Hundert Jahre her

Halb versteckt auf einem Friedhof: Ein Grabstein erzählt von einer vergessenen Familientragödie vor hundert Jahren, aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Sechs Tage lang kämpfte der an der Westfront in Frankreich verwundete junge Soldat Albert Fischer, nicht einmal 23 Jahre alt, im Militärkrankenhaus in Nürnberg um sein Leben. Vergeblich. Im April 1915, neun Monate nach Beginn des großen Mordens, starb er. Zwei Jahre darauf, im Oktober des Hungerwinters 1917, folgte ihm ein Vater Ernst.

Der Schmerz der Anna Fischer, die erst den einzigen Sohn und dann den Mann zu Grabe tragen musste, ist der Inschrift auf dem Stein nur allzu deutlich anzusehen. Das Schicksal wollte es, dass die 50 Jahre alte Witwe ihren Gatten noch einmal um fast dieselbe Zeitspanne überleben sollte. Ob sie das wohl als Segen empfunden hat? Selbst ihre zehn Jahre jüngere Schwester Martha starb noch sechs Jahre vor ihr. Erst 44 Jahre nach ihrem Mann, im hohen Alter von 94 Jahren und einen weiteren Weltkrieg später, fand Anna Fischer im Jahr 1961 ebenfalls die letzte Ruhe.

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