá (ganz am Ende):

Wie das Branchenblatt W & V meldet, wurde das von einem englischen Knabenchor produzierte, äh, Geräusch mal probehalber in diesen schon etwas älteren E-Klasse-Spot eingebaut.

So, Freunde, hört sich Zukunft an. Uuh-uuh-uuh.

[via boert im W123-Forum]

Sparen beim Fahren

Am Samstag heißt es mal: Etwas früher aufstehen, denn der NABU Aachen bietet beim VW-Zentrum an der Trierer Straße ein kostenloses Spritspartraining an. Ich hatte mich schon vor einigen Monaten angemeldet. Sowas kostet nämlich normalerweise viel Geld – 70 bis 80 Euro, habe ich gehört.

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Das Training funktioniert wie folgt. Diesen prachtvollen Passat TDi mit hundertpaarenfünfzig PS kutschiere ich im Beisein…

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…dieses freundlichen Herren einmal eine Runde um’s Viertel. Stadtverkehr, ein bisschen Landstraße mit 70 km/h, Gewerbegebiet, Stop & Go. Der Computer an der Windschutzscheibe zeichnet alles auf: Geschwindigkeit, Drehzahl, Verbrauch.

Nach dieser Runde folgt eine zweite, bei der Andre Zaenker – so heißt der freundliche Herr – mir aber ein paar Tipps gibt. Zum Beispiel, nach dem Anrollen im ersten Gang sofort in den zweiten zu schalten. Und beim Ausrollen vor der Ampel den fünften oder sechsten Gang drin zu lassen.

Moderne Autos haben schon ihre Vorteile. Die Funktion der Schubabschaltung ist sogar im Display im Armaturenbrett zu erkennen: „Verbrauch 0,0“ zeigt sie an, wenn man mit eingelegtem Gang rollt. Beim Rollen im Leerlauf werden dagagen noch 0,6 bis 0,8 Liter Diesel eingespritzt. Wird der Wagen bei eingelegtem Gang zu langsam, sorgt die Bordelektronik dafür, dass der Motor irgendwann doch wieder mit Sprit versorgt wird. So läuft der Wagen wie ein Automatikfahrzeug niedertourig von alleine vor sich hin, auch wenn der Fuß nicht auf dem Gaspedal liegt. Im 6. Gang lassen sich etwa 50 km/h halten.

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Am Schluss folgt dann die Auswertung am PC. Dabei werden die beiden Spritverbrauchprofile übereinandergelegt und verglichen. Die jeweils 15 bis 16 Minuten langen Fahrten gingen über eine Distanz von rund 8,9 Kilometern. Die durchschnittliche Drehzahl sank von 1422 U/Min in der zweiten Runde auf 1181 U/Min, der Verbrauch von 6,6 auf 5,94 Liter. Immerhin zehn Prozent, obwohl ich schon in der ersten Runde unter dem Drittelmix gelegen habe, den der Hersteller angibt. Anderthalb Kilo CO2 haben wir jedesmal in die Atmosphäre geblasen.

Schade, dass der Moorbraune keine Schubabschaltung hat (mein gestern angemeldeter Wintergolf müsste dagegen schon eine besitzen). Auf der Rückfahrt nach Hause versuche ich trotzdem, das Coupé mit eingelegtem Gang ausrollen zu lassen und behalte dabei die Druckanzeige im Auge. Tatsächlich geht der Zeiger bei Leerlauf zurück, mit eingelegtem Gang dagegen nicht. Also ist der Verbrauch mit Gang auch bei ihm niedriger. Mal gucken, wie sich dieses Wissen im Alltag einsetzen lässt.

Wenn die neuen Hardyscheiben von Wolfi, die gestern ankamen, etwas taugen, dürfte der Wagen sich demnächst ja auch etwas elastischer und niedertouriger fahren lassen. Das derzeitige Gerumpel hält mich von solchen Experimenten eher ab.

Ab durch die Mitte

Das Ende der Saison zeichnet sich ab: Noch sechs Tage, bis das Saisonkennzeichen abgelaufen ist. Bei Dirk Q. in Eschweiler plane ich die letzten Reparaturen (Ölwechsel, Differenzial-Wechsel, Rostbeseitigung, neue Koppelstangen am Stabilisator hinten). Er ist übrigens lustigerweise gerade dabei, den gelben 230.4 aus Limbourg (siehe Beitrag unten) mit Gurten auf der Rückbank nachzurüsten, als ich bei ihm ankomme.

Glänzen tut mein Brauner jetzt auch wieder. Die letzten Reste der über das Auto gespuckten Mahlzeit (das war immerhin schon am 12. September!), auch nach zwei Waschanlagen-Besuchen noch sichtbar, beseitige ich in mehrstündiger Arbeit mit Polierwatte, Nigrin und Fingernägeln. Und zwar im Parkdeck von Kaufland, dem einzigen Ort, wo’s nach Feierabend noch Licht gibt. Vor der eigenen Haustür mag ich das nicht machen, die Ostviertel-Kids klauen mir bestimmt die Küchenkrepprolle vom Kofferraumdeckel, sobald ich weggucke.

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Mit dem frisch polierten Wagen düse ich nach Namur, wo ein Treffen des Sprachwettbewerbs der Talenacademie Maastricht stattfindet. Es geht um einen dreisprachigen Schülerwettbewerb mehrerer Tageszeitungen aus der Euregio. Auf der Rückfahrt beneide ich wieder die Belgier um ihre Autobahnbeleuchtung. Um die Fahrbahndecke allerdings nicht, die ist absolut grauenhaft. Der Benz springt über Schlaglöcher und Bruchkanten im Asphalt, dass man sich einen Geländewagen wünschen würde. Auf einem Abschnitt in der Nähe des Flughafens Lüttich bringt die Straßendecke die Reifen so zum Heulen, dass ich – ungelogen – den Himmel nach einem landenden Flieger absuche.

Neues aus der Hölle

Batterien_800Todsünde, die: besonders schwere Sünde in der kath. Glaubenslehre (peccatum mortiferum)

Sieben Todsünden gibt es. Hochmut. Neid. Zorn. Völlerei. Trägheit. Wollust (von der ich als Kind dachte, sie habe etwas mit Pullovern zu tun). Und Geiz. Der ist besonders schlimm. Geiz geht gar nicht. Manchmal bestraft er sich allerdings selbst. So wie am Samstag.

Was man nicht im Kopf hat, muss man bekanntlich mit anderen Mitteln ausgleichen. Wer zum Beispiel auf dem jüngsten Konzert der Womanizers im Irish Pub „Wild Rover“ Fotos machen wollte und zwar an seine neue Pocketkamera gedacht hatte, nicht aber an frische Batterien, dem standen zwei Möglichkeiten offen. Er konnte das Defizit an Denkleistung mit Muskelkraft ausgleichen und sich nochmal nach Hause bewegen. Wo im Ladegerät zwei frische 1,5-Volt-Akkus mit der beeindruckenden Abgabeleistung von 2800 Milliamperestunden vor sich hinblinkten.

Die andere Möglichkeit bestand darin, sich flugs in den deutlich näher gelegenen nächsten Elektronikmarkt zu begeben (nicht der mit der geilen Geizwerbung, sondern der andere) und dort neuen Strom zu kaufen. Natürlich in Form von wiederaufladbaren Akkus, man ist ja kein Umweltschwein.

Doch holla, was sind die Dinger heutzutage teuer. Die Spitzenmodelle kosteten im Viererpack, wenn mich mein Gedächtnis im nachhinein nicht trügt, rund 25 Euro. Einwegbatterien sind zwar Umweltgift, aber, nun ja… ein Zehnerpack lag nur bei sechs Euro paarundfuffzich. Man muss sie ja nicht sinnlos in der Kamera verheizen, beruhigte ich das über meiner linken Schulter schwebende Gewissens-Engelchen. Wir machen nur ein paar Bildchen und lassen sie dann langfristig und nachhaltig von Wanduhren und Fernbedienungen leerzutzeln.

Aber was war das? Es ging sogar noch billiger! Eine Stange No-Name-Energiespender sollte nur läppische anderthalb Euro kosten, wohlgemerkt ebenfalls ein Zehnerpack. „Wenn jede von denen bloß fünf Bilder lang durchhält, reicht’s ja“, dachte ich, und der Knauser-Teufel auf meiner rechten Schulter nickte eifrig. Also auf damit zu Musik und Murphy’s. Das leise Schluchzen des Engelchens überhörte ich.

Fünf Bilder? Schön wär’s gewesen. Oder sehen Sie hier irgendwo Konzertfotos? Ob es an den Batterien lag, an der Kamera, am verdunsteten Stout-Bier in der Luft oder den rockigen Rythmen (die Womanizers sind überaus hörenswert, das sage ich nicht nur, weil da ein guter Freund von mir mitspielt) (und ich hoffe, der Presserat lässt mir diese werbliche Aussage als Meinungsäußerung durchgehen). Die Kraft jeder Batterie genügte gerade nur, das Objektiv auszufahren. Dann ging die Kamera wieder aus. Über meine Reaktion schreibe ich lieber nichts, Zorn ist ja auch eine Todsünde.

Wie schon seit einigen Monaten zu lesen ist, will die Elektromarktkette Saturn ihre „Geiz ist Geil“-Kampagne beenden. Übermorgen ist es soweit: „Wir lieben Lebensmitt Technik! Wir hassen teuer!“ soll es ab dem 24. Oktober heißen. „Heute geht es um Werte statt um Preise“, meinte der Shop-Chef.

Recht hat er, sage ich, reuevoll auf den Pfad der Tugend zurückgekehrt. Werte, das ist es, was wir brauchen. Am besten welche zum Wiederaufladen. Hat jemand ein Taschentuch für meinen Gewissens-Engel?

Neues aus dem Amt

Kfz-Stelle_75b_800Mit Behörden ist es ja wie mit lebenswichtigen Organen. Ohne sie geht es nicht. Schon klar. Aber am glücklichsten ist man doch, wenn man von ihrem Funktionieren möglichst wenig mitbekommt. Muss man sich doch einmal intensiver mit ihnen beschäftigen, ist die Frage nur: Wie unangenehm wird’s diesmal?

„Mein Verhältnis zu Behörden war nicht immer ungetrübt…“ begann vor vielen Jahren Reinhard Meys Lied vom Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars. Zu Recht konnte damals praktisch jeder Radiohörer im Lande mitträllern. Bürger und Behörde, das ist wie Frikadelle und Fahrrad, wie Wanderdüne und Webcam, das kann nicht miteinander, das passt nicht.

Wo war ich? Ach ja, auf der Kfz-Zulassungsstelle der Stadt Aachen. Ich muss vorwegschieben, dass einige der unangenehmeren Erinnerungen an meine letzte Heimat Bielefeld um die dortige Zulassungsstelle kreisen. Drei Stunden Wartezeit waren Regel, nicht Ausnahme. Meist radelte ich auf dem Weg zur Arbeit kurz dort vorbei, zog einen Wartebon, fuhr weiter ins Büro und rief alle halbe Stunde an, wieviele Dutzend Nummern noch vor mir dran waren. Ungelogen.

Wer nämlich nicht nur brav jahrein, jahraus denselben Wagen fährt, sondern sich mit einem Sommer- und einem Winterauto plus Motorrad durch’s Jahr hangelt, der kennt bei solchen Wartezeiten für jede einzelne An- und Abmeldung irgendwann jede Fliese auf dem Boden. Jedes Bild an der Wand, besonders dieses dämliche mit dem unfallzerknautschen Mercedes 300SL.

Mit entsprechend überschaubarer Vorfreude hatte ich mich im Frühjahr zum ersten Mal aufgemacht, das erste meiner Vehikel nach Aachen umzumelden. „Ich komm morgen später“, warnte ich am Tag vorher die Kollegen in der Redaktion. Am nächsten Tag piepte der Wecker denn auch extra früh. Das große Erlebnis begann damit, dass die Zulassungsstelle nicht bequem in der Stadt liegt, sondern draußen auf der grünen Wiese, was sag ich: dem grünen Hügel, am Rande des Gewerbegebiets Würselen. Was, Sie haben kein Auto, um Ihr Auto anzumelden? Dann sehen Sie mal zu, wie Sie zu uns hochkommen.

Erst einmal vor Ort allerdings: hui! Riesenparkplatz hinterm Haus, Nummer ziehen, hinsetzen und sofort dran sein. Oder auch: Gar nicht warten, Ummeldung gleich am Schnellschalter erledigen. Fünfmal war ich schon da, zuletzt am vergangenen Freitag, und nie hat es länger als zehn, fünfzehn Minuten gedauert. Beim ersten Mal hatte das zur Folge, dass ich danach nochmal nach Hause fahren und den unterbrochenen Morgenschlaf fortsetzen konnte. Ein geradezu unfassbar schneller und angenehmer Vorgang.

Hätte Reinhard Mey das geahnt. Manchmal ist es mit Behörden auch wie mit einem dieser Extra-Big-Burger im XXXL-Menü mit dreimal Fleisch und viermal Käse. Erst glaubt man, mit diesem Monster wird man nie fertig. Und eine Stunde später könnte man glatt schon wieder.

Neues aus dem Wald

Schuhe_311Im Wald, da sind die Räuber, bekamen Kinder zu Urgroßvaters Zeiten warnend eingetrichtert. Dunkel und gefährlich ist’s unter den Bäumen, kein vernünftiger Mensch wagte sich freiwillig in das Reich der Wölfe und Bären. Früher. Heute tragen die Bären niedliche Namen wie Bruno oder Knut und haben ihr Revier geräumt für andere wilde Geschöpfe. Zum Beispiel den Waldläufer. Es folgt etwas Werbung für eine Betätigung, die man aus tiefstem Herzen liebt oder hasst.

Jogger, das sind diese Irren, die ohne Ziel und ohne Zeitabnahme durch friedliche Grünanlagen hetzen. Deren Japsen die Tauben aufflattern lässt und deren verstöpselte Ohren das Klingeln der Radfahrer nie hören. Sagen die einen. Für die andere Hälfte der Menschheit ist Laufen die wunderbarste Bewegung der Welt, ideale Fettverbrennung und innere Einkehr inbegriffen.

Sie meinen, für Sie ist das nichts? Vor Jahren mal probiert und nach ein paar hundert Metern hustend und mit peinvollem Seitenstechen zusammengeklappt? Das heißt gar nichts. Passiert jedem am Anfang. Es braucht eine Weile, bis sich der Körper an das gesteigerte Bewegungstempo gewöhnt hat. Einfach mal ein paar Runden flott gewalkt, in der zweiten Stufe mal längere Laufpassagen reingeschoben, dann geht es. Dauert nicht lange.

Parkplatz_01_800Und was für ein Glück wir haben. Der Aachener Stadtwald ist nämlich die perfekte Trainingsbahn. Wir stellen unseren Wagen am Wanderpilz ab, dehnen noch ein wenig die vom Bürotag verhärtete Beinmuskulatur…

Weg_08_800…und dann los. Die ersten Schritte sind noch etwas staksig. Aber schön ist es hier: Das Sonnenlicht bricht sich in den gelben und roten Blättern. Mücken tanzen in der Luft. Abgefallenes Laub raschelt unter den Sohlen. Der anfangs schnurgerade Weg wird schnell abwechslungsreicher.

Matsch_13_800Stellenweise sogar etwas zu abwechslungsreich. Was jetzt: Mit einem kühnen Sprung über den Matsch setzen oder künstlerisch am Schlamm vorbeitänzeln? Hauptsache, nicht aus dem Rythmus geraten.

Steigung_23_800Erst recht nicht bei Steigungen wie dieser. So etwas strengt an. Aber ein Hürdenlauf macht ohne Hürden ja auch keinen Spaß.

Schatten_27_800Wer mag, kann per MP3-Player die Außenwelt auf optische Eindrücke reduzieren. Vogelzwitschern hat zwar seinen Reiz, aber wer im Innenohr Chris Rea La Passione rauchen hört, versinkt schneller in eine Art angenehme Trance. Der Körper hat sein Tempo gefunden, Glückshormone schwappen fröhlich durch die Blutbahn, und die Beine bewegen sich wie von selbst.

Fuss_28_800Allzu meditatives Dahintraben hat allerdings auch Nachteile. Wir Zweibeiner sind nämlich nicht allein hier.

Haufen_34_800Also schön die Äuglein aufgelassen und den Blick auf den Weg gerichtet. Der ist manchmal nämlich ganz schön holprig.

Steine_40_800Wer hat nur die Idee gehabt, mitten in der Wildnis Pflastersteine zu verlegen? Römer? Räuber?

Strasse_41_800Wer auch immer sie waren: Ihre Nachfahren waren gründlicher. Über die Monschauer Straße rennt man nicht so einfach, ohne nach links und rechts zu gucken. Jedenfalls nicht um diese Zeit, am frühen Abend.

Dunkel_53_800Noch eine letzte Schleife, dann geht es zurück zum Parkplatz. Die Sonne ist längst weg, die Dämmerung hat eingesetzt. Das ist der Nachteil am Herbst: Es wird inzwischen schon so früh dunkel, dass man ein Problem hat, nach Feierabend noch im Hellen seine Runde zu Ende zu bringen. Aber wir haben’s grade noch geschafft. Falls es hier doch noch einen übriggebliebenen Bären gibt.

Waren wir wirklich eine Stunde unterwegs? Ging ja fast wie von selbst. Sagten Sie nicht, das wäre nichts für Sie?

Morgen wieder?

Neues aus der Apotheke

Da liegt er vor mir, und er ist schön. Eine Frau hat ihn mir geschenkt. Ein Kugelschreiber, mit schicken Chrom-Applikationen und aus transparent-grünem Kunststoff. Die Frau war Apothekerin, und der Stift ist ein Werbegeschenk zur Eröffnung der neuen Filiale, in der ich gerade war. So hübsch er ist, er verunsichert mich.

Journalisten denken nicht oft über Kugelschreiber nach. Die Dinger kommen halt und gehen. Auf jedem zweiten Pressetermin bekommt man einen neuen in die Hand gedrückt, oft zusammen mit einem Schreibblock, der das Firmenlogo des Gesprächpartners trägt. Es sind flüchtige, allzu flüchtige Beziehungen, die wir zu unseren Schreibgeräten haben. Man arbeitet eine Weile zusammen, dann trennen sich die Wege. Im Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams gibt es einen Planeten, auf den herrenlose Kugelschreiber verschwinden. Das wäre eine Erklärung, warum es zwischen Mensch und Kuli keine Treue gibt.

Espumisan_46_800Dieser hier ist aber noch da. Er schimmert im Licht der Schreibtischlampe. Was mich ins Grübeln gebracht hat, ist der Werbeaufdruck. „Espumisan“ steht drauf, mit einem ® dahinter. Ich würde ihn ja gerne mit ins Büro nehmen, den grünen Gehilfen. Aber er wirbt offenbar für ein medizinisches Produkt. Was, wenn es etwas ist, das Patienten in der Apotheke nur im Flüsterton zu verlangen wagen? Das man an Stellen aufträgt, die nie das Licht der Sonne sehen? Etwas, das gegen Pilzbefall und Parasiten wirkt?

Was steckt hinter Espumisan®?

Wie gut, dass es Google gibt. (Ich hätte den Stift auch einfach umdrehen können, denn auf der Rückseite steht praktischerweise www.espumisan.de, aber das habe ich erst später investigativ herausgefunden.)

Nun ist die Unsicherheit vorbei. Und meine Liste der schönsten Werbesprüche aller Zeiten (angeführt von dem der Lloyd-Werft Bremerhaven, erinnern Sie sich?), ist am unteren Ende um ein Exemplar länger:

Espumisan_Screenshot_800Der Stift kommt nicht mit ins Büro.

Neues aus Belgien

Plakette_78_800Geplant war eine fröhliche kleine Tagestour durchs belgische Grenzland. Ein wenig die Umgebung kennenlernen. Über malerische Dorfplätze bummeln, irgendwo freundliche Fritten futtern, das unverhofft perfekte Sonntagswetter ausnutzen, wer weiß schließlich, ob’s dieses Jahr nochmal so einen schönen Tag gibt. Kurz: leichter Zeitvertreib stand auf dem Programm. Geendet hat es etwas anders. Und wer war schuld? Die Amerikaner.

Zuerst lief alles wie gewollt. Zum Beispiel nach Limbourg, wo nicht nur dieser Strichachter zu begucken war.

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Jahrhundertelang hat es auf seinem Hügel abgeschieden vor sich hin gedämmert. Vom Ehrgeiz moderner Architekten und der Geltungssucht von Geldinstituten verschont, hat sich hier ohne einen einzigen Neubau eine Art belgisches Gegenstück zu einem toskanischen Bergdorf erhalten.

Limbourg_058_800Bezaubernd. Gut, wenn sie jetzt noch die Autos verbannen würden… aber man kann ja nicht alles haben.

Oder Verviers. Zugegeben, etwas weniger malerisch, und es war auch nicht zu verstehen, was die vier Jugendlichen in ihrem VW Polo der Welt durchs Megaphon mitteilen wollten, die da ununterbrochen um den Stadtkern kurvten. Aber was für Schilder!

Kreisel_068_800Wahre Kunst, auch wenn der Sinn genausowenig zu verstehen war wie der des Gebrülls aus dem Lautsprecher.

Angenehm auch Val Dieu.

Val-Dieu_070_800Das alte Zisterzienserkloster südwestlich von Aubel ist für einen Sonntagsausflug durchaus eine Empfehlung – leider sind ihr gestern unzählige Touristen gefolgt. Leider, weil die Mönche des 18. Jahrhunderts beim Anlegen der Parkplätze die heutige Motorisierungsdichte der Mitteleuropäer völlig falsch eingeschätzt hatten. Also wieder raus aus dem Gewühl und gut gelaunt weiter.

Und dann war da Heinri-Chapelle.

Es war kein geplanter Besuch. Ich hatte keine Ahnung, dass der größte amerikanische Soldatenfriedhof Belgiens auf dem Weg zwischen Lüttich und Aachen liegt. Plötzlich standen da links und rechts der Landstraße zwei Steinsäulen, und aus schlichter Neugier bog ich auf den Parkplatz ein.

Das Dreiländereck ist voll mit Erinnerungen an die beiden Weltkriege. Eigentlich schwebte mir vor, die bewegte Geschichte meiner neuen Heimat einmal in lockerer Form hier im Blog aufzubereiten. Nicht respektlos, aber so, dass es vielleicht auch jemand lesen mag, der jünger ist als 50 und nicht Geschichte studiert hat.

Aber ich bezweifle, dass das funktionieren würde. Ein Friedhof eignet sich nicht für lockere Formen. Schon beim Gang durch die Kolonnaden am Eingang ändert sich die Stimmung.

Henri-Bau_077_800Den Erzengel auf seiner Säule, der anschließend die Besucher begrüßt, kann man pathetisch finden. Aber man muss zugeben, dass die Architekten die Sache mit dem Pathos ziemlich gut hingekriegt haben.

Henri-Engel_080_800Spätestens das Gräberfeld dahinter macht stumm. Hier liegen knapp 8000 amerikanische Soldaten, die in der Endphase des Zweiten Weltkriegs fielen. Die meisten starben bei der so genannten Ardennenoffensive im November und Dezember 1944, dem letzten größeren deutschen Gegenangriff an der Westfront.

Henri-Kreuze2_085_8008000 Kreuze und Davidsterne aus weißem Marmor. Für alle Dienstgrade vom Gefreiten bis zum General. Reihe um Reihe. In mehr als 30 Gräbern ruhen zwei Brüder nebeneinander, einmal sogar drei. Sie alle liegen da, weil 1933, als im großen Nachbarland gewählt wurde, zu viele Leute ihr Kreuz an der falschen Stelle gemacht haben. Das Nachbarland fiel Mördern und Monstern in die Hände, und als sie besiegt waren, war Europa mit solchen Gräberfeldern übersät.

Gute 60 Jahre, nachdem Hitlers letzte Panzer hier im Schnee zum Stehen gebracht wurden, können Einwohner des großen Nachbarlandes in dieser Gegend wieder Sonntagsausflüge unternehmen. Abteien besichtigen. Fritten essen. Witze vor Verkehrsschildern machen. Und sie müssen beim Zubettgehen auch nicht fürchten, dass ihnen morgens die Gestapo die Tür eintritt, weil irgendein Nachbar sie wegen verbotenen Grenzübertritts angeschwärzt hat.

Heinri-Blick_097_800Man wird ein bisschen nachdenklich, da oben auf dem Friedhof von Henri-Chapelle. Der Blick reicht weit ins Land hinein. Ein freundliches und freies Land.

Dass es so ist, verdankt es mutigen Menschen. In der Abendsonne leuchten 8000 weiße Kreuze, die an sie erinnern.