Glücklichsein mit Pflanzenöl

Eine kleine Anleitung

  • Beim freundlichen Kfz-Zubehörhändler einen Dieselhauptfilter kaufen (etwa 7 Euro) sowie einen Vorfilter (etwa 1,49 Euro). Einen 22er-Maulschlüssel zum Wechseln des Ersten (hey, keine Garantie, messt vorher nach!!) und einen Kreuz- oder Schlitzschraubenzieher zum Tausch des Zweiten organisieren. Alle vier Gegenstände gut erreichbar im Wagen deponieren. Vielleicht das Wechseln mal üben, damit das schnell über die Bühne geht, zumal es mit Sicherheit im Ernstfall regnet und man ein nörgelndes Weib im Wagen hat.
  • Zum Supermarkt des Vertrauens fahren. Drauf achten, dass der Tank höchstens halb oder viertelvoll ist, weil man sonst nicht wirklich mischen kann. Pflanzenöl kostet eigentlich flächendeckend 75 85 Cent. Einen Kasten davon käuflich erwerben. Den Inhalt in den Tankstutzen einfüllen, möglichst keine Plastikringe in die Öffnung flutschen lassen (wär aber auch kein Grund, den ADAC zu rufen – wir haben ja ein Sieb da unten). Die Blicke der anderen Kunden standhaft ignorieren. Ganz selbstverständlich tun.
  • Fahrzeug anlassen. Finger in die Ohren stecken, falls der Motor zerknallt.
  • Da nichts zerknallt, Finger zögerlich aus den Ohren nehmen. Ein paar Minuten warten, bis das flüssige Gold den Motorkreislauf geflutet hat. Der Motorlauf wird sich eventuell leicht verändern. Am Auspuff schnuppern. Komisch, Pommes duften anders. Der Benz riecht eher angebrannt.
  • Vorsichtig anfahren. Mit nervösem Abzugsfinger auf dem Warnblinker, falls man mal plötzlich mit lichterloh brennendem Motorraum rechts ran muss.
  • In den Folgetagen häufiger mal hektisch das Radio ausdrehen, weil „da so ein komisches Geräusch“ war. Ist aber nie was. Der Endorphinspiegel im Blut steigt auf ungeahnte Höhen. Ungläubig realisieren, dass man sich soeben aus einem der grundlegendsten Zwänge der Industriegesellschaft ausgekoppelt hat: dem Ausgeliefertsein an die Ölkonzerne. Der Blick auf die Preisaushänge der Tankstellen löst schamhaft wahrgenommene Schadenfreude aus.

Die vier Hauptargumente gegen Pöl sind ja auch:

1. Sowas hab ich ja noch nie gehört!
2. Wenn das so gut funktionieren würde, warum macht’s dann nicht jeder?
3. Sie wissen aber, dass das illegal ist, was Sie da tun?
4. Sehr umweltfreundlich ist das aber nicht, mit den ganzen Plastikflaschen!

Die Antworten:

Zu 1: Selbst schuld. Wer bin ich, jemanden zu seinem Glück zu zwingen?

Zu 2: Keine Ahnung. Leute sind halt komisch. Warum lassen sich plötzlich Millionen von Frauen nahezu identische, potthässliche Tattoos auf den Steiß tätowieren?

Zu 3: Das verwechseln Sie mit Heizöl, guter Mann. Aber wo wir schon dabei sind, darf ich mal einen Blick in Ihre letzte Steuererklärung werfen?

Zu 4: Klar, es ist viel umweltfreundlicher, 60 Kilo unersetzliche fossile Brennstoffe gleich komplett zu verbrennen und dabei kräftig Giftstoffe in die Atmosphäre zu blasen (und den Mineralölkonzernen die Kassen zu füllen), als 60 Kilo nachwachsende, CO2-neutrale Biomasse zu verfeuern und 1 Kilo Plastifklaschen ins Recycling zu geben (und den Rapsbauern um die Ecke zu unterstützen).

Und damit endet diese kleine Geschichte. Ich müsste noch anfügen, dass ich nicht weiß, ob die uralten Glühkerzen aus den Siebzigern (die mit der Drahtwendel) wirklich gut bei Pöl zünden. Ich hab moderne Bosch Duratherms drin, die verkürzen auch die Vorglühzeit mächtig. Dazu ein Nachglührelais, das die ersten drei Minuten die Kerzen weiterglühen lässt. Das erleichtert die Kaltstartphase ungemein, insbesondere bei Pöl. Ein Nachglühset mit vier Kerzen und Relais kostet übrigens etwa 85 Euronen.

Es mag aber auch ohne gehen – man merkt das ja beim Starten. Dass er mit Pflanzenöl etwas schwerer anspringt, ist normal. Nach ein paar gefahrenen Metern sollte er schnurren wie immer.

Ach ja, Filterwechsel ist nicht verpflichtend: Ich fahr jetzt schon seit fast 10.000 Kilometern immer noch mit den ersten Filtern, tanke aber auch nur Lebensmittelöl aus Einliterflaschen. Alle weiteren Umbauten (Wärmetauscher, Elektro-Vorheizer usw.) sind meines Erachtens Luxus, auch wenn ich meinem QP aus Spaß an der Bastelei nach und nach das eine oder andere davon gönnen möchte, etwa dickere Spritleitungen.

So langsam glaube ich, ich sollte mal einen dieser so beliebten Disclaimer einfügen: Alle Angaben wie immer ohne Gewähr. Pöl kann Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung schweren Schaden zufügen. Pöl tötet. Nach dem neuen EU-Recht kann ich keine zweijährige Gewährleistung für gelieferte Informationen übernehmen. Keine Haftung für dritte Zähne. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

[Originaltext geschrieben 2006 für die Database des W123-Forums]

Die Weltmeisterfahrt – und die humpelnde Heimkehr

28. Juni (300.167 km): Ölwechsel. 6 Liter Liqui Moly 10W40 MOS2-Leichtlauf, mit neuer Ölwannendichtung. Hutablage gereinigt.

ca. 301.910 km: Fahrt nach Stuttgart, zur Hochzeit von Christian T.. Nach dem Fußball-WM-Sieg über Argentinien in der Stadt noch mitgefahren im Jubel-Korso. Einmal im Leben muss man das mitgemacht haben – ich kaufe sogar so ein Fähnchen für das hintere Seitenfenster. Was für eine Stimmung!

Dabei fällt beim Fahren allerdings starkes Ruckeln auf. Trotzdem geht es anschließend weiter nach Österreich, zur Fliegerarzt-Untersuchung. Auf der Rückfahrt wird das Ruckeln stärker. Irgendwann treten im fünften Gang mahlende Geräusche auf. Im Rückspiegel ziehen wir eine Rauchfahne hinter uns her. Dann lässt sich der fünfte Gang nicht mehr schalten. Zum Schluss fällt der Tacho aus. Offensichtlich geht das Getriebe in die Binsen.

Da wir zu dem Zeitpunkt schon den Kater an Bord und keine Lust haben, mit Katze, Sack und Pack auf einem nächtlichen Standstreifen liegen zu bleiben, fahre ich gnadenlos durch. Im vierten Gang wird schließlich nicht übersetzt…

Und am folgenden Tag hält das morsche Getriebe sogar noch bis zu Siggi. Der Wagenboden ist mit Goldflitter gesprenkelt. Das Getriebe ist aber wohl im Eimer. Zum zweiten Mal.

Frisch gedämpft und hoch den Po

Mittwoch, 31. Mai: Der Wagen bekommt neue Stoßdämpfer hinten (Fabrikat Armstrong aus England, Ebay, 37 Euro) und neue Distanzpuffergummis für die Federbeine hinten (drei Noppen, genau wie vorne – er stand hinten einfach irgendwie immer etwas zu tief). Da ich Rückbank und Hutablage eh schon draußen habe, will ich sie auch saubermachen. Die Hutablage ist irre dreckig und natürlich total ausgeblichen. Belgisches Wundermittelchen macht sie zumindest wieder sauber.

Die Hinterachse rumpelt und rötert furchtbar, so ohne dämpfende Bank drüber…

Fotoshooting

Der Tag geht dann noch weiter. In Bielefeld lichtet Roman die Benze von Steffen und mir in einem stillgelegten Industriegelände in Brackwede stilvoll und gekonnt ab. Sofern man von „Licht“ sprechen kann…

fotoshooting1Die Location

fotoshooting2Die Komparsen

fotoshooting3Der Set

fotoshooting4Der Mann am Objektiv

Die Ergebnisse jedenfalls sprechen für sich.

Windelbunker

Dieses Bild wird später sogar in einem Kalender veröffentlicht.

Von der Drittserie lernen heißt siegen lernen

23. Mai (296.360 km): Drittserienrostschutz rult. Der Moorbraune bekommt von Siggi zwei bei H. gekaufte Innenkotflügel in die vorderen Radhäuser eingebaut.

Siggi schweißt, hämmert, bohrt und lackiert auch einen hübschen Halter für die Blumenvase mit der Plastik-Rapsblüte:

blumenvase

Außerdem werden die überlangen Bremsschläuche vorne duch Gummipuffer auf Distanz zum Radhaus-Blech gebracht, an dem sie bisher gescheuert haben. Folge: 2 x 30 Euro für neue Bremsschläuche gespart. Es ist mal wieder ein langer Werkstattbesuch: Insgesamt bin ich von 14.30 bis 21 Uhr da.

Die bei Ebay ersteigerte Außentemperaturanzeige funktioniert nicht. Nix geht: Tempomat, Drehzahlmesser, Temperaturanzeige, Sitzheizung – sogar die Kombiinstrumentenbeleuchtung ist ausgefallen.

Aus Frust baue ich das gute alte Becker-Radio wieder ein. Das geht. Nur die Antenne fährt nicht mehr ein. Es ist zum Schreien.

Innenraumgefruckel

18. Mai (296.087 km) und Folgetage: Es tropft leider immer noch in den Kofferraum. Dafür bastele ich am Kombiinstrument rum: Drehzahlmesser kommt wieder rein (Philipp S. hat ihn mir „umgedieselt“), jetzt mit einer originalen Chromkappe drauf (7,90 bei Mercedes – war wohl eine der letzten lieferbaren überhaupt! Roman R. hat zwei Wochen später keine mehr bekommen), dazu die Außentemperaturanzeige (Ebay, 20-30 Euro oder so) in einem Kassettengehäuse und eine Anhängerkupplungsblinkeranzeige, zurechtgekratzt aus einer ABS-Leuchtanzeige.

Bei Holger H. kaufe ich einen extragroßen Wischwasserbehälter (10 €), einen Unterdruckbehälter (10 €) und zwei Innenkotflügel (30 €). Eine Wischwasserdüse auf der Beifahrerseite mit zwei Spritzöffnungen kommt auch rein. Und ein Satz Armaturenbrett-Holzblenden (4tlg.), die ich für 20 Euro mal günstig bei Ebay erstanden habe. Sind dunkler als die ausgeblichene (und etwas vermackelte) Originalleiste. Passt jetzt besser zu Lenkrad und Schaltknauf.

25. Geburtstag

13. Mai: Das Coupé mit é wird 25!!! Happy Birthday!
(295.770 km) Zur Feier des Tages gibt es bei Siggi eine neue Heckscheibendichtung (Ebay, Nachbau aus Minden, 80 Euro). Die Überschwemmung im Kofferraum ist nicht mehr auszuhalten.

Der Wechsel ist ein ziemlicher Akt. Erst die alte Dichtung in Streifen schneiden, bis man den Alu-Rahmen in Teilen voooorsichtig herausziehen kann. Dann die Scheibe von innen rausdrücken und auf den Kofferraum legen. Große Freude: Der untere Scheibenrahmen war nicht, wie befürchtet, durchgerostet. Keine Spur von Flugrost! Das Wasser kam ganz „ordnungsgemäß“ durch ein kleines Ablaufloch links unten. So eine Art werksmäßige Dichtungswechselanzeige.

Nun die neue Dichtung auf die Scheibe draufdrücken. Dann den – natürlich – verbogenen neuen Chromrahmen in die Dichtung gequetscht (war ein neuer gebrauchter aus einem Satz Coupéchrom, das ich mit Petra im vergangenen Jahr aus Hamburg abgeholt hatte und das gerade mal 20 Euro oder so gekostet hat). Das ist ein ziemlicher Kraftakt. Durch eine Art Widerhakenkante geht der Rahmen nur schwer ins Gummi.

Wenn endlich alles sitzt und halbwegs passend gedrückt ist, wird die Dichtung und der Fensterrahmen mit Gleitmittelspray eingenebelt.

Dann kommt der Trick mit der Wäscheleine. Dort, wo die Stahlkante des Fensterrahmens in die Dichtung kommen soll, wird eine Wäscheleine in die Dichtung gedrückt. Einmal ganz rum und dann die Enden festkleben, damit sie nicht wieder rausflutschen. Die Enden treffen sich unten.

Dann die Scheibe in ihre Öffnung legen. Während nun von innen jemand die Wäscheleine rauszieht und sich dadurch die Gummidichtung öffnet, wird von außen die Scheibe nach unten und vom Dach abwärts auf die Blechkante gedrückt. Vorsicht, die Wäscheleine zieht die Scheibe gern ruckartig aufwärts. Es wird nun immer dort abwärts und „rückwärts“ gedrückt, wo die Wäscheleine rausgezogen wird. Am besten unten anfangen, damit die Scheibe durch ihr eigenes Gewicht in den Rahmen gedrückt wird. Also erst unten linke Seite, dann unten rechte Seite, dann Rahmen links hoch, Rahmen rechts hoch, Dach links, Dach rechts – so ungefähr. Zum Schluss die Scheibe noch festhämmern und -klopfen. Sie zieht dann sogar den verbogenen Alurahmen in Position. Verbindungskappen auf die beiden Rahmenteile oben in der Mitte draufschieben, fertig!

Das Ganze hat von etwa 18 Uhr bis 22.30 Uhr gedauert. Allerdings mit Unterbrechung, weil ich den Scheibenrahmen (aus Vorsicht) dick mit Rostumwandler beschmiert habe.

Differentialwechselversuch

Samstag, 6. Mai (295.513 km). Wieder Großkampftag bei Siggi um 10 Uhr morgens. Das bei Ebay ersteigerte 3,69-Differential ist innen mit Fett gefüllt – klares Indiz für Geräuschdämmungsmaßnahmen. Wird nicht eingebaut. Die Heckscheibendichtung wird auch nicht gewechselt, denn da möchte ich lieber die schöneren Chromrahmenteile einbauen.

Dafür wird das Servolenkungs-Öl gewechselt und erstmalig da ein Filter eingesetzt (Typ Mann H 85). Auch die Ventildeckeldichtung kommt neu (die ist schon mindestens einmal zu oft wieder verwendet worden). Ach ja, und der Tempomat von Ebay wird eingebaut! Leider tut er es nicht – vermutlich ist das Steuergerät erwartungsgemäß kaputt (es ist schon mal gewaltsam geöffnet worden). Und ich fange mal an, die Original-Fuchs-Felgen abzubeizen. Eine Schweinearbeit.

Die Entdeckung der Füchse

29. April (295.080 km): Neue Prallplatte für das Zebrano-Leder-Lenkrad (Holger H.). Neuer Gasgestänge-Halter mit Tempomat-Halte-Öse. Neue Lenkrad-Zentrierschraube von MB.

Und die erstaunliche Bestätigung: Die vier Alufelgen, die ich ca. 1999 für die S-Klasse bei Holger gekauft habe, sind Fuchs-Felgen! Und passen beim Moorbraunen.

Pöl-Problem

24. April (295.596 km): Unangenehmes Erlebnis auf der Autobahn nach Paderborn: Bei 160 km/h und nicht mehr viel Pöl im Tank (ca. 15 Litern) kommt plötzlich das schon mal erlebte Gas-Weg-Erlebnis – kein Sprit mehr. Doch er fängt sich auch bei weniger Geschwindigkeit nicht mehr. Der Wagen erreicht gerade noch einen Rastplatz.

Im Leerlauf nagelt er normal, bei etwas mehr Gas kommt ein fieses Kreischen – wie ein Keilriemen. Panik: Ist die Einspritzpumpe im Eimer? Ist das jetzt der Pölschaden? Irgendwas aus Richtung Ansaugtrakt schnorchelt komisch – ich reiße die Isomatte aus dem Luftfilter wieder raus. Als ich den Schlüssel abziehe, geht der Wagen zuerst nicht aus. Was ist da los?

Da ich sonst nichts machen kann, wechsele ich den Hauptfilter (zum ersten Mal, seit ich mit Pöl fahre) und kippe den Diesel aus dem Reservekanister in den Tank. Dann ganz vorsichtig, die nächste Abfahrt runter. An der nächsten Tankstelle fülle ich mit Diesel auf (nach Ewigkeiten zum ersten Mal). Auf der Weiterfahrt und bei der Rückfahrt am Abend ist wieder alles wie gewohnt. Hat das Coupé Selbstheilungkräfte? Hauke aus’m Forum hatte recht: Selbstzünder sind unheimlich.