Ans Ende der Welt (1): Gedankenspiele

Auch die längste Reise, sagt ein sicherlich chinesisches Sprichwort, beginnt mit dem ersten Schritt. Das ist nur die halbe Wahrheit, denn bevor der erste Schritt getan werden kann, muss die Reise geplant werden. Die längste Reise beginnt also mit dem ersten Gedanken an sie. Einem Gedanken wie diesem: Wohin komme ich, wenn ich so weit fahre, wie es geht? Zum Beispiel: so weit nach Norden wie möglich?In Zeiten von Google Maps ist die Frage so einfach beantwortet wie nie. Man kommt an diesen Ort:

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Das Ende der Welt in nördlicher Richtung heißt Nordkapp, in der Landessprache mit doppeltem P, und liegt auf der Insel Magerøya in der Provinz Finnmark in Norwegen.Auch die nächste Frage ist dank Google einfach beantwortet. Vom Aachener Europaplatz aus sind es genau 3186 Kilometer bis dahin. Einfach auf die A4, am Kreuz Köln-West links abbiegen auf die A1, dann immer nach Nordwesten Richtung Bremen und Hamburg. Der kleine Fährhüpfer von Puttgarden nach Rødby über die Ostsee bleibt das einzige Mal, dass wir den festen Boden verlassen müssen. Schon sind wir in Skandinavien, der Rest ist ein Pappenstiel: Malmö – Kopenhagen – Stockholm – Uppsala. Da haben wir dann auch schon fast die Hälfte geschafft. Die restlichen 1670 Kilometer geht es einfach weiter den Bottnischen Meerbusen hoch, über den nördlichen Polarkreis, ein Stück durch Finnland, ein Stück durch Norwegen, durch einen fast sieben Kilometer langen (und furchtbar teuren) Mauttunnel auf die Nordkapinsel, et voilà. Da sind wir schon.Aber was heißt: schon? Dem ersten Gedanken folgen weitere. Denn laut Google schafft man die Fahrt durch fünf Länder und halb Europa (zum Vergleich: bis zum Capo Passero auf Sizilien sind es gerade einmal 2333 Kilometer) in nur einem Tag und 13 Stunden. Das dürfte nur zu machen sein, wenn man beim Tanken den Motor nicht abstellt und die Rentiere auf der Landstraße so zügig umkurvt wie Maria Riesch die Slalomstangen von Whistler.

Das Nordkap. Wer schon einmal da war, sagt oft: Ganz schön öde, die Fahrt. Und oben gibt es nichts zu sehen, außer einem Besucherzentrum und einer langen, langen Reihe von Wohnmobilen, fein säuberlich auf einen Sonnenuntergang ausgerichtet, der im Sommer nicht einmal stattfindet. Lohnt das die Fahrt? Die Mühe? Das Geld?

Der Weg ist das Ziel, sagt ein anderes Sprichwort. Vielleicht ist es besser, das Nordkap nicht als Höhepunkt, sondern als Anfang der eigentlichen Reise zu verstehen. Die fast 3200 endlosen Autobahn- und Landstraßenkilometer als Vorspiel. Die eigentliche Reise würde dann am Kap beginnen und nicht auf dem selben Weg zurückführen, sondern viel weiter westlich verlaufen: die norwegische Küste entlang. Atemberaubende Fjorde, steile Schluchten, Gletscher und Wasserfälle, Serpentinenstraßen, Meerblick. Vielleicht ein Abstecher auf die Lofoten? Wale beobachten? Das wäre eine Reise! Dafür könnte man sich auch gut und gerne zwei, drei Wochen Zeit lassen. Wann kann ich mir dieses Jahr eigentlich Urlaub nehmen?

Den ersten Überlegungen folgen Erinnerungen. An die Norwegenfahrt vom Juni 2008 (siehe 2008-06: Skandinavien).

Blick vom Preikestolen den Lysefjord hinauf
Blick vom Preikestolen den Lysefjord hinauf
Marc auf dem Preikestolen
Auf dem Preikestolen

Die Überlegungen verfestigen sich, werden von vagen Gedankenspielen zu konkreten Plänen. Mit dem Auto kann es jeder, wenn auch vielleicht nicht in einem Tag und 13 Stunden. Nein, es muss schon wieder mit der Freewind sein, wenn man dereinst am prasselnden Kamin die Enkelkinder beeindrucken will. Mit Zelt und Schlafsack. Durch Sonne und Regen. Den Wind spüren und mit der Nase das fremde Land erschnuppern. Schnell hin, gemütlich zurück.

Einmal ans Ende der Welt also. Der Gedanke ist gefasst. Die längste Reise hat begonnen.

6 Antworten auf „Ans Ende der Welt (1): Gedankenspiele“

    1. Öhm – hab ich nicht irgendwo gelesen, Kirkenes wäre das langweiligste Kaff der Welt?

      Lohnt sich doch, die Ecke?

      Wär mir nur diesmal ein bisschen viel. Nordkap und norwegische Westküste auf einmal muss reichen.

  1. Hi Marc,

    macht echt Spaß Deine Berichte zu lesen. Bin dadurch wieder an den Besold mit seinem braunen Benz erinnert worden und war total überrascht, dass er neue Brichte geschrieben hat und inzwischen sogar verheiratet ist. Nach der Weltenbummelei ist er fast schon Geschäftsmann in L.A. und überlegt was er alles neu machen kann an seinem W123. Was für ein Wandel ! Seine Reisen nach Nahost wecken schon die Lust auf Abenteuer. Hab mich glatt dabei ertappt im W124 Forum nach dem Begriff höherlegen zu suchen ;-). Siggi hat ja auch meinen Benz in der Mache gehabt, hat alles gut geklappt und er hat sogar noch extra einen fehlenden Schalterknopf vorbeigebracht. Ich werd dieses Jahr noch mit der BMW R100RS mit einem Kumpel nach Irland übersetzen und bin schon richtig gespannt auf den Trip. Kannst mir ja mal Deine Checkliste fürs Mopped von der Nordkaptour zukommen lassen (was man alles mitnehmen sollte und was nicht), werd ich sicher gut gebrauchen können. Hoffentlich bis bald mal,

    beste Grüße

    Christian

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