Zwei Legenden vereint

Kodak Retina, Nr. 117, gebaut 1934. Made in Stuttgart. Mit Schneider-Kreuznach Xenar 3.5 50 mm und Compur-Verschluss bis 1/300 Sekunde. Die erste Kamera überhaupt, die für Kleinbild-Filmpatronen gebaut wurde. Mitte der 1930er Jahre das Aufregendste, das sich ein normaler Amateurfotograf in die Jackentasche stecken konnte. Fast ein Jahrhundert alt und funktioniert noch wie ein Uhrwerk. Einer der ganz großen Meilensteine in der Geschichte der Fotografie.

Original Wolfen ORWO NP 100, hergestellt 2026. Made in Bitterfeld-Wolfen. Ein Schwarzweißfilm von heute. Mit einem der ganz großen Namen aus der Geschichte der Fotografie, aus einem Industriestandort von Weltruf.

Legenden sterben nicht, sagt man, sie verblassen höchstens. Diese hier lebt.

Die Kleinste unter den Großen

Sucherkameras – also Kameras ohne Messsucher zum Scharfeinstellen des Motivs – waren mir immer suspekt. Wenn man nicht mit offener Blende und geringer Tiefenschärfe spielen kann (so wie oben im Bild, das mit einer Sony A7C bei Blende 4 aufgenommen wurde), weil man den scharfen Bildbereich zu Sicherheit lieber zwei, drei Meter tiefer einstellt, dann macht das Fotografieren keinen Spaß. Blende 8 und alles scharf kann ja jeder. Dachte ich.

Heute habe ich zum ersten Mal einen 200er Fomapan in die frisch überholte Rollei 35 gespult (wie einfach das geht) und sie mit zu einem Fotowalk durch Aachen genommen. Okay, wie oft ich mit dem Entfernungschätzen falsch gelegen habe, werde ich noch sehen, wenn die Bilder fertig sind. Aber einen Heidenspaß hat es gemacht. Der Zigarettenschachtelgroße Winzling von 1966 ist ein Wunderwerk feinmechanischer Präzision. Alles passt, klickt, ratscht und rastet so perfekt ein, dass es eine Freude ist. Erst jetzt verstehe ich, warum diese Klitzekamera jahrzehntelang so ein Riesenerfolg war. Auch wenn es im Angesicht des Motivs heißt: Schätzen, nicht Scharfstellen.