On the road again… and off

Nachdem mich der bedauernswerte Kadett Mitte März 1998 verlassen hat, muss der Moorbraune wieder ran. Am 27. März erfolgt die TÜV-Vollabnahme (die Frist war erst ein paar Tage vorher abgelaufen). Ein paar Kleinigkeiten sind fällig. Die „erheblichen Mängel“ sind bei näherem Hingucken allerdings nicht wirklich dramatisch: Abblendlicht, Fernlicht, AHK-Steckdose, Rost vorne (wahrscheinlich am Lufteinlass an den Kotflügeln unter der Stoßstange), Auspuff lose.

Die Sache hat sogar ihr Gutes: Mir fällt auf, dass die Auspuff-Haltegummis total im Eimer sind. Zwei fehlen ganz, einer ist bereits durchgerissen, der letzte schon sehr ausgefasert. Ganz vorsichtig schleiche ich zur Mercedes-Werkstatt und lasse gleich vor Ort alle erneuern – was erstaunlicherweise nur 18,- DM kostet. Die Investition sollte schon in fünf Monaten lohnen…

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Nachdem der Wagen die TÜV-Wiedervorführung anstandslos überstanden hat, wird er am 9. April endlich wieder voll angemeldet (mit etwa 253.200 km). Er heißt jetzt OS-RX 71 und läuft erstmals auf Saisonkennzeichen. Nur so ist die mörderische Dieselstrafsteuer halbwegs zu ertragen.

Ein neuer Brief wird ausgestellt, vom alten bleibt mir nur eine Kopie. Schade!

8. Juni: Es ist mal wieder Zeit für einen Blitz! In Bramsche-Kalkriese auf der Landstraße rassele ich mit 90 km/h in eine Falle, wo 70 erlaubt sind. Mit 60,- DM sind wir dabei; für diesen Preis ist das Foto leider sehr klein:

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Der Anlass war, glaube ich, die Präsentation von „Osnabrück InterAktiv“ bei einer Veranstaltung der Handwerkskammer im Besucherzentrum Kalkriese. Dreimal sind wir vom Kreativhaus aus dahin gefahren und haben Computer, Monitore und sonstiges Material hineingeschleppt – beim dritten Mal stand dann die Blitze an der Straße. Wer ahnt sowas.

Im Sommer wird das Colorglas eingebaut, vorne eine schöne Frontscheibe mit Grünkeil.

Ab Juli ziehe ich von Osnabrück nach Bielefeld, wo ich seit dem 1.7. arbeite. Der Benz zieht die Anhänger. Es ist ja nicht sein erster Umzug…

Am 7. August ist bei 263.000 km mal wieder ein neuer Stern fällig. Osnabrück ist also auch nicht sicherer als Glasgow

Ein paar Tage darauf: Der zweite Unfall: Auf einer Landstraße zwischen Dinklage und Holdorf (hinter Badbergen links) lande ich im Graben.

Ich bin auf der Rückfahrt von Oldenburg nach Bielefeld zur Arbeit. Beim Jagen eines Fünfer-BMWs gerate ich in einer Linkskurve rechts auf den Schotter am Straßenrand, der Wagen bricht nach links aus und pirouettiert mehrfach über die ganze Fahrbahn. Es ist ein furchtbares Erlebnis: 1,4 Tonnen Stahl machen, was sie wollen, und ich hilflos mittendrin – ein Scheißgefühl! „Alles aus“, denke ich, und der Wagen schlägt die Böschung runter.

War’s das jetzt? Ich klettere heraus. Dramatisch ragt das Heck auf die Straße hoch. Wie ein untergegangenes Schiff sieht der Wagen aus.

Was nun passiert, ist ein wenig gespenstisch.

Am nahegelegenen Bauernhof, wo ich um Hilfe klingele, öffnet mir eine Frau im Rollstuhl. In dem sitzt sie, wie sie mir erzählt, seit sie mit ihrem Wagen von der Straße abgekommen ist wegen eines illegalen Autorennens oder rücksichtslosen Überholens.

Sie klingelt einen Nachbarsjungen mit einem Schlepper herbei, der Benni aus dem Graben pullt (wofür ich ihm all mein Bargeld in die Hand, 70 Mark oder so). Der Junge erzählt mir, dass er erst vor ein paar Tagen seinen Wagen geschrottet hat, weil er auf der Landstraße eine Kurve nicht gekriegt hat.

Ich rufe meinen Chef an, um ihm zu sagen, dass etwas später wird. Er erzählt mir, dass unserem gemeinsamen Bekannten Martin P. am Wochenende was ganz Ähnliches passiert ist. Auf dem Weg von Bielefeld nach Osnabrück sei ein entgegenkommender Wagen ins Schleudern geraten und in das Auto hinter Martin gekracht. Es habe einen oder zwei Tote gegeben, Martin habe noch beim Aufräumen geholfen. Es soll nicht schön gewesen sein.

Ist das nicht unheimlich?

Die ersten drei Leute, die ich nach meinem Ausflug treffe, erzählen mir von Fällen, in denen es viel, viel schlimmer ausgegangen ist (Querschnittslähmung, Tod, Totalschaden). Ich glaube ja nicht an Zeichen, aber eins weiß ich: Ich habe unglaubliches Glück gehabt.

Unfassbar ist: Das Coupé scheint nicht mal Blechschäden abgekriegt zu haben! Nur zwischen einer Felge und ihrem Reifen klemmt Gras. Auch im Kofferraum finde ich später noch Halme…

Nachspiel:

Am 10. August (262.900 km): Auf der A 1 irgendwo in der Nähe der Dammer Berge ist ein bulgarischer LKW beim Überholen unglaublich laut und lichthupt auch noch, als ich an ihm vorbei bin. Ich schaue in den Rückspiegel: ein Funkenregen hinterm Wagen. Das Auspuff-Mittelrohr ist durchgebrochen! Der Auspuff schleift mit mehr als 100 Sachen über den Asphalt. Gut, dass ich erst vor viereinhalb Monaten die vier Haltegummis montiert habe. Und dass sie halten. Der ADAC kommt. Der Gelbe Engel schraubt ein provisorisches Halteblech drum. Wir können die Fahrt fortsetzen.

Am 1. Oktober wird der Wagen offiziell nach Bielefeld umgemeldet. Jetzt heißt er BI-YJ 727. Am 22. Oktober ist die Saison aber zu Ende. Winterpause!

Motorschaden, Motorglück

Nur ein gutes Jahr nach dem Getriebeschaden vom Dezember 1995 ist auch der 1995 von K. eingebaute Motor „fällig“. Noch am 4. Januar hatte er von ihm neue Stabglühkerzen eingebaut bekommen. Jetzt, gegen 8 Uhr am Morgen des Sonntag, 16. Februar, platzt bei Kilometerstand 252.700 auf der Fahrt zum zweiten Tag eines IG-Medien-Seminar in Lage/Hörste auf der A 30 bei Natbergen der Motor. Ein Abschleppwagen von Flatau (mit dieser Firma habe ich viele Jahre später noch einmal Kontakt aus demselben Anlass, aber in einem anderen Auto) bringt den Wagen heim.

Ich habe die Schnauze voll von diesem Wrack! Am 24. Februar kaufe ich mir bei Opel Schiermeier einen Opel Kadett, Sondermodell „Snow“. Endlich mal ein Auto, um das man sich nie Sorgen machen muss! Und flott ist er mit seinen 60 PS auch noch! Er wird mich ziemlich genau ein Jahr lang durch die Lande und im September sogar nach Italien kutschieren… bis Mitte März 1998 ein unachtsamer Golffahrer am Haarmannsbrunnen in Osnabrück beim Abbiegen die Kurve nicht ganz kriegt und dem an der Ampel wartenden Opel in die A-Säule knallt. Totalschaden. Vielleicht rettet der Kadett auf diese Weise ja dem Coupé das Leben?

Doch zurück ins Jahr 97. Während ich vier Jahre nach dem Abschied vom roten Corsaren wieder zum Opelaner geworden bin, wird in aller Ruhe der Benz wieder flottgemacht.

Gebrauchtmotoren sind teuer. Gebrauchtautos sind billig. Am 30. Juli kaufe bei einem Herrn D. aus Lotte einen 1979er 240 D in einem eigenartigen Grüngrau. Der Wagen ist ziemlich „auf“ – außer der Motorhaube ist kein Blechteil mehr zu gebrauchen.

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Aber er hatte 1991 einen Austauschmotor bekommen, der wohl erst 93.000 km gelaufen hat. Dieser Motor ist ein Traum: Springt sofort an, schnurrt wie ein Uhrwerk (was für ein Unterschied zu der alten Schüttelmöhre!) und zieht schier unglaublich. Bei einer kleinen Probefahrt sind wir auf der Autobahn im Nu auf 160 Sachen.

D. will 1.000 Mark, ich schlage ohne Feilschen zu! Die zwei, drei Tage, die das nach einem Kauf legal möglich ist, kurve ich mit dem kreuzbraven Viertürer durch Osnabrück.

So ein elektrisches Schiebedach ist doch eine feine Sache. Am Ende muss der Wagen auf seiner letzten Fahrt mein Coupé zu Siggi H. schleppen. Dort wird er dann filettiert. Schade eigentlich. Das Herz wird verpflanzt.

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Am 5. August ist die Organtransplantation abgeschlossen. Die erste Probefahrt mit der neuen Maschine wird gemacht: Der Motor läuft so herrlich rund wie sein Vorgänger schlecht. Ein BMW-Cabrio(!)-Fahrer starrt uns an der Ampel hinterher. Wir sind wieder wer!

Zum glücklichen Abschluss dieses durchwachsenen Jahres gibt es noch ein paar Neuteile: Ende August kaufe ich bei W(alter ?) P. in Lotte einen Satz Colorglas (hinten und Seiten) für 200,- DM. Ihm verdanke ich übrigens den Kontakt zu Siggi H., der seitdem den Braunen in persönlicher Pflege hat. P. fährt selber ebenfalls einen 240CD, allerdings eine Erstserie, mit pergamentweißer Innenausstattung in der typischen Krokoleder-Optik. Meiner ist schöner.

Bei der Autoverwertung Ostendorf in Bramsche ergattere ich aus einem geschrotteten Coupé eine Heck-Stoßstange, ein paar Fenstergummis und Heckleuchten-Chrom – für insgesamt 20,- DM!
Beim zweiten Mal kaufe ich aus demselben Wagen noch vier Fensterheber, die Mittelkonsole und die komplette Lederausstattung in Dattel, ebenfalls für 200 DM oder so. Schade, dass das Leder nie eingebaut wird. Die Sitze und Seitenverkleidungen blieben 1998 im Keller des Kreativhauses liegen, als ich nach Bielefeld ziehe.

Rasendes Reporterfahrzeug

Das neue Jahr 1996 beginnt mit einer fetten Rechnung: 1.160 Mark nimmt K. für die Reparatur des Getriebes, das er mir erst ein gutes halbes Jahr vorher eingebaut hatte. Sogar für das Abschleppen darf ich ihm 100 Mark bezahlen. Einziger Lichtblick ist die neue Mittelarmlehne für 120 Mark. Damit macht das Cruisen erst so richtig Spaß.

Es wird langsam Zeit, sich nach einer anderen Werkstatt umzusehen. Am 20. Februar (bei 232.500 km) lasse ich bei Manni B., einem Bekannten, erstmals einen Kompressionstest machen:

1. Zyl. 22 bar
2. Zyl. 28 bar
3. Zyl. 25 bar
4. Zyl. 27 bar

Das sind keine überragenden Werte…

Dennoch bringt der Wagen mich und meine Minolta Dynax täglich zu Zeitungsterminen im ganzen Osnabrücker Land. Am 19. März (235.300 km) kommt es zu einem Einsatz, den ich nicht vergessen werde. Mit dem Umweltbeauftragten der Gemeinde Lotte fahre ich zu einem entlegenen Steinbruch, in dem ein totes Pony gemeldet wurde. Da der Kadaver von oben nicht gut zu sehen ist, fahren wir über eine Art Zugangsrampe in die ausgedehnte Grube hinein. (Um das tote Tier zu fotografieren, müssen wir dann allerdings doch fast wieder bis ganz nach oben kraxeln.)

Als das Foto im Kasten ist, kommt das Dicke Ende: Am Fuß der Rampe ist der Boden so matschig, dass der Benz sich im Schlamm festwühlt. Mt Müh und Not bekomme ich den Wagen wieder auf festen Grund zurück. Wir sitzen in der Falle. Was tun?

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Gottseidank liegt am Boden der Grube jede Menge Gerümpel. Aus weggeworfenen Wandpaneelen des Typs Kneipenausstattung in Eiche rustikal und blauen Plastikpaletten legen wir eine Art Sprungschanze über den Matsch. Dann nehme ich so viel Anlauf wie es geht, bringe den Diesel auf Maximaldrehzahl und lasse die Kupplung kommen…

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Röhrend rast der Braune auf die Rampe, es kracht und splittert, dass ich um Unterboden und Ölwanne fürchte. Mit letztem Schwung erreichen wir das rettende Ufer.

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Von der Rampe bleiben nur noch Trümmer und Splitter übrig.

19. Oktober: Blitz!

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Auf der Wersener Straße stadteinwärts, 15.34 Uhr, 64 km/h, Beweismittel: Traffipax Speedophot (wer denkt sich eigentlich diese Namen aus?). 50,- DM.

24. Oktober (248.800 km): Mein erster Unfall. Auf der Rückfahrt von einem NOZ-Termin in Bad Laer übersehe ich im Dunkeln an einer Kreuzung in Osnabrück eine vorfahrtberechtigte Motorradfahrerin. Sie erwischt mit ihrem Seitenkoffer meine hintere Stoßstange und stürzt – gottseidank wird sie nicht verletzt.

Die Sache hinterlässt bei mir einen bleibenden Schock. Mein Fahrverhalten ändert sich danach völlig: Defensiv ist von nun an Trumpf, gerade an Kreuzungen.

Zu langsam, zu schnell

26. September: Blitz! Der Diesel ist zwar eher lahm, aber es reicht immer noch, um gelegentlich zu schnell zu sein.

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In Wuppertal-Elberfeld, Steinbeck 66, werde ich mit 67 km/h geblitzt, den linken Arm wie immer locker aufgelegt. Mit 50,- DM eine nette Erinnerung.

Als das Jahr zu Ende geht, werfen Dinge ihre Schatten voraus, die in der Zukunft noch bedeutsam werden:

Vermehrt wird Biodiesel getankt. Inwieweit der aggressive Kraftstoff zum frühen Tod des ersten Dieselmotors beiträgt, bleibt offen. Aber das Thema Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen wird zehn Jahre später wieder überaus aktuell.

Am 29. November ist dann die erste Kfz-Steuer für den Diesel fällig: 495,- DM. Da der Wagen als Eigenbau eingestuft und entsprechend brutal besteuert wird, wird mir der Spaß am Fahren mit dem billigeren Sprit nachhaltig verleidet. Wollten wir… nicht… Geld… sparen…?

Und am 15. Dezember gibt es dann bei rund 230.000 km den ersten Getriebeschaden. Und damit geht das Schicksalsjahr 1995 zu Ende.

Mit dem Diesel nach Schottland

Nun sind wir also Selbstzünderpiloten. Der altertümliche Motor mit seinem schmuddeligen silbernen Kopf, dem lauten Nageln und heftigem Schütteln im Leerlauf kommt mir nach dem modernen, durchzugsstarken M102 mit seinem schicken schwarzen Zylinderkopf furchtbar primitiv vor.

Die traurige 160-Kilometer-Skala des neuen Tachos (der gar nicht in den Wagen gehört hätte, da ja das alte 3,58er-Differential dringeblieben ist) macht unmissverständlich klar, dass wir nun in einer anderen Liga spielen. Wobei es die Nadel nicht mal auf 140 schafft. Gut, möglicherweise stammt der Tacho von einem 200D mit 3,92er-Übersetzung, was natürlich eine massive Unter-Eilung erzeugt haben dürfte.

Zu allem Überfluss trinkt der neue alte Motor unglaubliche Mengen an Öl, was ich bei der ersten längeren Fahrt nach Berlin eher zufällig bei einem Tankstellenstop entdecke. Alle etwa 550 Kilometer ist ein neuer Liter fällig. Wollten wir nicht Geld sparen mit der neuen Maschine?

Neue Ölstutzen auf dem Ventildeckel und eine neue Dichtung unter demselben bringen ebensowenig Abhilfe wie eine neue Dichtung am Ölfiltergehäuse. K. knöpft mir für eine Motorwäsche, um den Fehler zu finden, 75 Mark ab.

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Trotz seiner Trinksitten geht es mit dem Wagen wieder einmal auf große Fahrt. Am 6. September (214.091 km) breche ich zur zweiten Schottlandreise auf.

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Dunottar Castle. Schottischer und burgiger geht’s kaum, Eilean Donan Castle vielleicht mal ausgenommen. (Aber das ist ja nur eine Filmkulisse.)

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Wilde Büffelherden durchstreiften einst die unendlichen Weiden der Highlands.

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Erst ein Kurzbesuch in Edinburgh (…215.459 km…) bei Petra, danach mit ihr eine größere Rundfahrt durch die Highlands.

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Schottische Schafe am Straßenrand.

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Noch so ein schottisches Schaf…

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…und noch so eine schottische Ruine.

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Strome Ferry, ein Ort, der es sogar zu einer Erwähnung in einem Roman von Iain Banks gebracht hat. Und das ohne Fähre.

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Typische Single Track Road. Für den alten Dieselmotor ist das ständige Auf und Ab natürlich eine Qual.

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Noch ein Fotohalt an der Westküste.

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Die „Road to Applecross“ vom Norden her auf die Isle of Skye zu bietet einen Anblick, der für immer zu den schönsten meines Lebens zählen wird.

Bei der Rückkehr in Osnabrück steht der Zähler auf 218.400 km. Viel Straße in wenig Tagen: rund 3.700 Kilometer.

Die Umdieselung

Ich war jahrelang nicht sicher, ob diese Entscheidung der größte Schwachsinn oder die genialste Idee in der Geschichte des Coupés mit é war. Für volle zehn Jahre, von 1995 bis 2005, hielt ich es für die dümmste. Heute weiß ich, es war die beste. Aber der Reihe nach.

Zwei Monate lang erfreue ich mich am (zugegebenermaßen nicht wirklich erkennbar veränderten) Klang des überholten Motors, dann setzt mir K. den nächsten Floh ins Ohr. Zugegeben, ich habe ihn mir auch nur zu gerne ins Ohr setzen lassen…

D I E   U M D I E S E L U N G

Am 9. Mai, bei Kilometerstand 206.200, wird der Wagen umgedieselt. Den von K. angebotenen angeblich astreinen 300er-Fünfzylinder schlage ich zugunsten eines etwas unscheinbareren OM 616 aus (O-Ton K.: „Der ist auch noch gut“).

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Wozu das Ganze? Seit Herbst 1994 arbeite ich als freier Mitarbeiter der Neuen Osnabrücker Zeitung für die Redaktion „Rund um Osnabrück“. Die ständigen Außentermine lassen den Wagen mächtig Kilometer machen – geschätzte 30.000 im Jahr. Und weil ich in Glasgow in der BWL-Vorlesung gelernt habe, Kosten immer in die Zukunft gerichtet zu beurteilen, entscheide ich mich für die angeblich Geld sparende Umdieselung. Und nehme gleich noch ein Fünfganggetriebe, vermutlich aus einem Strichachter, dazu.

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Dafür gebe ich den vor zwei Monaten überholten M102-Motor, das frisch überholte Getriebe und den G-Katalysator in Zahlung. Und lege noch einmal geschätzte 3.300 DM drauf. Und das für einen grottenschlechten OM616-Diesel, der mir gerade einmal 20 Monate und 43.000 Kilometer später platzen wird (und bis dahin wohl fast 90 Liter Öl gesoffen haben wird) sowie ein Getriebe, das sogar schon nach der Hälfte der Zeit (sieben Monate und 21.000 km) einen fetten Schaden hat.

Zuviel Geld im Portemonnaie

Weil ich dem Wagen etwas Gutes tun will und offenbar viel zu viel Geld habe, lasse ich Anfang März 1995 in meiner neuen Stamm-Werkstatt bei Jens K. in Osnabrück den Motor überholen. Der Zylinderkopf wird zerlegt, plan geschliffen, die Ventile eingeschliffen, die Dichtungen kommen neu, Motorlager werden ersetzt und ein neues Schubabschaltventil eingebaut. Zusammen mit kleineren Servicearbeiten zahle ich rund 1.950 Mark für alles. Angesichts dessen, dass dieser generalüberholte Motor dann nur zwei Monate im Wagen bleiben wird, ist das eine der größten Fehlinvestitionen meines Lebens.

Aber wo wir gerade schon mal beim Geldausgeben sind…

22. April: Blitz! Mit frisch überholtem Motor rast es sich besonders gut.

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Tatort: Bramscher Straße, Tatgeschwindigkeit: 70 Sachen.

Ein Jahr Glasgow, Teil II

Als ich im neuen Jahr 1994 nach Glasgow zurückkomme, habe ich eigens Blechkanister mit Valvoline-Öl dabei, weil ich diese Marke in der benötigten Viskosität trotz tagelangen Herumsuchens nirgendwo in Glasgow auftreiben konnte. Am Flughafen sucht der Zollbeamte auf den Kanistern vergeblich nach Anzeichen von Feuergefährlichkeit – das Zeug darf im Flieger mit ins Handgepäck.

Doch das neue Jahr beginnt schlecht. Am 25. Januar (189.979 km) durchbohrt eine absichtlich druntergeklemmte Schraube den linken Hinterreifen. Beim Radwechseln mache ich einen idiotischen Fehler und verwende wider besseres Wissen die längeren Schrauben der Alufelgen für die Ersatz-Stahlfelge. Beim Anfahren gibt es ein grauenhaftes Kreischen. Diese Sache bleibt für gut ein Jahr das Dümmste, was ich mit dem Auto anstelle (siehe dazu: Motorüberholung & anschließende Umdieselung).

In Folge der bescheuerten Aktion sind hinten neue Bremsscheiben und Beläge fällig, dabei wird noch die Feststellbremse neu eingestellt, ein neuer Öldeckel und ein abschließbarer Tankdeckel werden ebenfalls angeschafft. Insgesamt bin ich 314 Pfund (ca. 713,- DM) los. Hinten läuft jetzt der (uralte) Reservereifen. Immerhin, er hält bis kurz nach der Rückkehr… nicht auszudenken, wenn der auch noch auf der Heimfahrt ausgefallen wäre.

Sechs Wochen später dann die nächste Panne. Am 16. März (190.600 km) notiert das Tagebuch Treibstoffverlust, stotternde Beschleunigung und unrunden Leerlauf. Der Spritfilter mit Schläuchen und Dichtungen und der Verteiler werden gewechselt, für nur 172 Pfund (430,- DM).

Ende März (191.316 km): Schöne Tour durch die mittleren Highlands mit Stirling und Glencoe.

12. April (192.100 km): Ein historischer Tag! Der Stern wird zum ersten Mal abgebrochen. Unmittelbar darauf wird ein Neuer gekauft.

16. und 17. Mai (192.363 km): Zeit für die nächste Panne. Der Wagen geht mitten in Glasgow plötzlich aus, springt später aber wieder an. Vermutlich ist es das Zündsteuergerät. Bei Vardy Continental den Motor testen lassen, alle elektrischen Verbindungen gesäubert, für nur 35,- Pfund (88,- DM).

Ein abnehmbarer Stern wird eingebaut (30,- Pfund = 77,- DM). Das Park-Ritual aus Lenkradkralle-Anschließen und Hauptschalter-Abziehen ist damit noch um einen zusätzlichen Punkt erweitert worden.

19. Mai: Panne! Bleibe erneut mitten in Glasgow liegen und muss mich vom Autoclub zu Vardy Continental abschleppen lassen. Diagnose: „None Switch“ („Steuergerät hinter Zündspule“) muss neu, für nur 187,- Pfund (560,- DM). Jetzt kommt’s ja auch nicht mehr drauf an…

Ende Mai: Noch einmal auf in die Highlands! Diesmal geht es alleine nach Ullapool für meine Radeltour über die Hebriden.

11. Juni (193.924 km): Das Schottland-Jahr (streng genommen nur neuneinhalb Monate) ist vorbei. Zurück nach Hause!

Zwei Tage später kommen wir mit 195.298 km auf der Uhr in Oldenburg an. Alles in allem haben wir stolze 11.866 Fahrtkilometer zurückgelegt. Und trotz Pannen: Der Braune hat mich und meinen Besitz sicher hin- und zurückgebracht.

Nachspiel:

Am 17. Juni (195.629 km) besuche ich meine Schwester Dani in der Waldorfschule in Walsrode, wo sie ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Auf der Fahrt dahin fällt mir ein scheußliches Schütteln von hinten auf. In einer kleinen Kfz-Werkstatt vor Ort bekommen wir vom Altmeister zu hören: „Das ist die Hinterachse, das muss so sein, das haben die alle“. Diese Diagnose bleibt für viele Jahre die dämlichste überhaupt, die mir zum Wagen gestellt wird. Zu Hause stellt sich nämlich heraus: Der alte Reservereifen, den ich in Glasgow nach dem Schrauben-Desaster aufgezogen habe, hatte einen Gewebebruch und folglich eine fette Unwucht entwickelt. Aber es ist nett, dass er damit bis sechs Tage nach meiner Rückkehr gewartet hat.

Bei Famila in Oldenburg werden zwei schön neue Fulda Y 2000 Reifen (das Stück für 180,- DM) aufgezogen und montiert. Sie bleiben dem Wagen verdammt lange Zeit treu, nämlich über elf Jahre. Erst im Zuge der Totalrenovierung im April 2005 werden sie entsorgt…

…und selbst dann sind sie noch nicht am Ende: Einer aus dieser Serie, im Dezember 1995 nachgekauft – wird im Juni 2007 nach zweijährigem Liegen im feuchten Bielefelder Keller sogar noch ein weiteres Mal auf’s Hinterrad gezogen.

Isle of Skye, black and white

Mit meinem Mitbewohner Ralf und zwei seiner Kommilitonen von der Uni Rostock fahre ich zur Isle of Skye. Sei es Absicht, sei es Zufall – der mitgenommene Film ist ein schwarz-weißer, obwohl ich zu der Zeit noch gar nicht für die Neue Osnabrücker Zeitung schreibe.

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Die Landschaft ist wunderschön, das Wetter weniger. Von daher passt Schwarzweiß schon ganz gut. Auf diesem Bild sind übrigens die innen reflektierenden schwarzen Abkleber zu erkennen, mit denen ich für die Zeit in Schottland die Scheinwerfer wegen des Linksverkehres abgeblendet habe. Die übrigens ein Heidengeld gekostet haben.

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Das war der Schreiber dieser Zeilen im Herbst 1993. Hach, was war ich damals schlank.

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Highlanders Burg: Eilean Donan Castle. Die Kunst besteht darin, es so zu fotografieren, dass die Burg einsam und romantisch aussieht. Und weder die gut ausgebaute Landstraße, noch die moderne Betonbrücke, noch die Stadt direkt daneben im Bild zu sehen sind.

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Da es sich hier im ein Autoblog handelt, verschone ich meine Leser mit Serien künstlerisch wertvoller Bilder von schottischen Hügeln mit romantischem Wolkenhintergrund. Ich beschränke mich auf die Bilder, auf denen ein Mercedes vor schottischen Hügeln mit romantischem Wolkenhintergrund zu sehen ist.

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(Mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen.)

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Das ständige Ein- und Aussteigen mit vier Personen ist nicht das Wahre. Zum ersten Mal ahne ich, welche Vorteile eine Limousine hat.

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Man muss eine sehr einsame, sehr lange Landstraße ganz bis zum Ende fahren, um zu einem winzigen Fischernest mit einem Bootsanleger zu kommen. Dort genießt man diese Aussicht: die Cuillin Hills, Großbritanniens Antwort auf die Alpen.

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Die germanische Antwort auf die Cuillin Hills wiederum war ein kräftiges Picknick. Später genossen wir in Portree in einem etwas schmierigen Fish ’n‘ Chips-Shop unsere ersten Gherkins – keiner von uns kannte das Wort für Gürkchen.

Ein Jahr Glasgow, Teil I

Einer der (offiziellen) Gründe, das Coupé mit é anzuschaffen, war mein Auslandsjahr an der University of Strathclyde in Glasgow vom September 1993 bis Juni 1994. Dass man dafür ein komfortables Langstreckenfahrzeug mit großem Kofferraum benötigt, leuchtet natürlich jedem ein. Zumindest jedem, der noch nie versucht hatte, über den umgeklappten Vordersitz eines 123er-Coupés sperrige Gegenstände auf die Rückbank zu quetschen.

Am 19. September 1993 geht es dann von Oldenburg aus los. Im Kassettenschacht des alten Blaupunkt Hildesheim ein eigens aufgenommenes Band von Christine, im Rest des Wagens den gesamten studentischen Hausstand: Blaupunkt-Fernseher, Telefunken-Stereoanlage, B&O-Boxen, zwei bis drei Aldi-Papppaletten mit Büchern, säckeweise Bettwäsche und Klamotten, Töpfe, Besteck, Handtücher.

Auch das Auto ist präpariert: Mit einem eigenen Steckschlüssel gegen Diebstahl gesichert, mit sauteuren schwarzen Form-Klebestreifen auf den Scheinwerfern ist es für den Linksverkehr auf der Insel gerüstet.

Überhaupt, der Linksverkehr! Wider Erwarten zerschelle ich nicht gleich nach der Ankunft an entgegenkommenden Lastwagen. Doch das Fahren auf der Insel hat schon seine Tücken. Vor allem die allgegenwärtigen Kreisverkehre haben es in sich. Es sind teilweise hochkomplexe mehrspurige Gebilde aus mehreren ineinander verschachtelten Kreisen und Ovalen mit bis zu einem Dutzend Ausfahrten und Ampeln.

In Glasgow bestimmt allerdings blanke Furcht ums Blech den Alltag. Bei jeder Gelegenheit wird illegalerweise auf dem Campusgelände geparkt, der Steckschlüssel abgezogen und die Kralle ans Lenkrad geklemmt. Der Wagen fällt allerdings auch arg auf, die britischen Kommilitonen haben kaum Autos, und Mercedesse sind im schottischen Straßenbild ohnehin Mangelware.

Folglich muss der arme Benz manche Missfallenskundgebung über sich ertragen lassen, mal liegt Müll auf ihm, mal malt jemand mit dem Finger „rich cunt“ (etwa: „reiche Sau“) auf das Blech. Auch der Stern muss gegen Ende des Jahres einmal dran glauben, umgehend besorge ich Nachschub.

Zum Trost darf sich der Moorbraune auf den langen, einsamen Single-Track-Roads der westlichen Highlands austoben. Schon Anfang Oktober mache ich mit meinem Mitwohner Ralf und zweien seiner Freunde von der Uni Rostock eine Tour über die Isle of Skye. Anderthalbtausend Kilometer dürften es gewesen sein. Wir übernachten gemütlich in Uig und lassen uns abends im Pub von einigen Eingeborenen vom Billardtisch vertreiben, die das F-Wort mit erstaunlicher Häufigkeit in ihren Sätzen verwenden. Kein Streit mit Schotten, denen fehlen immer schon Zähne. In Portree gibt es Fis, Chips und Gherkins – Gürkchen. Das ständige Rein- und Rausklettern aus dem Wagen beim Fotohalt alle paar Kilometer ist allerdings überaus nervig. Ein Coupé ist halt doch nur ein 2+2-Sitzer.

Auf der Rückfahrt spricht der Motor irgendwie verzögert an. In Glasgow messe ich dann mal Öl: Der Stab ist komplett trocken. Upps! Woher bekomme ich Valvoline 10W40, oder was ich an Weltraumöl drin habe?

Anfang November eine weitere größere Reise. Christine ist zu Besuch. Mit ihr fahre ich nach Irland (in die Republic of), weil es in einer Zeitung billige Fähr-Überfahrten gab. Donegal, Cliffs of Moher, Brian’s Tower, Galway, Clifden, Connemara National Park. Eine erste Verbrauchsauswertung ergibt: 10,05 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer. Nicht schlecht für einen 136-PS-Benziner aus den frühen Achtzigern, oder?

Am 17. Dezember, der Wagen hat den schönen Kilometerstand 188.188, geht es erst einmal wieder Richtung Süden. Über Weihnachten fliege ich nach Hause. Da ich den Wagen nicht in Glasgow lassen will, fahre ich zu Andy und Pauline nach Preston Bisset und lasse ihn da stehen.

An einer Raststätte habe ich dann das Vinegar-Experience. Viel zu spät unterwegs, todmüde vom stundenlangen angestrengten Schnellfahren hinter den Gischtwolken der Lastwagen auf der regenübersprühten Autobahn, mache ich eine Pause. Als einzigen Snack gibt es Chips. Als ich das Päckchen Mayonnaise über sie ausquetschen will, vergesse ich, in welchem Land ich bin: In dem Tütchen ist natürlich Essig, den ich mir über Hände und Pullover spritze. Immerhin, so hat man was zu erzählen.