In der Provence

Dann ist es endlich wieder mal Zeit für eine große Reise! Auf zur (fast) dreiwöchigen großen Frankreichfahrt vom 9. bis 29. September.

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Gründlich vollgepackt / steht er da / und wartet auf den Start / alles klar…

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Nur ein Pack-Genie bekommt Zelte, Schlafsäcke, Campingausrüstung, Klamotten und Verpflegung so ordentlich in den Kofferraum.

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Das wohlausgestattete Cockpit. Das Parken wird zum Ritual: Lenkradklemme dran, Handy ab, GPS runter, Sonnenschutz vors Fenster, Handschuhfach auf…

Über Luxemburg geht es in die Provence, wo wir drei Wochen lang kreuz und quer durch die Landschaft fahren.

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Tief duckt sich der vollgepackte Wagen in die Federn. Ein bereits aus Schottland bekanntes Problem. Was auffällt: Die Zigeu Radchromleisten fallen ganz schön auf.

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Die herrliche Gegend – hier Les Baux – entschädigt für alles.

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Römergedöns allüberall: Die Siedlung Glanum wurde sogar schon von den Griechen gegründet.

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Kirchengedöns nicht minder: Der prächtig-protzige Papstpalast (das sind fünf P’s!) von Avignon…

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…und die bekannte Brücke dortselbst, auf der niemand tanzte.

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Auf dem Campingplatz…

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…wird die Kunst des Kofferraumpackens zu immer höherer Vollendung gebracht.

Gesamtstrecke: vielleicht 4.400 km. Das Fahren dort ist herrlich. Wundervoll auch die niedrigen Verbräuche von bis zu 7,4 Liter (im 5. Gang mit 90 über schmale Landsträßchen). Dreimal schaffen wir mit einer Tankfüllung 800 km. Danach passten aber auch jeweils etwa 60-63 Liter in den 65-Liter-Tank – es war also recht knapp.

Auf Rückfahrt rasselt es allerdings besorgniserregend. Wieder in Deutschland stellt sich heraus: Es ist nur eine locker gewordene Auspuffschelle.

Die Fahrt war leider eine Art Schwanengesang. Am 22. Oktober 2001 (283.819 km) wird der Braune wieder abgemeldet. Diesmal für lange, lange Zeit.

Besuch in München

Sommerzeit, Reisezeit, Coupézeit. Am 12. Juli 2001 werden wieder mal die Nummernschilder an BI-YJ 727 geschraubt.

Anfang August geht es zu einem Besuch nach München.

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Schloss Nymphenburg…

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…bietet eine standesgemäße Kulisse für moorbraune Coupés.

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Doch nicht einmal auf der Auer Dult…

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…entkommt man dem Griff Bielefelds.

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Ich flüchte mich ins Deutsche Museum, wo neben dieser Junkers…

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…auch die wunderbarste Lokomotive der Welt steht, die „Landwührden“ der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn.

Ich gebe es ja zu: Auch Grün kann eine schöne Farbe sein. Mit dieser Erkenntnis geht es zurück an den Teuto.

Kanada, Land des Wassers

Februar 2001. Ganze zweimal bin ich in die Luft gekommen, seit ich im Dezember 1999 den Schein gemacht habe. Das soll jetzt anders werden, und zwar richtig. Zwei Katanas müssen zur Überholung von Denver in das Herstellerwerk im kanadischen London gebracht werden. Natürlich nicht im Container. Es sind ziemlich genau 2000 Kilometer, die da zu fliegen sind – einmal halb durch die USA. Der Clou: Es sind keine braven europäischen DA20 mit 80-PS-Rotaxen unter der Haube. Es sind C-1 Evolutions mit 125-PS-Continental IO-240.

Flughafen Charles de Gaulle

Zusammen mit Holger fliege ich über den Teich. Schon beim Zwischenaufenthalt in Paris steigt die Fliegerstimmung: Die Architektur des Terminals am Aéroport Paris-Charles-de-Gaulle ist spektakulär. Die sanft gewölbte Betonhalle krümmt sich wie ein Flügel, der Grundriss wirkt wie ein Vogel. Das können sie, die Franzosen. Das hat Weltniveau. Daneben wirkt der nüchtern-rechteckige Klotz von Münster-Osnabrück so architektonisch mutig wie ein Ziegelstein.

Pontiac Aztec

In Kanada herrscht tiefster Winter. Doch auch die heftigen klimatischen Verhältnisse sind keine Entschuldigung, ein so grauenhaft hässliches Auto wie den Pontiac Aztec zu kaufen. Tröstlich ist nur die Aussicht, dass er auf den intensiv mit Salz gestreuten Straßen nicht lange überleben wird.

Als der Wetterbericht besser wird, nehmen Peter, Holger und ich einen Linienflieger nach Denver. Das liegt ziemlich weit im Westen, in Colorado, am Fuß der Rocky Mountains. Gibt leckere Chicken Wings mit Honey Mustard Sauce dort.

Katanaformation

Am nächsten Morgen. Nach einer kurzen Einweisung am Denver Centennial Airport (KAPA) – wegen seiner Höhenlage auch „Mile High Airport“ genannt – machen sich zwei Katanas auf den Luftweg nach Osten.

Formation fliegen macht Spaß. Da wir auf der selben Frequenz funken, ist enges Zusammenfliegen kein Problem und ich schieße Fotos am laufenden Band. Zuhause wird die Enttäuschung dann groß sein: Die Kamera hat sich bei 90 Prozent der Aufnahmen auf das Glas der Haube eingestellt. Die Bilder sind fast alle völlig unscharf.

Fliegerhelden

Wenigstens ein paar Motive werden brauchbar. Wenn ich mir auch bei diesem hier im Kinnbereich durchaus etwas Unschärfe gewünscht hätte.

Katana in the Sky

Nachdem die anfängliche Nervosität weg ist, macht der Flug richtig Spaß.

Quadratelandschaft

Die Gegend ist allerdings eher eintönig. Staaten wie Kansas, Nebraska, Missouri und Iowa heißen nicht ohne Grund „Flyover States“. Nach dem erstem Leg – knapp zweieinhalb Stunden – bringe ich unseren Zweisitzer in Kearney Municipal, Illinois (KEAR) heil auf die Piste.

Landschaft, USA

Zweites Leg: In genau drei Stunden nach Moline-Quad City (KMLI), ebenfalls in Illinois.

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Im Abendlicht der untergehenden Sonne haben wir ausgiebig Gelegenheit, mit unseren Einmots herumzuspielen. Die vergoldeten Wolken bieten einen spektakulären Anblick. Leider sind auch aus dieser Fotoserie fast alle Bilder misslungen.

Wir übernachten in Moline und entdecken ein Restaurant mit überaus mittelprächtiger US-italienischer Küche (Nudeln, Tomatensoße und Unmengen von Käse) zu überaus heftigen Preisen.

Haubentauchen am Rotax

Am nächsten Morgen gibt es Startprobleme. Unsere Katana springt gleich an, die von Peter dagegen zickt. Orgeln mit Choke, ohne Choke, mit Gas, ohne Gas… bis die Batterie leer ist.

Moline Airport Lounge

Gelegenheit, sich auf dem Airport ein bisschen umzugucken. Die Lounge verströmt mondäne Atmosphäre. Hier fühlt man sich als Pilot gleich ernstgenommen…

Gesellschaft auf dem Vorfeld

…jedenfalls, wenn man so etwas fliegen würde. Illustre Gesellschaft auf dem Vorfeld.

Starthilfe

Wir aber sind ja etwas bescheidener unterwegs. Inzwischen ist der Starthilfewagen da und der Continental nimmt endlich seine Arbeit auf. Wir starten. Das erste Leg des zweiten Tages führt nach Fort Wayne International (KFWA) an der Grenze zwischen Indiana und Ohio.

Flusslandschaft

Ein Fluss unterbricht die eintönige Quadratestruktur der Landschaft.

Eriesee

Der Eriesee. Zum ersten Mal überquere ich ein größeres Gewässer. Auch wenn wir nicht viele Meilen ab vom Ufer sind, ist es ein merkwürdiges Gefühl: Jetzt ist man dem Vierzylinder-Boxermotor da vorne völlig ausgeliefert. Wie wird sich da erst Charles Lindbergh gefühlt haben?

Eriesee aus der Höh'

Das Ufer ist wirklich, wirklich weit weg. Die Dinger heißen ja nicht ohne Grund „Great Lakes“.

Großer See, großes Ufer

Das Ostufer – oder sagt man Ostküste? Die seltsam Marmorierungen des Bodens an der Uferzone können wir uns nicht erklären. Möglicherweise ist es Watt bei Ebbe.

Folgen Sie diesem Flusslauf

Nach dem Überqueren der kanadischen Grenze gehen wir tiefer und folgen einem Flusslauf. Plötzlich knallt es, Federn fliegen um’s Cockpit. Birdstrike! Der Motor läuft weiter – nichts passiert! Der Vogel wird dazu natürlich eine andere Meinung gehabt haben.

Im Anflug auf London

Je weiter wir nach Nordosten kommen, desto mehr Schnee liegt am Boden. Wir gehen in den Landeanflug auf London International. Welcher Pilot träumt nicht davon, einmal in London zu landen? Sprechen Sie den Stadtnamen englisch aus, dann klingt es noch schöner.

Charles Lindbergh nach der Landung (Update)

Nach dem Ausrollen. Während Peter die Zollformalitäten erledigt, fotografieren Holger und ich uns gegenseitig vor unserer Spirit of St. Louis.

Birdstrike

So sieht also ein Birdstrike aus. Willkommen in Kanada!

Kiss 'n Fly Dropoff Zone

Dieses Schild vor dem Flughafengebäude richtet sich nicht an Päpste, die nach der Landung den Boden liebkosen wollen (Alitalia fliegt ohnehin nicht nach Ontario). Das schöne Denkmal für amerikanischen Pragmatismus steht vor dem Eingang: Da man die Leute eh nicht davon abhalten kann, ihre Liebsten mitsamt den Koffern bis vor die Tür zu fahren, kann man sie wenigstens bitten, das Abschiedszeremoniell kurz zu halten.

Diamond Aircraft Factory

Direkt am Platz: die Fabrik von Diamond Aircraft. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier De Havilland Mosquitos gebaut, nun entstehen hier schicke kleine Einmots.

Rockwater

London, Ontario, ist eine quirlige Stadt mit einer ausgesprochenen Vorliebe für Wandgemälde. Dieses hier an der Rockwater-Brauerei ist nur ein Beispiel. Ansonsten ähnelt für mich alles stark den USA. Bis auf die Straßennamen natürlich: Eine King-George-Street wäre in den Vereinigten Staaten eher ungewöhnlich.

Wir schauen uns eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Amerikas an: die Niagarafälle. Fast 60 Meter stürzt das Wasser hier in die Tiefe. Es gibt einen kanadischen und einen US-amerikanischen Teil.

Niagarafall

Na, sind Sie auch so enttäuscht wie ich? Von der Uferpromenade aus wirkt das ganze Schauspiel, wie soll ich sagen: ein wenig überschätzt. Dabei wird uns hier sogar noch der imposantere Anblick gegönnt. Nachts und außerhalb der Tourismussaison wird der Wasserfall nämlich auf bis zu zehn Prozent seiner Fallmenge heruntergefahren und der Rest zur Stromerzeugung genutzt.

Niagara-Hotels

Nein, das wahre Wunder hat an dieser Stelle nicht Gott geschaffen, sondern ein anderer: der Mensch! Dreht man sich nämlich um, präsentiert sich eine gewaltige glitzernde Phalanx an majestätischen Hotels. Reih an Reih ragen die imposanten Luxusbauten viele Stockwerke in den Himmel empor. Sogar für überdachte Fußwege ist gesorgt, während man am Wasserfall sehr kundenunfreundlich mit Gischt besprüht wird. Da kann sich das alte Mütterchen Natur noch etwas abgucken. Ein klares 1:0 für den Menschen!

CN-Tower

Lassen wir das verunstaltete Naturwunder hinter uns. Von London aus sind es keine 200 Kilometer bis in die Metropole Toronto, mit 2,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt Kanadas. Mitten im Bild der 553 Meter hohe CN Tower. Nein, nicht CNN. Die CN sind die Canadian National Railways. Was ein staatliches Eisenbahnunternehmen bewogen hat, 1976 das höchste Gebäude der Welt bauen zu lassen, ist mir immer noch unklar. Hoffentlich hört unser Bahnchef Mehdorn nichts davon…

Toronto Downtown

Das Drehrestaurant in 346 Meter Höhe hat Glasböden und bietet einen Blick auf Downtown – ziemlich genau auf Platzrundenhöhe.

Toronto Skyline

Wenn man nicht wüsstse, dass man sich im guten alten britischen Commonwealth aufhielte, könnte man glatt glauben, man wäre in den USA.

Sky Dome

Die multifunktionale Sportarena SkyDome (seit 2005: Rogers Centre). Torontos Antwort auf das Olympiastadion des Erzrivalen Montreal.

Toronto City Centre Airports

Außerdem kann man sich vom CN Tower aus auch wunderbar die Platzgestaltung des Toronto City Centre Airports (CYTZ) einprägen, ohne tatsächlich in der Luft zu sein. Ungewöhnlich, einen Flughafen aus dieser Perspektive zu sehen und dabei mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen.

Das also war Kanada. Ein bisschen abgelegen, aber durchaus eine Reise wert.

Florida: der Anfang von allem

Wie kommt ein 29-jähriger Berufsanfänger, chronisch knapp bei Kasse und mit dem Unterhalt seiner beiden viel zu teuren Altmercedesse eigentlich voll ausgelastet, dazu, den Privatpilotenschein zu machen? Noch dazu in den USA?

Die Geschichte – und damit dieses Blog – beginnt im Frühjahr 1999. Mein Freund Peter überzeugt mich und einige andere Freunde, dass Fliegen Spaß macht. Und man in den USA ganz leicht und billig den Pilotenschein machen kann. Zum Neugierigwerden nimmt er uns ein paarmal mit in kleinen Einmotorigen. Schließlich ist eine kleine Runde aus meinem alten Osnabrücker Freundeskreis mit an Bord: Christof, Holger, Sven, Karsten, Justus und ich. Wir lassen uns Unterrichtsmaterial kommen und kaufen Zubehör für die Flugvorbereitung. Peter paukt mit uns die Theorie.

Im November 1999 macht sich die kleine Gruppe auf den Weg nach St. Petersburg, an der Westküste Floridas. Für drei Wochen haben wir dort Appartement-Bungalows gemietet sowie einen Dodge-Van mit angemessener V8-Motorisierung. Unser Flugplatz: Clearwater Airpark, unsere Flugschule: die Suncoast Flying School.

Dann heißt es: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Aufstehen um 7 Uhr, Anziehen in aller Schnelle, Antreten am Flugplatz um 8 Uhr. Den ganzen Tag über wird gelernt: Navigation, Flugzeugtechnik, Aerodynamik und Verhalten in der Luft. Preflight Checks werden geübt. Beim Fliegerarzt das Medical eingeholt. Die theoretischen Prüfungen am Computer absolviert.

Flug-Horizont

Und es wird geflogen,

Schrägflug

geflogen,

Flug über Florida

und geflogen.

N 48985, my personal Eagle

Die Maschinen sind solide alte C152, wie etwa die November Four Eight Niner Eight Five, „my personal eagle“. Kreuzbrav stecken die Vögel jede noch so harte Landung weg.

N2084E, auf der ich meine erste Flugstunde nahm

Meine erste Trainingsstunde habe ich allerdings noch auf N2084E, einer Cessna 172, bis ich aus Kostengründen auch auf die zweisitzige 152er wechsele.

N 67307 beim Betanken

N67307, ein weiteres geschätztes Schulungsmittel.

N 67307 am Fuel Truck

Das Leben am Platz ist abwechslungsreich. Wenn wir nicht lernen, in der Luft unsere Stunden sammeln oder im Restaurant gegenüber unsere Energievorräte auffrischen, beobachten wir das Airport Life, wie etwa den klapprigen Fuel Truck. Bremsen scheint er keine mehr zu haben.

Wir haben derartig viel um die Ohren, dass ich fast nie zum Fotografieren komme. Später, wieder in Deutschland, werde ich mich ärgern, wie wenig Bilder ich mitgebracht habe.

Die folgenden neun Fotos stammen allesamt von meinem Freund Christof:

Clearwater (von Christof Hegger)

Der Clearwater Airpark aus der Platzrunde heraus fotografiert.

N 757TV

Die N757TV. Die Cessna mit der hübschen dunkelblauen Lackierung stammt wie ihre Schwester N26EF („Extra Fear“) vom Vercharterer Clearwater Airpark.

Im Cockpit

Die Cockpits der zwei bis drei Jahrzehnte alten Veteranen erzählen vom harten Schulalltag.

Floridas Küstenlinie (von Christof Hegger)

Die praktischen Übungen wie Standard Rate Turns, Power On Stalls oder Emergency Procedures finden über dem Wasser des Golfs von Mexiko statt.

Florida-Panorama (von Christof Hegger)

Die Aussicht ist herrlich, auch das Wetter spielt gut mit. Schade, dass man so selten Gelegenheit hat, die Szenerie zu genießen…

Floridaner leben gerne am Wasser

Florida ist wegen des warmen Klimas der Traum aller amerikanischen Senioren. Entsprechende Wohneinrichtungen überziehen das Land, das deshalb auch „God’s Waiting Room“ genannt wird.

Blick auf den Hafen

Die Zahl der Boote und Yachten gibt einen Hinweis darauf, wie hoch der allgemeine Amüsierfaktor in Floridien liegt. Hier wohnt man nicht, weil man muss, sondern weil man will. Will jemand Spareribs?

Albert Whitted Airport

Zur Übung landen wir auch immer wieder auf anderen Plätzen. So etwa auf Albert Whitted (KSPG) direkt am Wasser, oben im Bild, gerne auch auf dem menschenleeren Brooksville-Hernando County (KBKV), einem ehemaligen Luftwaffenplatz, sowie auf dem belebten St. Petersburg International (KPIE, genannt „Pie in the Sky“).

Nachdem wir Starts und Landungen, Touch ’n‘ Goes, Go Arounds, Slips, Crosswind Landings und Tower Control Work immer und immer wieder geübt haben, ist jeder von uns irgendwann reif für den großen Moment. Bei mir ist es am frühen Abend des 29. November soweit: Mein Fluglehrer Rick springt beim Rollen zwischen zwei Platzrunden aus der Maschine. „Have Fun“, ruft er mir grinsend zum Abschied zu. „Don’t Crash.“ My First Solo! Der Herzschlag erhöht sich rapide während ich zum Start rolle. Mit zittrigen Händen schiebe ich das Gas rein. Rotieren. Steigen. „November Four Eight Niner Eight Five leaving the pattern to the north.“ Ich fliege. Allein! Eine halbe Stunde lang kreise ich in Floridas Himmel, während in der einbrechenden Dämmerung unter mir die Lichter der Stadt angehen. Was für ein Erlebnis – deinen ersten Solo vergisst du nie.

Sumpfgelände

Die Flüge führen schließlich weiter hinaus, meist nach Norden, wo das Gelände sumpfiger und die Gegend einsamer wird.

Jetzt folgen wieder meine eigenen Bilder.

Waldbrand in Florida

Auf einem Solo Cross Country erlebe ich ein interessantes Phänomen. Genau auf meiner Wunschflughöhe herrscht schlechte Sicht. Aufsteigender Rauch von Waldbränden bildet eine solide, zusammenhängende Luftschicht. Ich überlege, ob ich FIS informieren soll und lasse es dann doch lieber sein.

Für uns Flugschüler ist der Lernstress groß. An Freizeitaktivitäten bleibt nur Essengehen am Abend und ein paar letzte Bierchen vor dem Einschlafen. So nehmen Justus und ich uns zumindest einen Tag frei, um die legendäre Disney World zu besuchen. Einmal abschalten, einmal nicht an Flugzeuge denken!

Museum "Fantasy of Flight"

Es klappt nicht ganz. Auf dem Weg nach Orlando kommen wir zum Beispiel an dieser Werbung für das Museum „Fantasy of Flight“ vorbei. Im Nachhinein tut es mir fast leid, dass wir nicht kurzfristig umdisponiert haben: Das Museum wirbt mit der „greatest Aircraft collection of the world“. Die Ausstellungsliste auf der Webseite ist wirklich beeindruckend. Doch wir wollen ja zu Herrn Disney…

Main Street, USA

…und landen zunächst im Themenbereich „Main Street USA“. So kitschig und puppenstubenhaft alles ist, die Fülle der Details erschlägt den Besucher. Disney World ist tatsächlich eine Welt für sich – perfektioniert bis ins Äußerste.

Disneys Schloss

So sieht es aus, wenn Amerikaner ein Schloss bauen.

Europaland

So stellt man sich dort Europa vor…

Zukunftsland

…und so die Zukunft. Damals, in den Siebzigern, als der Park gebaut wurde. Mit Monorail und Satellitenschüsseln.

Raddampfer

Für die größeren Kinder im Publikum interessant ist der echte Mississippi-Raddampfer und die ebenso echte Dampflok.

Marc im Zug

Mit der Seattle-Mariners-Kappe und der Plautze sehe ich schon ziemlich amerikanisch aus – Verzeihung, das war jetzt politisch unkorrekt…

Goofyflieger

Ach, verdammt, schon wieder ein gecrashter Flieger. Es hilft alles nichts. Mit einer entsetzlich zähen, verbrannten Truthahnkeule im Bauch geht es zurück nach St. Pete.

Airfield Community

Auf einem Solo Cross Country überquere ich diese Airpark Community. Ein Haus, ein Hangar. Wäre das nicht der Traum jedes Piloten?

Airport

Hier dagegen ein regulärer Airport.

Kraftwerk

Das Kraftwerk an der Küste zwischen Crystal River und Clearwater. Im Flussdelta sind oft Seekühe zu sehen, die wie dicke graue Raupen im Wasser hängen.

Schließlich die dritte und letzte Woche. Am Samstgmorgen geht unser Rückflug nach Deutschland. Mittlerweile ist mein Geldvorrat restlos erschöpft – ich hatte anfangs ohnehin vor, nur den „halben“ Schein zu machen und die Sache nächstes Jahr zu beenden. Um so ärgerlicher, dass das Kreditlimit auf meiner Mastercard nur halb so hoch war wie erhofft.

Wenn Sven nicht eingesprungen wäre, hätte ich sogar mit dem Bezahlen des Appartments Probleme bekommen. Immerhin gelingt es mit Hilfe meiner American-Express-Karte, noch etwas Geld für die Flugstunden zusammenzubekommen. Das Unglaubliche scheint plötzlich doch greifbar: Ich habe die Mindeststundenzahl, ich habe die theoretische Prüfung, ich habe das Medical… sollte es doch noch klappen?

Ich melde mich zur Prüfung am Mittwoch in Crystal River an, eine knappe Flugstunde weiter nördlich an der Küste. „Was für ein Gefühl hast du?“ fragt mich Rick. Ich überlege. „Ich glaube, ich habe eine Chance.“

Und dann klappt es doch nicht. Nicht ganz. Im theoretischen Teil der Prüfung winde ich mich so irgendwie durch, komme beim Thema „Anmeldung beim Einflug in einen kontrollierten Luftraum“ arg ins Stottern, doch es langt. Dann der praktische Teil. Prüfer Davis nimmt eine Tasse Kaffee mit in die Maschine. Auf meinen Hinweis, so sei er aber kleckergefährdet, antwortet er: „I’ll judge you on this.“ – „I’m doomed.“ Dann geht es in die Luft.

Das meiste kriege ich gut hin. Turns, Stalls, die Emergency Landing, auch den Abschnitt „ungewöhnliche Flugzustände“. Mit Blindflugbrille auf der Nase warte ich, bis Davis die Cessna durch wildes Gekurbel in eine möglichst aussichtslose Lage manövriert hat und mir befiehlt: „Recover!“

Dann die Short Field Landing. Nervös taste ich mich im steilen Winkel an die Bahn heran, immer tiefer sinkt die Nadel auf dem Airspeed Indicator – bis Davis das Gas reinknallt und die Maschine in einen Go Around bringt. Aus!

Ich war zu langsam. Wir wären unweigerlich aus dem Himmel gefallen, erklärt er mir. Wenn der Mann eines beurteilen kann, dann das. Wie zahlreiche Flugzeugmodelle, Fotos und Gemälde in der Lounge des Flugplatzes beweisen, war er Corsair-Pilot im Koreakrieg und ist auf winzigen Behelfsflugzeugträgern gelandet. Deren Vordeck oft genug von geparkten Maschinen verstellt war. Da gab es keinen Go Around.

Deprimiert fliege ich zurück. Doch es ist noch nicht ganz zu spät. Am Donnerstag übe ich mit einem freien Fluglehrer in St. Pete Short Field Landings bis zum Umfallen.

Freitag der zweite Versuch. Der unweigerlich letzte, denn am nächsten Morgen sitzen wir alle im Flieger. Eigentlich hatte Davis gar keine Zeit für mich, aber unter der rauhen Schale des wortkargen Koreakriegveterans muss ein weiches Herz schlagen. Nach einiger Wartezeit steigen wir auf. Ein Start, eine Landung: Sitzt, passt, hat Luft. Bestanden. Bestanden? Bestanden!

Nur die Bürokratie leistet letzten Widerstand. In Clearwater liegt noch ein Formular, das Davis braucht. Keiner hat mir gesagt, dass es vonnöten sei. Also heimfliegen und – keinen Pfennig mehr verjuxen! – mit dem Wagen nochmal wiederkommen. Die Fahrt mit dem Van von Clearwater nach Crystal River und zurück wird mehrere Stunden dauern, dichter Berufsverkehr mich zusätzlich aufhalten. Aus der Luft sah die Strecke nach einem schlichten Stück gerader Landstraße aus. Erst bei tiefer Dunkelheit werde ich wieder zurück in unserem Appartement sein.

Heimflug nach bestandener Prüfung

Vorher aber liegt noch ein Flug vor mir, ein letzter. Als ich das Flugplatzgebäude verlasse, mache ich einen Jubelsprung. Ich schwöre, dass dabei für eine Sekunde die Schwerkraft ausgesetzt hat. Ein anderer Pilot, mit dem ich mich vor dem Prüfungsflug kurz unterhalten habe, macht eine „Na, wie ist es gelaufen?“-Handbewegung. Ich drehe den Daumen hoch, er lacht.

Sonnenuntergang am Golf von Mexico

Dann der Rückflug. Nach drei unglaublich stressigen Wochen, nach unglaublich viel Anspannung, Büffelei und Stress, nach Prüfungsangst und ungezählten Stunden in Floridas Hitze, nach dem Ausgeben jeder Mark, die ich habe und auf absehbare Zeit haben werde, ist es vorbei. Ruhig brummt der Vierzylinder vor mir, rechts geht über dem Golf von Mexiko die Sonne unter. Es ist der schönste Moment meines Lebens, und er dauert richtig lange.

Schließlich der Funkkontakt mit Clearwater. „November Four Eight Niner Eight Five, five miles to the north, inbound for landing.“ „Marc, wie ist es gelaufen?“ höre ich Peters Stimme. „Pilot number three – affirmative“, gebe ich zurück. Das größte Abenteuer meines Lebens ist zu Ende.

On the road again… and off

Nachdem mich der bedauernswerte Kadett Mitte März 1998 verlassen hat, muss der Moorbraune wieder ran. Am 27. März erfolgt die TÜV-Vollabnahme (die Frist war erst ein paar Tage vorher abgelaufen). Ein paar Kleinigkeiten sind fällig. Die „erheblichen Mängel“ sind bei näherem Hingucken allerdings nicht wirklich dramatisch: Abblendlicht, Fernlicht, AHK-Steckdose, Rost vorne (wahrscheinlich am Lufteinlass an den Kotflügeln unter der Stoßstange), Auspuff lose.

Die Sache hat sogar ihr Gutes: Mir fällt auf, dass die Auspuff-Haltegummis total im Eimer sind. Zwei fehlen ganz, einer ist bereits durchgerissen, der letzte schon sehr ausgefasert. Ganz vorsichtig schleiche ich zur Mercedes-Werkstatt und lasse gleich vor Ort alle erneuern – was erstaunlicherweise nur 18,- DM kostet. Die Investition sollte schon in fünf Monaten lohnen…

rx71

Nachdem der Wagen die TÜV-Wiedervorführung anstandslos überstanden hat, wird er am 9. April endlich wieder voll angemeldet (mit etwa 253.200 km). Er heißt jetzt OS-RX 71 und läuft erstmals auf Saisonkennzeichen. Nur so ist die mörderische Dieselstrafsteuer halbwegs zu ertragen.

Ein neuer Brief wird ausgestellt, vom alten bleibt mir nur eine Kopie. Schade!

8. Juni: Es ist mal wieder Zeit für einen Blitz! In Bramsche-Kalkriese auf der Landstraße rassele ich mit 90 km/h in eine Falle, wo 70 erlaubt sind. Mit 60,- DM sind wir dabei; für diesen Preis ist das Foto leider sehr klein:

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Der Anlass war, glaube ich, die Präsentation von „Osnabrück InterAktiv“ bei einer Veranstaltung der Handwerkskammer im Besucherzentrum Kalkriese. Dreimal sind wir vom Kreativhaus aus dahin gefahren und haben Computer, Monitore und sonstiges Material hineingeschleppt – beim dritten Mal stand dann die Blitze an der Straße. Wer ahnt sowas.

Im Sommer wird das Colorglas eingebaut, vorne eine schöne Frontscheibe mit Grünkeil.

Ab Juli ziehe ich von Osnabrück nach Bielefeld, wo ich seit dem 1.7. arbeite. Der Benz zieht die Anhänger. Es ist ja nicht sein erster Umzug…

Am 7. August ist bei 263.000 km mal wieder ein neuer Stern fällig. Osnabrück ist also auch nicht sicherer als Glasgow

Ein paar Tage darauf: Der zweite Unfall: Auf einer Landstraße zwischen Dinklage und Holdorf (hinter Badbergen links) lande ich im Graben.

Ich bin auf der Rückfahrt von Oldenburg nach Bielefeld zur Arbeit. Beim Jagen eines Fünfer-BMWs gerate ich in einer Linkskurve rechts auf den Schotter am Straßenrand, der Wagen bricht nach links aus und pirouettiert mehrfach über die ganze Fahrbahn. Es ist ein furchtbares Erlebnis: 1,4 Tonnen Stahl machen, was sie wollen, und ich hilflos mittendrin – ein Scheißgefühl! „Alles aus“, denke ich, und der Wagen schlägt die Böschung runter.

War’s das jetzt? Ich klettere heraus. Dramatisch ragt das Heck auf die Straße hoch. Wie ein untergegangenes Schiff sieht der Wagen aus.

Was nun passiert, ist ein wenig gespenstisch.

Am nahegelegenen Bauernhof, wo ich um Hilfe klingele, öffnet mir eine Frau im Rollstuhl. In dem sitzt sie, wie sie mir erzählt, seit sie mit ihrem Wagen von der Straße abgekommen ist wegen eines illegalen Autorennens oder rücksichtslosen Überholens.

Sie klingelt einen Nachbarsjungen mit einem Schlepper herbei, der Benni aus dem Graben pullt (wofür ich ihm all mein Bargeld in die Hand, 70 Mark oder so). Der Junge erzählt mir, dass er erst vor ein paar Tagen seinen Wagen geschrottet hat, weil er auf der Landstraße eine Kurve nicht gekriegt hat.

Ich rufe meinen Chef an, um ihm zu sagen, dass etwas später wird. Er erzählt mir, dass unserem gemeinsamen Bekannten Martin P. am Wochenende was ganz Ähnliches passiert ist. Auf dem Weg von Bielefeld nach Osnabrück sei ein entgegenkommender Wagen ins Schleudern geraten und in das Auto hinter Martin gekracht. Es habe einen oder zwei Tote gegeben, Martin habe noch beim Aufräumen geholfen. Es soll nicht schön gewesen sein.

Ist das nicht unheimlich?

Die ersten drei Leute, die ich nach meinem Ausflug treffe, erzählen mir von Fällen, in denen es viel, viel schlimmer ausgegangen ist (Querschnittslähmung, Tod, Totalschaden). Ich glaube ja nicht an Zeichen, aber eins weiß ich: Ich habe unglaubliches Glück gehabt.

Unfassbar ist: Das Coupé scheint nicht mal Blechschäden abgekriegt zu haben! Nur zwischen einer Felge und ihrem Reifen klemmt Gras. Auch im Kofferraum finde ich später noch Halme…

Nachspiel:

Am 10. August (262.900 km): Auf der A 1 irgendwo in der Nähe der Dammer Berge ist ein bulgarischer LKW beim Überholen unglaublich laut und lichthupt auch noch, als ich an ihm vorbei bin. Ich schaue in den Rückspiegel: ein Funkenregen hinterm Wagen. Das Auspuff-Mittelrohr ist durchgebrochen! Der Auspuff schleift mit mehr als 100 Sachen über den Asphalt. Gut, dass ich erst vor viereinhalb Monaten die vier Haltegummis montiert habe. Und dass sie halten. Der ADAC kommt. Der Gelbe Engel schraubt ein provisorisches Halteblech drum. Wir können die Fahrt fortsetzen.

Am 1. Oktober wird der Wagen offiziell nach Bielefeld umgemeldet. Jetzt heißt er BI-YJ 727. Am 22. Oktober ist die Saison aber zu Ende. Winterpause!

Rasendes Reporterfahrzeug

Das neue Jahr 1996 beginnt mit einer fetten Rechnung: 1.160 Mark nimmt K. für die Reparatur des Getriebes, das er mir erst ein gutes halbes Jahr vorher eingebaut hatte. Sogar für das Abschleppen darf ich ihm 100 Mark bezahlen. Einziger Lichtblick ist die neue Mittelarmlehne für 120 Mark. Damit macht das Cruisen erst so richtig Spaß.

Es wird langsam Zeit, sich nach einer anderen Werkstatt umzusehen. Am 20. Februar (bei 232.500 km) lasse ich bei Manni B., einem Bekannten, erstmals einen Kompressionstest machen:

1. Zyl. 22 bar
2. Zyl. 28 bar
3. Zyl. 25 bar
4. Zyl. 27 bar

Das sind keine überragenden Werte…

Dennoch bringt der Wagen mich und meine Minolta Dynax täglich zu Zeitungsterminen im ganzen Osnabrücker Land. Am 19. März (235.300 km) kommt es zu einem Einsatz, den ich nicht vergessen werde. Mit dem Umweltbeauftragten der Gemeinde Lotte fahre ich zu einem entlegenen Steinbruch, in dem ein totes Pony gemeldet wurde. Da der Kadaver von oben nicht gut zu sehen ist, fahren wir über eine Art Zugangsrampe in die ausgedehnte Grube hinein. (Um das tote Tier zu fotografieren, müssen wir dann allerdings doch fast wieder bis ganz nach oben kraxeln.)

Als das Foto im Kasten ist, kommt das Dicke Ende: Am Fuß der Rampe ist der Boden so matschig, dass der Benz sich im Schlamm festwühlt. Mt Müh und Not bekomme ich den Wagen wieder auf festen Grund zurück. Wir sitzen in der Falle. Was tun?

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Gottseidank liegt am Boden der Grube jede Menge Gerümpel. Aus weggeworfenen Wandpaneelen des Typs Kneipenausstattung in Eiche rustikal und blauen Plastikpaletten legen wir eine Art Sprungschanze über den Matsch. Dann nehme ich so viel Anlauf wie es geht, bringe den Diesel auf Maximaldrehzahl und lasse die Kupplung kommen…

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Röhrend rast der Braune auf die Rampe, es kracht und splittert, dass ich um Unterboden und Ölwanne fürchte. Mit letztem Schwung erreichen wir das rettende Ufer.

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Von der Rampe bleiben nur noch Trümmer und Splitter übrig.

19. Oktober: Blitz!

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Auf der Wersener Straße stadteinwärts, 15.34 Uhr, 64 km/h, Beweismittel: Traffipax Speedophot (wer denkt sich eigentlich diese Namen aus?). 50,- DM.

24. Oktober (248.800 km): Mein erster Unfall. Auf der Rückfahrt von einem NOZ-Termin in Bad Laer übersehe ich im Dunkeln an einer Kreuzung in Osnabrück eine vorfahrtberechtigte Motorradfahrerin. Sie erwischt mit ihrem Seitenkoffer meine hintere Stoßstange und stürzt – gottseidank wird sie nicht verletzt.

Die Sache hinterlässt bei mir einen bleibenden Schock. Mein Fahrverhalten ändert sich danach völlig: Defensiv ist von nun an Trumpf, gerade an Kreuzungen.

Mit dem Diesel nach Schottland

Nun sind wir also Selbstzünderpiloten. Der altertümliche Motor mit seinem schmuddeligen silbernen Kopf, dem lauten Nageln und heftigem Schütteln im Leerlauf kommt mir nach dem modernen, durchzugsstarken M102 mit seinem schicken schwarzen Zylinderkopf furchtbar primitiv vor.

Die traurige 160-Kilometer-Skala des neuen Tachos (der gar nicht in den Wagen gehört hätte, da ja das alte 3,58er-Differential dringeblieben ist) macht unmissverständlich klar, dass wir nun in einer anderen Liga spielen. Wobei es die Nadel nicht mal auf 140 schafft. Gut, möglicherweise stammt der Tacho von einem 200D mit 3,92er-Übersetzung, was natürlich eine massive Unter-Eilung erzeugt haben dürfte.

Zu allem Überfluss trinkt der neue alte Motor unglaubliche Mengen an Öl, was ich bei der ersten längeren Fahrt nach Berlin eher zufällig bei einem Tankstellenstop entdecke. Alle etwa 550 Kilometer ist ein neuer Liter fällig. Wollten wir nicht Geld sparen mit der neuen Maschine?

Neue Ölstutzen auf dem Ventildeckel und eine neue Dichtung unter demselben bringen ebensowenig Abhilfe wie eine neue Dichtung am Ölfiltergehäuse. K. knöpft mir für eine Motorwäsche, um den Fehler zu finden, 75 Mark ab.

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Trotz seiner Trinksitten geht es mit dem Wagen wieder einmal auf große Fahrt. Am 6. September (214.091 km) breche ich zur zweiten Schottlandreise auf.

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Dunottar Castle. Schottischer und burgiger geht’s kaum, Eilean Donan Castle vielleicht mal ausgenommen. (Aber das ist ja nur eine Filmkulisse.)

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Wilde Büffelherden durchstreiften einst die unendlichen Weiden der Highlands.

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Erst ein Kurzbesuch in Edinburgh (…215.459 km…) bei Petra, danach mit ihr eine größere Rundfahrt durch die Highlands.

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Schottische Schafe am Straßenrand.

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Noch so ein schottisches Schaf…

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…und noch so eine schottische Ruine.

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Strome Ferry, ein Ort, der es sogar zu einer Erwähnung in einem Roman von Iain Banks gebracht hat. Und das ohne Fähre.

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Typische Single Track Road. Für den alten Dieselmotor ist das ständige Auf und Ab natürlich eine Qual.

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Noch ein Fotohalt an der Westküste.

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Die „Road to Applecross“ vom Norden her auf die Isle of Skye zu bietet einen Anblick, der für immer zu den schönsten meines Lebens zählen wird.

Bei der Rückkehr in Osnabrück steht der Zähler auf 218.400 km. Viel Straße in wenig Tagen: rund 3.700 Kilometer.