Sie nennen sie Zensursula

Oder Ursula von den Laien. Mit nichts hat die Bundesfamilienministerin die internetaffine Bevölkerung dieses Landes so gegen sich aufgebracht wie mit ihrem Plan, den Zugang zu kinderpornografischen Webseiten durch Stoppschilder zu erschweren.

Das hört sich zunächst sinnvoll und unterstützenswert an (wer wäre schließlich nicht dafür, solche Widerlichkeiten zu blockieren?). Bei näherem Hingucken entpuppt sich das geplante Gesetz jedoch als bloße Alibipolitik – die Sperren können kinderleicht umgangen werden, die Pädophilenszene dürfte sich kaputtlachen – mit dahintersteckendem Einstieg in eine großräumige Überwachung des Surfverhaltens weiter Teile der Bevölkerung.

Im zweiten Schritt können mit der neu aufgebauten Filter-Infrastruktur dann weitere missliebige Internetangebote gesperrt werden, etwa Musiktauschbörsen, Glücksspielseiten oder extremistische politische Webseiten. Was auch bereits von ersten Politikern gefordert wird. Vorbei wäre es mit der Kultur eines freien Internets. China lässt grüßen.

Ich erspare es mir jetzt, die lange Liste der Unsinnigkeiten des geplanten Gesetzes zu erläutern. Wer es geschafft hat, die heißen Debatten der letzten Monate komplett zu verpassen, gebe einfach „Zensursula“ bei Google ein. Als einziger von unzähligen Artikeln zum Thema sei „Die Generation C64 schlägt zurück“ von Christian Stöcker auf Spiegel Online genannt.

Nur auf eines möchte ich denn doch noch hinweisen: Die Frist für die Unterzeichung der Online-Petition beim Deutschen Bundestag endet morgen, am 16. Juni. Bislang haben über 127.000 Menschen unterschrieben (auch ich). Damit ist die Petition ganz knapp die zweiterfolgreichste aller Zeiten – nur eine Initative für billiges Benzin fand bislang noch mehr Unterzeichner.

Wem es am Herzen liegt, dass auch künftige Generationen freien, ungefilterten Zugriff auf das Internet haben, der sollte sich überlegen, ob er seinen inneren Schweinehund jetzt überwindet. Und zwar schnell. Wer’s nicht über sich bringt, verliert automatisch das Recht, sich über internetfremde und inkompetente Politiker aufzuregen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.