Die erste Tour auf Pöl

Samstag, 30. Juni (291.375) bis Sonntag, 1. Juli: Fahrt Bielefeld – Wermelskirchen – Aachen – Bielefeld, die erste Tour mit 100 Prozent Pöl. Die Kiste rennt immer noch lockere 150 bis 160 Sachen und das wunderbar leise. Zum Dank bekommt er danach ein funktionierendes Becker-Radio verpasst (das vom Schrottplatz in Bramsche, von dem ich seit ca. 1997 dachte, es wär kaputt), das am Ende sogar funktioniert! Das Blaupunkt Paris von 1993 (?) ist damit Geschichte. Auch das Holz wird mal poliert. Neue Wischgummis (4,-, Real).

Untern Chrom geguckt

Dienstag, 28. Juni (291.288 km): Wieder zu Siggi, LiMa-Keilriemen getauscht (der 1050er ließ sich nicht weiter spannen. 1025 x 13 passt ziemlich perfekt). Kennzeichenleuchte rechts neu. Radchrom hinten abgeschraubt – eieiei, drunter sieht’s nicht gut aus.

Wenigstens kreischt der Wagen nicht mehr. Außerdem läuft er auf der Bahn locker 150 bis 160, er scheint Pöl echt zu mögen. Zum Dank kriegt er weitere 15 Liter. „Sowas hab ich noch nie gesehen“, sagte Siggi zu seinen Kunden. Zum Dank kriegt er einen Internetauftritt.

Einstieg in eine neue Welt: Pöl

Montag, 27. Juni (291.211 = 284.596 km): Zum ersten Mal trinkt der Wagen größere Mengen Pöl: 15 Liter Lidl-Rapsöl gluckern in seinen Tank. Zuerst zieht er unwahrscheinlich schwer, aber bald darauf geht es so gut wie vorher. Das Geräusch hat sich etwas verändert (leicht rappeliger) und beim Halten riecht es nach verbranntem Fett (NICHT nach Pommesbude). Der Auspuff kriegt ne Originalchromblende von Ebay (8,-, Hersteller Frese Autozubehör, Nr. 21.236).

Wieder Wienern

Sonntag, 26. Juni (ca. 291.200): Mal wieder eine größere Putz-Aktion. Petra wienert den Innenraum, ich tausche am Kombiinstrument den defekten DZM gegen die alte Uhr aus und modifiziere das Dreier-Instrument auf „Tank/Temp/Oel“-Anzeige. Das Gepäcknetz vom Kardantunnel Beifahrerseite kommt ab, ebenso der Fischer-Getränkehalter aus der Mittelkonsole. Chrom mit Lippert Unipol blau poliert – gut! Radchrom hinten ab. Der Gaszug blockierte an der Spritleitung, geradegebogen. Abends Tacho-Vergleichsfahrt auf dem Ostwestfalendamm mit GPS. Tacho eilt nur 5 Prozent voraus (100 angezeigte = 95 reale km/h, der Kilometerzähler ist zumindest nicht völlig daneben).

Die Wiederauferstehung: Triumph

Montag, 20. Juni (ca. 291.000): Spiel, Satz und Sieg! Der TÜVi guckt nicht einmal die Türen genau an. Euro 1 trägt er mir auch ein. Der moorbraune Dieselstern zischt nach Hause, wo er noch eine AU an der Autotränke macht und kurz darauf bei der Stadt zugelassen wird: Als BI-CD 240 (zum zweiten Mal in meinem Leben ein Wunschkennzeichen), gültig vom 1. April bis 30. November, macht er jetzt die Straßen unsicher.

Ich überschlage mal, was die ganze Coupé-Restaurierung bis jetzt gekostet hat und komme auf über 2.100 Euro (300,- alleine für Kennzeichen, TÜV, AU und Anmeldungen, über 1.000,- für Blech- und Karosserieteile).

Es hat also nicht ganz hingehauen mit den geplanten 200 bis 300 Euro, die ich nicht mehr in den roten Golf stecken wollte…

Im Forum verbreite ich die gute Nachricht unter dem Betreff
Neues Diesel-QP „ohne erkennbare Mängel“ auf der Straße:

In Bielefeld brennt die Luft

VON UNSEREM KFZ-KORRESPONDENTEN HARRY „HORCH“ HIRSCH

Bielefeld. „Ich hab’s mit eigenen Augen gehört“, stammelte Landwirt Johann Runkelmöller aus Bielefeld-Windelsbleiche. „Erst dacht ich, da kommt so’n alter Mercedes-Diesel, wie ich selbst seit 1978 einen hab, aber als ich mich zur Straße umdreh, knallt da ein dunkelbraunes Geschoss vorbei.“ So wie dem 64jährigen Agrar-Ökonomen ging es am Vormittag vielen Anwohnern des Bielefelder Stadtteils, über dem noch immer ein leichter Duft nach verbranntem Dieselöl liegt.

Noch Stunden nach dem rätselhaften Geschehen versorgten Psychologen des Sozialdienstes Katholischer Männer mehrere Dutzend verstörte Anwohner mit Kamillentee und Erste-Hilfe-Hostien. Es war gegen 10.15 Uhr, als das unbekannte Fahrzeug auf der Paderborner Straße stadteinwärts für Angst und Schrecken sorgte. Zeugen beschrieben die Form des Wagens als die eines Coupés der 123er-Serie von Mercedes-Benz. „Aber das passt nicht zur Aussage, das Fahrzeug sei eindeutig von einem Dieselmotor angetrieben worden“, erklärte der Pressesprecher der Polizeidirektion nördsüdliches Ostwestfalen, Pedro Pölter. Auf Dieselmotoren in derartig eleganten Karosserien hätten Mercedes-Kunden bis in die Neunziger Jahre warten müssen, „in Stuttgart war man 1980 einfach noch nicht soweit“.

Derzeit ermittelt die Polizei in alle Richtungen. Eine erste Spur deutet zur TÜV-Station in Paderborn-Elsen, wo gegen 9.45 Uhr ein mysteriöses Fahrzeug der Marke Daimler-Benz eine Hauptuntersuchung „ohne erkennbare Mängel“ absolvierte. „Irgendwas an dem Wagen kam mir gleich komisch vor“, erinnert sich Prüfer Horst-Sergio Horstmannskötter. „Aber ich hatte einfach nur Augen für diesen hinreißenden Lack. Moorbraun, wissen Sie! Dass es sowas Schönes noch gibt.“

Die Ermittler hoffen nun, dass der geheimnisvolle Wagen erneut irgendwo gesichtet wird. Hinweise nimmt die Polizei unter der Kontonummer 683114301 der Postbank Hannover, BLZ 25010030, entgegen, Stichwort „Euro-Grab“ .

Am folgenden Dienstag bringe ich die mürbe S-Klasse als Dankeschön zu Siggi rüber.

280S

Abschied vom 280S. Der Wagen ist nicht glücklich geworden bei mir. Und ich nicht glücklich mit ihm. Armes Auto.

Die Wiederauferstehung: Erlösung

Sonntag, 19. Juni: Der erlösende Anruf von Siggi. Der Wagen ist fertig! Das Lackieren der Türen hat allerdings nochmal 260,- Euro gekostet. Hammerhammer. Ich hole den Wagen ab und tuckere überglücklich mit kreischendem Keilriemen heim. Der nagelneue Oxi-Kat ist in einem nagelneuen Vorderrohr eingeschweißt.

Motorraum-Vorgluehrelais

Und die neuen schönen Stabglühkerzen werden über ein hochmodernes Bosch-Relais mit Nachglühfunktion angesteuert. Es hat einen Temperatursensor, weshalb es im Gegensatz zu seinem Vorgänger im Motorraum angebracht ist (das Serien-Relais sitzt unter der Lenksäule).

Die Wiederauferstehung: Zweiter Anlauf

Freitag, 3. Juni. Abhilfe naht. Bei Holger H. zwei gebrauchte Türen (in schickem Goldmetallic) aufgetan, Stücker für 150 Euro. Am drauffolgenden Tag wieder eine wahre Odyssee (mit dem Mopped nach Bad O., mit Chris und seinem Golf nach Bad S., dort die Türen gekauft, zu Siggi gebracht, zusammen (so gegen Mitternacht) zurück nach Bad O., Burger King, alleine mit dem Mopped (nicht bei Regen!) zurück heim. Um halb zwei im Bett.

Es folgen zwei Wochen Pause, während der Lackierer die Türen bunkert. Zwischenzeitlich zwei neue Fenstergummis besorgt (eins für 25 Euro bei Ebay inklusive Versand, eins für nur 11 Euro bei DaimlerChrysler *ärger*).

altetuer1

Bis zuletzt schillernd: Die Fahrertür in ausgebautem Zustand (Bilder um 90 Grad gedreht).

altetuer3

So stellte sich die Rückseite dar… ja, das sind Löcher, da an der Unterseite.

altetuer2

Die Beifahrertür war kein Stück besser…

altetuer4

…verlieh vielmehr dem Begriff „Kantenrost“ eine neue Bedeutung…

altetuer5

…und wartete auch noch mit solch extravaganten Aufblühungen auf der Außenseite auf.

Da war tatsächlich nichts mehr zu retten. Bei Ebay fand sich kein Käufer, und Holger H. wollte die Dinger auch geschenkt nur noch in die Mulde werfen.

Sonntag, 19. Juni: Der erlösende Anruf von Siggi. Der Benz ist fertig! Das Lackieren der Türen hat allerdings nochmal 260,- Euro gekostet. Hammerhammer. Ich hole den Wagen ab und tuckere überglücklich mit kreischendem Keilriemen heim. Der nagelneue Oxi-Kat ist in einem nagelneuen Vorderrohr eingeschweißt.