Zu langsam, zu schnell

26. September: Blitz! Der Diesel ist zwar eher lahm, aber es reicht immer noch, um gelegentlich zu schnell zu sein.

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In Wuppertal-Elberfeld, Steinbeck 66, werde ich mit 67 km/h geblitzt, den linken Arm wie immer locker aufgelegt. Mit 50,- DM eine nette Erinnerung.

Als das Jahr zu Ende geht, werfen Dinge ihre Schatten voraus, die in der Zukunft noch bedeutsam werden:

Vermehrt wird Biodiesel getankt. Inwieweit der aggressive Kraftstoff zum frühen Tod des ersten Dieselmotors beiträgt, bleibt offen. Aber das Thema Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen wird zehn Jahre später wieder überaus aktuell.

Am 29. November ist dann die erste Kfz-Steuer für den Diesel fällig: 495,- DM. Da der Wagen als Eigenbau eingestuft und entsprechend brutal besteuert wird, wird mir der Spaß am Fahren mit dem billigeren Sprit nachhaltig verleidet. Wollten wir… nicht… Geld… sparen…?

Und am 15. Dezember gibt es dann bei rund 230.000 km den ersten Getriebeschaden. Und damit geht das Schicksalsjahr 1995 zu Ende.

Mit dem Diesel nach Schottland

Nun sind wir also Selbstzünderpiloten. Der altertümliche Motor mit seinem schmuddeligen silbernen Kopf, dem lauten Nageln und heftigem Schütteln im Leerlauf kommt mir nach dem modernen, durchzugsstarken M102 mit seinem schicken schwarzen Zylinderkopf furchtbar primitiv vor.

Die traurige 160-Kilometer-Skala des neuen Tachos (der gar nicht in den Wagen gehört hätte, da ja das alte 3,58er-Differential dringeblieben ist) macht unmissverständlich klar, dass wir nun in einer anderen Liga spielen. Wobei es die Nadel nicht mal auf 140 schafft. Gut, möglicherweise stammt der Tacho von einem 200D mit 3,92er-Übersetzung, was natürlich eine massive Unter-Eilung erzeugt haben dürfte.

Zu allem Überfluss trinkt der neue alte Motor unglaubliche Mengen an Öl, was ich bei der ersten längeren Fahrt nach Berlin eher zufällig bei einem Tankstellenstop entdecke. Alle etwa 550 Kilometer ist ein neuer Liter fällig. Wollten wir nicht Geld sparen mit der neuen Maschine?

Neue Ölstutzen auf dem Ventildeckel und eine neue Dichtung unter demselben bringen ebensowenig Abhilfe wie eine neue Dichtung am Ölfiltergehäuse. K. knöpft mir für eine Motorwäsche, um den Fehler zu finden, 75 Mark ab.

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Trotz seiner Trinksitten geht es mit dem Wagen wieder einmal auf große Fahrt. Am 6. September (214.091 km) breche ich zur zweiten Schottlandreise auf.

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Dunottar Castle. Schottischer und burgiger geht’s kaum, Eilean Donan Castle vielleicht mal ausgenommen. (Aber das ist ja nur eine Filmkulisse.)

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Wilde Büffelherden durchstreiften einst die unendlichen Weiden der Highlands.

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Erst ein Kurzbesuch in Edinburgh (…215.459 km…) bei Petra, danach mit ihr eine größere Rundfahrt durch die Highlands.

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Schottische Schafe am Straßenrand.

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Noch so ein schottisches Schaf…

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…und noch so eine schottische Ruine.

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Strome Ferry, ein Ort, der es sogar zu einer Erwähnung in einem Roman von Iain Banks gebracht hat. Und das ohne Fähre.

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Typische Single Track Road. Für den alten Dieselmotor ist das ständige Auf und Ab natürlich eine Qual.

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Noch ein Fotohalt an der Westküste.

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Die „Road to Applecross“ vom Norden her auf die Isle of Skye zu bietet einen Anblick, der für immer zu den schönsten meines Lebens zählen wird.

Bei der Rückkehr in Osnabrück steht der Zähler auf 218.400 km. Viel Straße in wenig Tagen: rund 3.700 Kilometer.