Neues vom indischen Subkontinent

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Kennen Sie das Kaschmir-Gefühl? Kaschmir, das muss man vorwegschicken, ist eine landschaftlich überaus reizvolle Region nordöstlich von Pakistan, nordwestlich von Indien und südwestlich von China. Genau das ist ihr Problem. (Was das mit Aachen zu tun hat, erkläre ich weiter unten.)

Denn von ihren herrlichen Bergen und wunderschönen Seen haben die Kaschmiri, wie sich die freundlichen Einwohner nennen, nicht viel. Seit Indien und Pakistan vor über 60 Jahren unabhängig wurden, liegen sich die beiden Mächte über Kaschmir böse in den Haaren. Dreimal – 1948, 1965 und 1971 – gab es schon Krieg. Natürlich herrscht auch keine Klarheit darüber, was und wo genau Kaschmir eigentlich ist. Weil das alleine noch nicht kompliziert genug wäre, mischen noch ein paar Terroristen, die üblichen religiösen Extremisten und natürlich die Chinesen mit.

Derzeit ist die malerische Bergregion von indischen Truppen besetzt. Diszipliniert halten sie sich an die Jahrtausende alte Tradition, dass Besatzungssoldaten in ihrem Gastland nicht allzuviele Beliebtheitspunkte sammeln sollten. Die Einwohner Kaschmirs selbst, die sich am liebsten in einem eigenen, von allen Nachbarn unabhängigen Staat dem Bau von Hausbooten und der Verarbeitung ihrer berühmten Kaschmir-Ziegenwolle widmen würden, werden in der ganzen Angelegenheit natürlich nicht gefragt. Wo käme man hin.

Das Kaschmir-Gefühl, um wieder zum Anfang zurückzukommen, ist also die Gewissheit, hilflos fremden Mächten ausgeliefert zu sein, seit Ewigkeiten nicht mehr selbst entscheiden zu dürfen, was gut für einen ist und ständig unfreundlichen Leuten zu begegnen, die einen herumkommandieren.

Mir ist schleierhaft, wie ein Hersteller von Hautpflegeprodukten auf die Idee kommen kann, von einem derartigen Gefühl in der Badewanne überkommen zu werden, sei wünschenswert. Dennoch habe ich soeben in einem von mir sehr geschätzten Aachener Supermarkt ein Produkt entdeckt, das derartiges vorspiegelt:

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Supermärkte – was wäre ein Blogger ohne ihren steten Quell an Inspiration. Ich sage nur eckiges Rührei und marktwirtschaftliche Neuerungen. Jetzt also Kaschmir-Momente. Ob schon jemand ein Patent auf Sauerländer Pralinen oder Sushi à la Napoli angemeldet hat? Norwegischen Karamelkäse gibt es ja leider schon.

Wer mir jetzt oberschlau unter die Nase reibt, im Englischen werde die Region heutzutage nur noch „Kashmir“ geschrieben, während die alte Schreibweise „Cashmere“ sich ausschließlich auf die Wollprodukte beziehe, den frage ich höflich, ob er denn das Gefühl schöner findet, in Ziegenhaaren zu baden. Na also.

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