Skandiblog 7: Tiere, Kunst und Chrom

Meine naechste Station ist das oestlich von Goeteborg gelegene Borås. Kennt Ihr nicht? Macht nichts, ich auch nicht. Die groesste Stadt Vaestergoetlands (63.000 Einwohner) ist auch vor allem unter Experten fuer Textilien ein Begriff. PENTAX Image

Hier lag einmal das Zentrum von Skandinaviens Textilindustrie. Wie es der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten gegangen ist, als dieser Wirtschaftszweig den Bach runterging, kann man sich ausmalen.

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Doch die „Stadt der Vielfalt“, wie sie sich nennt, gefaellt mir besser als erwartet. An der Palmenpromenade am Stadsparken weht sogar ein Hauch von Karibik durch die Luft.

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Sogar in die Zukunft konnten sie gucken, die Einwohner: Am Wasserbecken am Radhaus kriecht ein die Krise der Textilwirtschaft symbolisierender Drache auf das Stadtwappen mit den Scheren zu. Wenn das mal nicht prophetisch war.

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Wasserschildkroeten am Brunnen auf dem Store Torget, dem Grossen Platz vor dem Rathaus. Die Boråsianer haben eine Schwaeche fuer Tiere, aber dazu gleich mehr.

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Denn im Moment haben sie vor allem eine Schwaeche fuer Kunst. So wie diese moderne Adaption von Stonehenge hier. Sie ist zwar nicht so gross wie das Original, dafuer kann man drauf sitzen.

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Manchmal macht Kunst schwindelig. Schlimm, wenn dann kein Steinstuhl in der Naehe ist.

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Dies dagegen ist Kunst im Stadtbild, wie man sie mag: Farbenfroh und abwaschbar. Eine Plastik im schoensten Sinne des Wortes.

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Doch Kunst muss gar nicht immer schwer verstaendlich sein. Was dieses Werk hier vor der Hochschule ist, erkennt jeder auf den ersten Blick. Ein typischer Student.

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Keine Kunst: Topaktuelles Tastentelefon in historischer Huelle.

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Doch zurueck zu den versprochenen Tieren. Borås hat naemlich auch einen Zoo. Den groessten in Westschweden und einen der ersten ueberhaupt, in dem die Tiere in grossen Freigehegen zusammen frei herumlaufen durften.

Zwei Stunden lang laufe ich selbst zwischen ihnen frei herum. In der schweren Motorradmontur schwitze ich mir abwechselnd einen Wolf (sagt man das so? Woelfe gibt es jedenfalls auch hier im Zoo) oder lasse mich vom obligatorischen Regen nassmachen.

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Dieser etwas melancholisch dreinblickende Falthirsch markiert leider (oder gottseidanke) meine einzige Begegnung mit skandinavischem Rotwild.

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Diese Tierchen erinnern daran, dass es bis zum Polarkreis nicht mehr weit ist. Hach, das Nordkap…

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Wesentlich naeher, naemlich nur 16 Kilometer vor der Stadt, liegt in Hedared die einzige erhaltene Stabkirche Schwedens. Dass sie nicht wirklich stabfoermig ist, sagt viel aus.

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In den winzigen Innenraum des Holzbaus gehen mit etwas gutem Willen rund 70 Personen hinein. Das reicht fuer eine Hochzeitsgesellschaft, wenn sich beide Familien gut verstehen.

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Wie mir die freundliche Fremdenfuehrerin erklaert, kann man sich in dem rund 500 Jahre alten Gotteshaus tatsaechlich trauen lassen.

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Abends gibt es dann noch etwas andere Altes zu bewundern, naemlich Chrom. Auf dem Store Torget findet ein Treffen von zwei- und vierraedrigen Oldtimern statt.

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Mit Chrom ist es bei dieser uralten unrestaurierten Indian allerdings nicht weit her. Dafuer kann sie mit der wohl imposantesten Handschaltung aufwarten, die ich je an einem Motorrad gesehen habe. Die Biker damals muessen dermassen harte Kerle gewesen sein, dass es heute einem Harley-Fahrer die Traenen ins baertige Gesicht treiben muesste.

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Suzukis Antwort auf die Gold Wing. Es geht eben alles auch immer noch ein bisschen vulgaerer.

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„Eins… zwei… drei… vier Zylinder… fuenf… SECHS ZYLINDER, HA HA HA!“ (Donnergeraeusch, Blitzezucken). Frage: Welche adlige Figur aus der Sesamstrasse sollte das sein?

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Doch es gibt nicht nur schweres Geraet zu belach-, aeh, bestaunen. Diese schmucke kleine Victoria Lux haelt die stolze Fahne der Einzylinder hoch.

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Von dieser Zuendapp kann man sogar behaupten, dass sie stolz ihre Zuendkerze hochhaelt.

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Weniger Motorrad als diese Apollo ist kaum noch vorstellbar.

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Natuerlich kann man das Untertreiben auch uebertreiben…

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Mit meinem eigenen Eintopf werde ich morgen frueh aufbrechen. Ich moechte um Vaettern- und Vaenernsee fahren und ueber Oslo nach Hønefoss. Das werden mehr als 600 Kilometer. Mal sehen, wie die Freewind das mitmacht. Und wie es mit dem Sitzfleisch der harten Fahrer von heute aussieht.

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