
Wenn man schon mal da ist, dann muss man auch versuchen, ein Foto zu machen. Und wenn man sich ein Behelfsstativ aus Schlüsselbund und Kameragurt zurechtfuddeln muss.
Na, wo war der Aufnahmeort?

Da vorne wird's hell
„Am Sonntag bin ich in die Pilze!“ – Diesen Satz, geschrieben von einem schon etwas angejahrten Mitbürger auf einer öffentlichen Plattform, allerdings in etwas weniger fehlerfreiem Deutsch, diesen Satz musste ich mehrere Male lesen, um ihn zu verstehen.
Was meinte der gute Mann? Er war natürlich zum Pilzsuchen im Wald gewesen, im Volksmund auch „in die Pilze gehen“ genannt. Wenn man diese schöne Redewendung nicht kennt, starrt man auf der Suche nach Sinn und Grammatik auf die Worte, die ersteren nicht zu ergeben scheinen und letzterer ermangeln.
Andere Leute dagegen gehen in den Wald und landen in den Pilzen, ganz ohne es geplant zu haben. So wie ich am vorletzten Wochenende.
Seit fast zehn Jahren bin ich regelmäßig im Öcher Bösch zu Gast (hartnäckigen Lesern dieser Seite sind meine Schwärmereien ür dieses Fleckchen Aachen ja mittlerweile sattsam bekannt). Aber ich kann mich nicht erinnern, jemals einen so unglaublichen Reichtum an Pilzen gesehen zu haben wie an diesem Sonntagnachmittag.
Pilze aller Sorten, aller Größen, aller Farben streckten ihre Kappen aus den Blättern am Boden heraus, an abgefallenen Ästen vorbei, an vermodernden Baumstämmen hinauf.
Hinter jeder Wegbiegung versteckten sich neue Formen, bei jedem Blick zwischen die Bäume leuchteten andere Hüte aus dem Zwielicht des Waldbodens.
Mancher Einzelkämpfer drückte seine Kappe an vermodernden Ästen vorbei, ein paar Schritte weiter quollen ganze Pilzwolken aus dem Moos.
Noch einen Schritt weiter – puh, der Kollege hier ist nicht nur zu sehen, sondern auch zu riechen: eine dicke Stinkmorchel.
Es gibt fröhlich-bunte Fliegenpilze in Rot und diesen eleganten Genossen in zartem Pastell.
Mancher Pilz fiel selbst schon wieder seinem weniger imposanten Cousin, dem Schimmel, zum Opfer.
Dieser mächtige Zunderschwamm wird schon den einen oder anderen Winter überstanden haben.
Ich war froh, an diesem Tag ein Makroobjektiv dabei gehabt zu haben: ein Carl Zeiss Jena Prakticar 2.8 55. Es war die Premiere für dieses erste und einzige Makroobjektiv aus der ehemaligen DDR.
Keine einfache Premiere, denn bei den schwierigen Lichtverhältnissen an diesem Nachmittag war, weil ich kein Stativ dabei hatte (und auch nicht die Zeit gehabt hätte, eines aufzubauen), jedes Bild ein Kompromiss: Zwischen möglichst kurzer Belichtung, um noch aus der freien Hand zu fotografieren, und möglichst kleiner Blende, um wenigstens noch ein paar Millimeter mehr Tiefenschärfe zu bekommen.
Bequem ist das Ganze nicht gewesen. Wer Makrofotos im Wald machen will, nimmt besser Kniepolster, ein Kissen oder sowieso ein kleines Stativ mit. Dazu gutes, stabiles Schuhwerk und eine Hose von verzichtbarer Reinlichkeit.
Der Variantenreichtum der Motive entschuldigt hoffentlich für die technischen Schwächen der Bilder. Schwarze Pilze, weiße Pilze, rotbraune Pilze, schlanke und knollige, mit abgeflachten Hüten oder runden – schon verrückt, was die Natur an diesem Tag alles aufgeboten hatte.
Die Frage kam auf, ob irgendwas davon essbar sei? Aber nein, die Chance, die neue Woche gekrümmt im Bereich Sanitärkeramik zu beginnen, hielt von spontanen kulinarischen Selbstverwirklichungen ab. Überhaupt, ich kann ja gar nicht kochen.
Muss ja auch nicht sein – schließlich ist auch der Anblick der mal zierlichen, mal knubbeligen kurzlebigen Zeitgenossen schon ein Genuss für sich.
Sind gerade Pilzexperten hier? Ich bin dankbar für jede Artbestimmung. Das erspart mir das Googeln und Vergleichen. Erzählen könnt ihr mir sowieso alles.
Der Spätherbst ist grundsätzlich ja eher nicht so meine Jahreszeit. An diesem Tag aber hat er mich überrascht – diese Farbenvielfalt hatte ich so noch nicht erlebt.
Danke dafür, lieber November. Bist doch nicht ganz so trüb und übel, wie ich dachte. Nächstes Jahr gerne wieder. Und jetzt – sorry für den Kalauer – lass dir die Sporen geben. Damit es fix endlich richtig Winter wird. Über Pilze freue ich mich dann auf dem Teller…





Ich kann einfach nicht dagegen an: Ob Dampfmaschine oder Mechanikwebstuhl – wenn es Handkurbeln und Schwungräder hat und ölig glänzt, schmelze ich dahin wie Zinn im Hochofen.

Den richtigen Moment einzufangen und ihn perfekt ins richtige Bild zu setzen: Das ist es, was den wahren Fotokünstler vom Anfänger unterscheidet. Ein flüchtiges Geschehen im Bruchteil einer Sekunde zu erfassen, zu beurteilen, die Kamera in Stellung zu bringen, Bildwinkel und technische Einstellungen in einem Wimpernschlag ideal umzusetzen, um dann genau im entscheidenden Moment auf den Auslöser zu drücken. Ein fallendes Blatt so abzulichten, dass es in vollkommener Beziehung zu dem Ast steht, von dem es sich gerade gelöst hat, dem blauen Himmel, durch den es fällt, und dem Hintergrund, der dem ganzen Bild Halt und Rahmen gibt. Das, meine Damen und Herren, ist wahre Größe, ist wahre Kunst.
Uns blutigen Anfängern hilft es, wenn das Blatt an einem Spinnwebfaden festhängt.








Bummel durch die Ex-Bundeshauptstadt unter besonderer Berücksichtigung des Botanischen Gartens.

Es lässt sich beim Ersteigern von alten Objektiven auf Ebay nicht vermeiden, dass hin und wieder noch eine alte Kamera dranhängt. Oft sind diese Kombinationen sogar günstiger, weil Objektivsammler nicht in die Kamera-Rubrik schauen. Die Gefahr dabei ist allerdings, frei nach Nietzsche: Wenn du dir die schwarzsilbernen Schönheiten aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu lange anschaust, schauen sie irgendwann in dich zurück. Und bringen dich dazu, in einen Drogeriemarkt zu gehen und dich – höflich und etwas vorsichtig, als frage man nach Gummiartikeln zur höchstspersönlichen Freizeitgestaltung – nach etwas zu erkundigen, was du seit etwa zwölf Jahren nicht mehr gekauft hast.
Filme, Sie wissen doch. Nein, keine DVDs, ich meine diese altmodischen Rollenfilme, die man früher in Kameras tat. Kennen Sie sowas gar nicht mehr? Haben Sie die noch?
Verschämt versteckt sich ein Dutzend kleiner Schachteln ganz außen in einer Ecke eines Regals – was für ein kümmerlicher Rest der einst so allgegenwärtigen Analogfotowelt. Ganze vier verschiedene Sorten gibt es noch, von 100, 200 und 400 ASA, dazu eine Schwarzweiß-Variante. Entwickelt wird der Spaß heutzutage für 3 Euro, Foto-CD inklusive.
So schnell verschwindet eine komplette, gut hundert Jahre alte Industrie samt ihren Fotoabgabetresen in jedem Supermarkt, den Großregalen mit Dutzenden von Filmsorten, Doppel, Fünffach- und Familienpackungen und dem ganzen Zubehör. Erinnert ihr euch an die Zettel, auf denen man ankreuzen musste, ob die Abzüge matt oder glänzend sein sollten? 9 mal 13 (billig, aber jämmerlich klein) oder 10 mal 15 (ausreichend groß, aber für einen kompletten Urlaub arg teuer). An die Umschläge mit den Negativstreifen, die immer in die falsche Reihenfolge gerieten?
Wie lange das her ist. Jetzt schaue ich etwas ratlos auf das Aufwickelröllchen im Gehäuse der Exa und weiß nicht mal mehr, wie man den Film dort einfädelt. Immerhin, ein Gutes hat das Digitalzeitalter: Dank Youtube, Fachforen und den Webseiten der Kamerafreaks und Bastler gibt es für jedes Modell ausführliche Anleitungen, Dokumentationen und Tutorials.
Also, Fotografie nach alter Väter Sitte: Ich war lange weg, aber jetzt bin ich wieder da. Schön, dass du auf mich gewartet hast. Kann losgehen jetzt. Äh, wie stellt man eigentlich die richtige Belichtung ein, so ohne Display?
Die Mittelformatigen (hinten links und rechts): Pentacon Six TL (1966-90) und Zeiss Ikon Nettar II 516/17 (1951-53)
Die Kleinbildenden (vorne links, Mitte und vorne rechts ): Zeiss Ikon Pentacon (1956-61), Rolleiflex SL35 (1970-1972) und Ihagee Exa (1959-69).